Neuanfang oder Niedergang?

Der Artikel „Zionismus im Endstadium – Ein Mythos zerbricht an der Realität” befasst sich mit der tiefgreifenden Krise, in der sich Israel im Sommer 2025 nach dem militärischen Konflikt in Gaza befindet. Dieser begann mit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023.

»Im Sommer 2025 steht Israel vor einer Zäsur, die weit über eine weitere militärische Eskalation hinausgeht. Der Krieg im Gazastreifen, ausgelöst durch den Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023, hat nicht nur zehntausende palästinensische Leben gekostet und weite Teile des Küstenstreifens verwüstet, sondern auch das politische Selbstverständnis Israels ins Wanken gebracht: Das Land ist innerlich tief gespalten, militärisch unter Druck, international zunehmend isoliert und wirtschaftlich belastet. Von Detlef Koch. …

… Fazit:

Israel ist innerlich tief gespalten, militärisch unter Druck, international zunehmend isoliert, wirtschaftlich belastet und ideologisch radikalisiert. Die Zeichen einer historischen Erschöpfung des zionistischen Projekts sind unübersehbar. Ob die Geschehnisse in einen Neuanfang münden oder in den Niedergang, hängt davon ab, ob das Land bereit ist, die bestehenden Strukturen radikal zu überdenken – und das Verhältnis zu den Palästinensern nicht länger als Sicherheitsproblem, sondern als Frage von Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu behandeln. Nur so kann Israel zu einer konstruktiven Rolle in der internationalen Gemeinschaft zurückkehren, von der es sich so weit entfernt hat.«

Zu den wichtigsten Punkten gehören:

Humanitäre Krise: Der Konflikt hat über 61.000 palästinensische Todesopfer gefordert und zu weitreichenden Zerstörungen im Gazastreifen geführt. Dies hat internationale Kritik von verschiedenen Seiten ausgelöst.

Politische Spaltung: Israel ist tief gespalten, wobei die rechtsgerichtete, nationalistisch-religiöse Regierung unter Benjamin Netanjahu auf erheblichen Widerstand einer schrumpfenden, liberal-säkularen Fraktion stößt. Die geplanten Justizreformen haben Massenproteste ausgelöst und einen kritischen Punkt in der israelischen Zivilgesellschaft markiert.

Demografischer Wandel: Die steigenden Geburtenraten unter der ultraorthodoxen Bevölkerung und die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte tragen zu einer wachsenden gesellschaftlichen Spaltung bei und bedrohen das Grundkonzept eines vereinten jüdischen Staates.

Militärische und sicherheitspolitische Herausforderungen: Die militärische Reaktion auf den Angriff vom 7. Oktober hat die Hamas nicht vollständig neutralisiert. Dies führt zu anhaltenden Konflikten und der Gefahr von Kriegen an mehreren Fronten. Darüber hinaus hat eine beträchtliche Anzahl von Reservisten den Dienst verweigert, was die gesellschaftlichen Spannungen innerhalb der israelischen Streitkräfte (IDF) widerspiegelt.

Internationale Isolation: Die Beziehungen Israels zu den Vereinigten Staaten schwächen sich ab, insbesondere unter jüngeren jüdischen Amerikanern, die das Vorgehen Israels kritisieren. Auch die Unterstützung Europas hat nachgelassen und die Forderungen nach Einhaltung des humanitären Völkerrechts werden immer lauter.

Wirtschaftliche Auswirkungen: Der Krieg hat die israelische Wirtschaft schwer getroffen. Dies hat zu einem erheblichen Rückgang des BIP und zu erhöhten Verteidigungsausgaben geführt, was wiederum Kreditherabstufungen und eine Schwächung der Währung zur Folge hatte. Der Hightech-Sektor, einst ein Wachstumsmotor, leidet unter Investitionsrückzügen und der Abwanderung von Fachkräften.

Ideologischer Verfall: Die traditionelle zionistische Erzählung verliert an Attraktivität und es zeichnet sich eine Verschiebung hin zu einer national-religiösen Perspektive ab, die universelle Werte ausschließt. Dies hat zu wachsender Kritik sowohl innerhalb Israels als auch in der weltweiten jüdischen Diaspora geführt.

Zukunftsszenarien: Der Artikel stellt zwei mögliche Zukunftsszenarien für Israel vor: eines mit bedeutenden Reformen in Richtung Inklusion und Gleichberechtigung, das jedoch als unwahrscheinlich gilt, und ein anderes, das zu weiterer Isolation und Niedergang führt und an die Apartheid in Südafrika erinnert.

Palästinensische Perspektive: Viele Palästinenser betrachten die Zwei-Staaten-Lösung als überholt und befürworten die Vision eines demokratischen Staates, der allen Bürgern gleiche Rechte garantiert. Dies würde den derzeitigen zionistischen Rahmen jedoch grundlegend verändern.

Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Israel an einem Scheideweg steht. Das Land ist mit inneren Konflikten, militärischem Druck, internationaler Isolation und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Zukunft Israels wird sich je nach Bereitschaft des Landes, seine grundlegenden Strukturen und seinen Ansatz in der Palästinafrage zu überdenken, entweder durch Wandel oder Niedergang auszeichnen.

13.08.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=137344

Ausreichend, zweckmäßig, das Maß des Notwendigen nicht überschreitend.

Im Jahr 1979 veröffentlichte Hans A. Pestalozzi sein Buch „Nach uns die Zukunft”. Darin beschäftigte er sich mit einem zukünftigen Leben, das lebenswert ist. Darin stellte er unter anderem die Frage, ob wir eine verkehrsgerechte Stadt oder einen stadtgerechten Verkehr wollen.
In dieser Zeit veröffentlichte die von Horst Stern geleitete Monatszeitschrift „Natur” Beilagen, die sich ebenfalls mit einem lebenswerteren Leben beschäftigten.
Die Umverteilungsmaschine (von unten nach oben) wusste schon damals, wie sie die Verbreitung dieser Ideen unterdrücken oder umlenken konnte.

Die Frage ist nicht, wie ICH die Stadt der Zukunft gestalten würde, sondern wie sie aussehen muss, damit sie Teil des Überlebenskampfes der Menschheit wird.

Die Stadt der Zukunft muss autofrei sein. Den rollenden Verkehr teilen sich Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel mit emissionsfreien Lieferwagen.

Die immer häufiger auftretenden und heftiger werdenden Starkregen dürfen nicht zu Überflutungen führen und die Häuser müssen Orkanen und Wirbelstürmen standhalten können.

In den extrem heißen Trockenperioden muss die Stadt schattig und kühl sein.

Es dürfen keine neuen Häuser mehr gebaut werden, der Altbestand muss klimakatastrophenresilient gemacht werden. Große Wohnungen müssen zurückgebaut werden, jeder Mensch darf höchstens 30 Quadratmeter Wohnfläche beanspruchen.
Wenn ein Neubau unumgänglich ist, darf dieser nur klimaneutral errichtet werden.

Es müssen genügend grüne und feuchte Oasen der Ruhe vorhanden sein.

Und so weiter, und so fort … Die entsprechenden Vorstellungen sind seit Jahrzehnten verfügbar. Mindestens seit dem Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972 mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums. Zur Lage der Menschheit.“.
Nicht nur die Stadt der Zukunft, sondern unsere gesamte Lebensweise muss sich diesem kategorischen Imperativ unterordnen: Sie muss sich bescheiden, ausreichend und zweckmäßig sein und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.

Der kommende Krieg, dessen Vorbereitungen gerade getroffen werden, wird den Überlebenden helfen, aus dieser Utopie eine Vision zu machen und aus dieser Vision Realität werden zu lassen.
Es wäre einfacher, wenn man die 1.000.000.000.000 Euro statt in Kriegsvorbereitungen in Klimaresilienz investieren würde.

Täglicher Schreibanreiz
Wie würdest du die Stadt der Zukunft gestalten?

unempfindlich, gleichgültig, emotionslos, abgestumpft

Das Gedächtnis der Menschheit
für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz.
Ihre Vorstellungsgabe für kommende
Leiden ist fast noch geringer.

Die Beschreibungen,
die der New Yorker
von den Gräueln der Atombombe erhielt,
schreckten ihn anscheinend nur wenig.
Der Hamburger ist noch umringt von den Ruinen,
und doch zögert er,
die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben.
Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen.
Der Regen von gestern macht uns nicht nass sagen viele.

Diese Abgestumpftheit ist es,
die wir zu bekämpfen haben,
ihr äußerster Grad ist der Tod.
Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote,
wie Leute, die schon hinter sich haben,
was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen.

Und doch wird nichts mich davon überzeugen,
dass es aussichtslos ist,
der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen.
Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen,
damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!
Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!
Denn der Menschheit drohen Kriege,
gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind,
und sie werden kommen ohne jeden Zweifel,
wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten,
nicht die Hände zerschlagen werden.

Bertolt Brecht, Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band 12: Gedichte 2. © Bertolt-Brecht-Erben/Suhrkamp Verlag 1988

Bertolt Brecht trug es persönlich vor auf dem internationalen „Kongress der Völker für den Frieden“ von Künstlern und Intellektuellen im Dezember 1952 in Wien. Sieben Jahre nach Hiroshima.

Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=137161

Wir sind auch das, was andere waren.

Das Vergangene ist nicht tot.
Es ist nicht einmal vergangen.

William Faulkner, „Requiem für eine Nonne“ (Requiem for a Nun), 1951

Faulkner verwendet diesen Satz, um die anhaltende Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart zu beschreiben. Dies ist ein zentrales Thema in vielen seiner Werke, in denen er sich mit der Geschichte des amerikanischen Südens sowie den Folgen von Sklaverei und Rassismus auseinandersetzt.

Burli.

Meine Eltern fanden, also eher fand das mein Vater, ein Mann soll einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen. –

Zuerst kam der Sohn, also ich. Sie stellten sich vor, also eher mein Vater stellte sich vor: Ich sollte genauso sein wie er (sich sah). Ich sollte aufgeschlossen, offen, kontaktfreudig, gesellig, leutselig, sportlich, handwerklich begabt und bärenstark sein. Sie (vermutlich er) entschieden sich für einen Namen mit althochdeutschen Wurzeln.

Sie bekamen eine verschlossene, in sich gekehrte, schüchterne, durchschnittlich sportliche und handwerklich unbegabte, verspielte Leseratte, wie meine Mutter.

Mein Vater atmete seine Enttäuschung selbst noch auf dem Sterbebett mit seinem letzten Atemzug aus. Meine Mutter lächelte immer leis‘; ich kam nach ihrer Familie, auch wie ich aussah. Sie bestand auf einem zweiten Vornamen, den Vornamen ihres Großvaters (sen.) und ihres Onkels (jun.), Tradition eben. Den Vornamen trugen schon berühmte Schriftsteller, Meistersinger und Architekten – in unserer Familie reichte es lediglich für eine lokale Bekanntheit.

In der Grundschule wurde ich wegen meines profanen Nachnamens gehänselt. Später, auf dem Gymnasium, meinten meine Mitschüler (nicht die Mitschülerinnen), das sei kein Name, sondern ein Sammelbegriff. –

Das mit dem Haus und dem Baum hat auch geklappt.

Täglicher Schreibanreiz
Woher kommt dein Name?

Wohin werden wir rennen?

Sag einmal, wohin werden wir rennen,
sag einmal, wohin werden wir rennen,
wohin werden wir rennen
am letzten Tag?

Rennen wir dann zum Wald,
und der Wald schreit: Ich bin schon verbrannt!
Der Wald schreit: Ich bin schon verbrannt!
Ich bin längst im Rauch aufgegangen!
Und ich schrei: Wald! Wald, wer hat dir dieses Feuer gelegt?
Wer hat dir dieses Feuer gelegt?

Sag, wer war das?
Keiner weiß, wie lange es noch so weitergeht,
keiner weiß, wie lange es noch so weitergeht,
keiner weiß, wie lange es noch so weitergeht,
keiner weiß, wie lange.

Keiner weiß, was der „Gescherte“ (der Mächtige / der mit Macht spielt) noch alles vorhat,
keiner weiß, was der Gescherte noch alles vorhat,
was der Gescherte noch alles vorhat,
drüben in Amerika.

Keiner weiß, wann wieder einer durchdreht,
keiner weiß, wann wieder einer durchdreht,
wann wieder einer durchdreht,
keiner weiß, ob heute.

Hey, sag einmal, wohin soll das gehen?
Hey, sag einmal, wohin sollen wir gehen?
Wohin sollen wir gehen
am letzten Tag?

Sogar die Kinder zeigen schon auf die Sünder,
sogar die Kinder zeigen schon auf die Sünder,
sogar die Kinder zeigen schon auf die Sünder,
an jedem freien Tag.

Power!
(Power … wiederholt)

Keiner weiß, wie lange es die Welt noch geben wird,
keiner weiß, wie lange es die Welt noch geben wird,
wie lange es die Welt noch geben wird,
keiner weiß, wie lange.

Keiner weiß, wie lange unser Haus noch steht,
keiner weiß, wie lange unser Haus noch steht,
wie lange unser Haus noch steht,
keiner weiß, wie lange.

Wo ist dann noch ein Rennen, wenn alles brennen wird?
Wo ist dann noch ein Rennen, wenn alles brennen wird,
wenn alles brennen wird
am letzten Tag?

Sogar die Kinder zeigen schon auf die Sünder,
sogar die Kinder zeigen schon auf die Sünder,
sie zeigen schon auf die Sünder
an jedem freien Tag.

Power!
(Power … wiederholt)

Der Song „Sünder” von Hubert von Goisern ist ein warnendes, beinah apokalyptisches Lied.

Er beschreibt ein Gefühl der Unsicherheit über die Zukunft: Niemand weiß, wie lange die Welt noch existieren oder „unser Haus“ noch stehen wird.

Das Bild des brennenden Waldes steht für die Zerstörung der Natur sowie für von Menschen verursachte Katastrophen.

Mit dem „Gescherte“ (wörtlich: der Geschorene, sinnbildlich: jemand Mächtiges oder Skrupelloses, eventuell Politiker oder Anführer) kritisiert er jene, die über die Zukunft der Welt entscheiden und deren Handlungen gefährlich sind.

Auch die Gefahr von Gewalt und Kriegen klingt an („wann wieder einer durchdreht“).

Besonders eindringlich ist die Stelle, an der sogar die Kinder die Schuldigen erkennen, was bedeutet, dass die Verantwortungslosigkeit unübersehbar geworden ist.

Den Refrain „Power“ kann man als ironische Kritik am Machtstreben und am blindem Fortschrittsglauben deuten.

Insgesamt ist das Lied eine Klage über Umweltzerstörung, politische Machtspiele und den drohenden Untergang, verbunden mit der Frage: „Wohin soll das noch führen?”

He sog amoi wohi wern ma rennen
He sog amoi wohi wern ma rennen
Wohi wern ma rennen
Am letztn Tog

Rennen ma donn zum Woid
Und da Woid schreit: I bin schun verbrennt
Da Woid schreit: I bin schun verbrennt
I bi schu long im Rauch aufgongen
Und i schrei: Woid! Woid, wer hot des Feier dir glegt?
Wer hot des Feier dir glegt?

Sog, wer is des gwen
Koana woaß wia longs nu so dahin geht
Koana woaß wia longs nu so dahin geht
Koana woaß wia longs nu so dahin geht
Koana woaß wia long

Koana woaß wos der Gscherte nu olls vur hot
Koana woaß wos der Gscherte nu olls vor hot
Wos der Gscherte nu olls vor hot
Drübn in Amerika

Koana woaß wonn wieda oana durchdrahnt
Koana woaß wonn wieda oana durchdrahnt
Wonn wieda oana durchdrahnt
Koana woaß des heit

He, sog amol, wo soll des hingehn
He, sog amol, wo solln ma hingehn
Wo solln ma hingehn
Am letztn Tog

Sogor de Kinder zoagn schu auf de Sünder
Sogor de Kinder zoagn schu auf de Sünder
Sogor de Kinder zoagn schu auf de Sünder
An jedem freien Tog

Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)

Koana woaß wia longs die Welt nu gebn wird
Koana woaß wia longs die Welt nu gebn wird
Wia long′s die Welt nu gebn wird
Koana woaß wia long

Koana woaß wia long unsa Haus steht
Koana woaß wia long unsa Haus steht
Wia long unsa Haus steht
Koana woaß wia long

Wo is olm a Renna wonn ois wird brenna
Wo is olm a Renna wonn ois wird brenna
Wonn ois wird brenna
Am letztn Tog

Sogor de Kinder zoagn schu auf de Sünder
Sogor de Kinder zoagn schu auf de Sünder
Sie zoagn schu auf de Sünder
An jedem freien Tog

Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)
Power (Power)

Power