Zum Jahresindex – Interview Mathias Mogge, Deutsche Welthungerhilfe

Matthias Mogge von der Welthungerhilfe berichtet über die stagnierenden Fortschritte im Kampf gegen den Hunger weltweit. Insbesondere in Afrika südlich der Sahara und in Südasien leiden derzeit 673 Millionen Menschen unter Unterernährung, obwohl die Zahlen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sind. Die Ziele der Agenda 2030 für „Null Hunger” sind gefährdet.

Matthias Mogge von der Deutschen Welthungerhilfe stellt im Interview fest, dass der weltweite Hunger trotz eines Rückgangs in den letzten Jahrzehnten seit 2016 auf einem hohen Niveau stagniert. Aktuell haben etwa 673 Millionen Menschen keinen Zugang zu ausreichender Nahrung. Besonders betroffen sind Regionen wie Afrika südlich der Sahara und Südasien. Als Hauptursachen für die anhaltende Hungerkrise werden Konflikte und der Klimawandel identifiziert. Mogge betont die Notwendigkeit, umfassendere Indikatoren zu betrachten und schnellere Hilfsmaßnahmen zu ergreifen – insbesondere in Krisengebieten wie Gaza.

Weltweiter Hunger bleibt hoch – trotz Fortschritten

Seit 2016 stagniert der weltweite Fortschritt bei der Reduzierung von Hunger. Rund 673 Millionen Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Nahrung, vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Südasien.

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Key Points

  • Der Trend zeigt seit 2016 keine wesentlichen Verbesserungen mehr beim Thema Hunger.
  • Bis 2030 werden 56 Länder das Ziel „Zero Hunger“ wahrscheinlich nicht erreichen.
  • Ca. 673 Millionen Menschen weltweit haben keinen ausreichenden Nahrungskontakt.
  • Der Welthungerindex umfasst mehrere Indikatoren, darunter Kindersterblichkeit und Wachstumsverzögerungen.
  • Besonders betroffen sind Afrika südlich der Sahara und Südasien.
  • Konflikte und Klimawandel sind die Haupttreiber der Hungersituation.

Aktueller Stand und Regionen

Seit 2016 stagniert die globale Hungerbekämpfung mit kaum erkennbaren Fortschritten. Besonders betroffen ist Afrika südlich der Sahara mit Ländern wie Nigeria, Burundi und Somalia, in denen Kinder stark unter Ernährungsproblemen leiden. Zwar gibt es in einigen Ländern Verbesserungen, in anderen wie Syrien verschlechtert sich die Lage jedoch durch Konflikte.

Ursachen und Einflussfaktoren

Konflikte – insbesondere Kriege, wie sie aktuell in Syrien stattfinden – und die Auswirkungen des Klimawandels wirken sich massiv auf die Ernährungssicherheit aus. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und Überflutungen behindern die landwirtschaftliche Produktion, steigern die Ernährungsunsicherheit und verschärfen die humanitäre Krise.

Möglichkeiten der Hilfe

Sofortige Hilfe ist möglich und wird durch die vorbereiteten Lager der Organisationen erleichtert. In Krisengebieten wie dem Gazastreifen ist schnelle Unterstützung bei der Wasserversorgung, bei sanitären Anlagen und bei der Bereitstellung von Unterkünften entscheidend. Um Klimaextreme und Konflikte besser bewältigen zu können, sind jedoch langfristige Strategien erforderlich.

Schlussfolgerung Hunger ist nach wie vor eine globale Herausforderung, die durch Konflikte und den Klimawandel noch verstärkt wird. Um das Ziel „Zero Hunger“ bis 2030 noch zu erreichen, sind schnelle und nachhaltige Maßnahmen notwendig.

Schulz, Sandra; https://www.deutschlandfunk.de/zum-jahresindex-interview-mathias-mogge-deutsche-welthungerhilfe-100.html, Interviews, 09.10.2025

Neue Gaskraftwerke berücksichtigen keine Klimaziele – keine Option auf Wasserstoffumstellung

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche steht unter Druck: Ihre Pläne für den Bau neuer Gaskraftwerke ohne klare Umstellung auf Wasserstoff sind sowohl rechtlich als auch umweltpolitisch umstritten – insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaziele.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche steht in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, die Pläne ihres Vorgängers Robert Habeck nicht übertreffen zu können. Nun strebt sie den Bau von bis zu 35.000 Megawatt neuen Gaskraftwerken an, ohne eine Umstellung auf Wasserstoff vorzuschreiben. Ein Rechtsgutachten warnt, dass die Genehmigung dieser Gaskraftwerke aufgrund von Wettbewerbsnachteilen für klimafreundlichere Technologien sowie der fehlenden Notwendigkeit für weitere Gaskraftwerke in einem vernetzten europäischen Strommarkt problematisch sein könnte. Zudem wird die Möglichkeit der CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) als unzureichend erachtet, da es an konkreten Plänen und Vorgaben fehlt.

»Ende des Jahres will Wirtschaftsministerin Reiche die ersten neuen Gaskraftwerke ausschreiben. Die öffentliche Finanzierung von Bau und Betrieb solcher Anlagen verstößt allerdings gegen das EU-Beihilferecht, stellt ein heute veröffentlichtes Gutachten der Kanzlei K&L Gates fest. von Jörg Staude«, 08.10.2025, https://www.klimareporter.de/strom/reiche-kommt-beim-gas-nicht-ueber-habeck-hinaus

Die Barbaren sind wir. | Citation.

Die Personalisierung unseres Geschichtsbildes, die Dämonisierung von Personen und Gruppen ist keine Politik, sondern Dummheit. […]

Der Narzissmus unserer wertewestlichen Welt überträgt sich in menschliches Leben auf allen Ebenen als Katastrophe.

Unter dem Vorwand von Kriegsgegnerschaft hetzen wir die Ukraine in einen Krieg gegen Russland. Unter dem Vorwand von Gesundheitspolitik stehlen wir den Afrikanern ihr Immunsystem. Unter dem Vorwand von Freiheit bereiten wir uns auf einen Krieg gegen China vor. Unter dem Vorwand von gedachten Bedrohungen überfallen wir den Iran. Kein Land ist vor unseren Regime-Changes sicher. […]

Denn die Barbaren sind wir.

~ Gabriele Gysi, 21.06.2025, Friedensdemo, Berlin, https://www.gabriele-gysi.de/news-details/eine-lizenz-zum-toeten

GABRIELE GYSI ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin.
Sie wurde 1946 in Berlin als Tochter der kommunistisch-jüdischen Verleger Klaus und Irene Gysi geboren.
Sie besuchte die Staatliche Schauspielschule Berlin. Anschließend wurde sie an die Volksbühne Berlin engagiert.
1984 verließ sie die DDR und wechselte das Engagement ans Stadttheater Bochum. Nach Tätigkeiten an verschiedenen Theatern und Schauspielschulen kehrte sie 2006 als Assistentin der Intendanz und später als Chefdramaturgin an die Volksbühne Berlin zurück.
Seit 2010 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.

Hobbypiloten und kriminelle Aktivitäten

Die Berichte über angebliche Drohnenvorfälle in mehreren europäischen Ländern, die oft mit Russland in Verbindung gebracht wurden, haben sich größtenteils als unbegründet herausgestellt, da viele Vorfälle auf Hobbypiloten oder kriminelle Aktivitäten zurückzuführen sind.

In seinem Artikel kritisiert Florian Warweg die jüngsten Berichte über angebliche russische Drohnenvorfälle in mehreren europäischen Ländern. Diese haben sich als unbegründet herausgestellt, da viele dieser Sichtungen auf Hobby-Piloten oder illegale Aktivitäten wie Zigarettenschmuggel zurückzuführen sind. Die Bundeswehr und andere Behörden haben Berichte über Drohnenüberflüge wiederholt dementiert, während Politiker und Medien Russland weiterhin beschuldigen und Panik schüren, ohne ausreichende Beweise vorzulegen. Warweg fordert eine sachlichere Berichterstattung und dass die tatsächlichen Probleme der Bürger stärker in den Fokus gerückt werden, anstatt sich auf unbegründete Drohnenspekulationen zu konzentrieren.

»So ziemlich alle „Russen-Drohnen“-Berichte der letzten Wochen aus Deutschland, Polen, Frankreich, Norwegen, Litauen und Dänemark haben sich mittlerweile als unbegründet herausgestellt. In Litauen waren es Zigaretten-Schmuggler, in Norwegen, beim Frankfurter Flughafen sowie beim Warschauer Präsidentenpalast „Hobbydrohnenpiloten“, die ihren Neuerwerb testen wollten. Die Bundeswehr sah sich gezwungen, SPIEGEL-Berichte zu angeblichen Überflügen zu dementieren. Auch in Dänemark legten Politik und Polizei den Rückwärtsgang ein. Ähnlich zeigt sich die Lage beim angeblichen „russischen Drohnen-Tanker“, den französische Spezialeinheiten medienwirksam am 27. September in internationalen Gewässern bei Saint-Nazaire aufgebracht hatten. Von Florian Warweg.«, 07.10.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=140202

hören:

Filmtipp | Emilia Pérez | Sehenswert

Der Film „Emilia Pérez” von Jacques Audiard ist eine ungewöhnliche Mischung aus Musical-Thriller, Sozialdrama und Telenovela, die im Umfeld des mexikanischen Drogenbandenkriegs spielt.

Wer ein Faible für Genre-Mixes hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Obwohl der Film Leichtigkeit vermittelt, ist er keine Komödie. Audiard hat einen Ton und eine Form gefunden, die das Wissen um die mehr als 100.000 verschwundenen Mexikanerinnen und Mexikaner erträglich macht. Die seltenen, aber dramaturgisch notwendigen Gewaltdarstellungen wurden dezent inszeniert, sodass sich auch gewaltsensible Menschen den Film anschauen können. Die Gesangs- und Tanzeinlagen sind genial in den Film und die Handlung eingewoben. Ich musste die Untertitel einblenden, um die Texte der Gesangseinlagen zu verstehen (YouTube). Ich sehe Jacques Audiards Filme gerne, da er hochspannende Momente kreiert und die Schauspielerinnen und Schauspieler dazu bringt, Gefühle nicht zu spielen, sondern sie vor der Kamera zu durchleben.

Hier eine allgemeine Zusammenfassung aus mehreren Filmkritiken:

Die Handlung:

Im Zentrum steht die überqualifizierte, aber unterbezahlte Anwältin Rita Moro Castro (gespielt von Zoe Saldana), deren Klienten die grauen Eminenzen der mexikanischen Drogenclans sind. Ihr wird ein lukrativer, aber riskanter Job angeboten. Der gefürchtete Narco-Boss Juan „Manitas“ Del Monte (Karla Sofía Gascón) entführt sie, um ihr seine Pläne zu offenbaren. Manitas will aus dem Verbrechermilieu aussteigen und endlich als Frau, Emilia Pérez, leben, da er sich tief im Inneren schon immer als Frau fühlte. Rita soll diesen Prozess der Geschlechtsangleichung juristisch und logistisch begleiten, Manitas‘ Tod vortäuschen und seine ahnungslose Ehefrau Jessi (Selena Gomez) und die Kinder in Sicherheit bringen.

Die Transformation und ihre Folgen

Die Transformation zu Emilia gelingt und Emilia versucht, ihre gewalttätige Vergangenheit durch Wiedergutmachung zu sühnen. So gründet sie unter anderem eine Stiftung für die Opfer der Kartellkriminalität. Trotz des Neuanfangs holt sie die Sehnsucht nach ihrer Familie ein. Sie bittet Rita, die inzwischen wohlhabend ist, um Hilfe, um Jessi und die Kinder aus dem Exil in der Schweiz zurück nach Mexiko zu holen. Dabei gibt sich Emilia als Manitas‘ ihr unbekannte Cousine aus. Diese Konstellation führt zu einem absurden Versteckspiel und einem Familiendrama, in dem die Frage aufgeworfen wird, ob eine Person ihre schlechten Wesenszüge und ihre Vergangenheit wirklich abstreifen kann. Dies wird in einer Szene der Eifersucht und Wut Emilias thematisiert. Parallel dazu finden auch Rita und Jessi auf ihre Weise zu einer neuen Selbstermächtigung.

Form und Stil

Das Ungewöhnliche an diesem Film ist, dass die Geschichte in das Genre des Musicals eingebettet ist, mit organisch wirkenden, teils chansonartigen Gesangs- und Tanznummern. Die Musik von Camille und Clément Ducol spielt eine zentrale Rolle. Der Film wurde in einem Studio in Paris gedreht und kaschiert das Artifizielle nicht, sondern stellt es bewusst zur Schau. Er wagt einen Spagat zwischen der harten politischen Realität des Drogenkriegs und der Musicalbühne.

Auszeichnungen und Kritik

„Emilia Pérez“ wurde in Cannes mit dem Preis der Jury und dem kollektiven Darstellerpreis für das gesamte weibliche Ensemble (Karla Sofía Gascón, Zoe Saldaña, Selena Gomez und Adriana Paz) ausgezeichnet. Insbesondere die spanische Trans-Schauspielerin Karla Sofía Gascón wurde für ihre Doppelrolle als Manitas/Emilia gefeiert. Der Film wurde von Frankreich ins Oscarrennen geschickt. Es gab jedoch auch Kritik, unter anderem vom Queer-Theoretiker Paul B. Preciado, der Audiard vorwarf, gefährliche Stereotype über Transpersonen zu transportieren. Trotz mancher Kritikpunkte wird der Film als faszinierendes, vielschichtiges Kinoexperiment und als gelungene, wilde Genremischung beschrieben.

Umdenken in der Wahrnehmung des eigenen Handelns. | Citation.

Auf keinen Fall darf das Denken den Journalisten und Politikern überlassen werden. Sie fühlen sich auserwählt, Entscheidungen zu fordern und zu treffen, die ständig Unglück produzieren. Welche Vorstellungen außer Kampf und Vernichtung, als Kriegstüchtigkeit propagiert, schenken sie uns, ihrem Publikum? […]

Es gibt nur die Grenzen, die wir ziehen:
militärisch, ökonomisch, kulturell, weltweit.
Wir haben ein weltweites Finanzregime durchgesetzt.
Wir sanktionieren weltweit, wen oder was auch immer.
Wir führen Kriege zur Erziehung der Menschheit – und wozu noch?

~ Gabriele Gysi, 21.06.2025, Friedensdemo, Berlin, https://www.gabriele-gysi.de/news-details/eine-lizenz-zum-toeten

GABRIELE GYSI ist Schauspielerin, Regisseurin und Autorin.
Sie wurde 1946 in Berlin als Tochter der kommunistisch-jüdischen Verleger Klaus und Irene Gysi geboren.
Sie besuchte die Staatliche Schauspielschule Berlin. Anschließend wurde sie an die Volksbühne Berlin engagiert.
1984 verließ sie die DDR und wechselte das Engagement ans Stadttheater Bochum. Nach Tätigkeiten an verschiedenen Theatern und Schauspielschulen kehrte sie 2006 als Assistentin der Intendanz und später als Chefdramaturgin an die Volksbühne Berlin zurück.
Seit 2010 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.