📅❓ Detektieren.

Da ich vor Kurzem kein neues Hobby für mich entdeckt habe, kann ich weder davon erzählen noch davon berichten, wie ich darauf gekommen bin.

Beim Nachdenken über die heutige Schreibanregung fiel mir jedoch ein Hobby ein, über das die BBC eine Serie in drei Staffeln produziert hat: das Detektieren.

Es handelt sich um die Serie „Detectorists”.

Wenn man die Handlung auf das Hobby des Sondengehens reduziert, liest sie sich wie eine fortlaufende, methodische archäologische Schatzsuche im ländlichen Essex.

Das Herzstück der Serie ist das titelgebende Duo, die beiden befreundeten Sondengänger Andy (Mackenzie Crook) und Lance (Toby Jones). Die Chemie der beiden Schauspieler passt perfekt.

Obwohl es vordergründig nur um ein paar Männer geht, die auf Äckern nach rostigem Schrott und römischen Münzen suchen (es gibt auch noch konkurrierende Sondengänger), geht es in „The Detectorists“ eigentlich um viel mehr. Die Serie fängt Themen wie männliche Freundschaft, Einsamkeit, die Liebe zur Natur und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben wunderschön ein.

Auch die Nebenfiguren aus dem lokalen Sondengänger-Verein werden liebevoll und augenzwinkernd gefeiert. Sie werden nie als reine Witzfiguren oder tumbe Nerds bloßgestellt, sondern als echte, tiefgründige Menschen mit all ihren alltäglichen Sorgen, Macken und Leidenschaften gezeichnet.

Das Drehbuch von Mackenzie Crook, der auch Regie führt und die Hauptrolle spielt, ist brillant. Der Humor ist trocken, subtil und extrem pointiert, kommt aber völlig ohne eingespielte Lacher aus. Die Serie glänzt durch clevere, schlagfertige Dialoge und fantastische, kurze, pointierte Bemerkungen, ohne dabei jemals in platten Klamauk abzurutschen. Meisterhaft pendelt sie zwischen leiser Komik, trockenem Humor und berührender Tragik.

Das Sondengehen bildet die Klammer um tragische, komische und tragikkomische Geschichten aus einer britischen Kleinstadt und ihren Bewohner:innen. Liebe, Freundschaft, Familien und deren Zusammenführung, Loyalität, Pubbesuche und Vereinsmeierei sind die noch viel interessanteren Nebenschauplätze.

„Detectorists“ ist ein echtes Juwel der britischen Fernsehlandschaft. Wer sich auf das ruhige Tempo („Slow Burn“) einlässt, wird mit einer der besten, lustigsten und herzlichsten Comedy-Drama-Serien der letzten Jahre belohnt.

Britischer Humor und Situationskomik vom Feinsten.

Die Serie sollte im Originalton angeschaut und gehört werden, denn keine Synchronisation kann den originalen Tonfall ersetzen. Die Serie ist untertitelt.

Tägliche Schreibanregung
Erzähl von einem Hobby, das du dir erst kürzlich angeeignet hast – wie bist du dazu gekommen?

Share a hobby you’ve picked up recently — what got you into it?  |  Erzähl uns von einem Hobby, das du vor Kurzem für dich entdeckt hast – wie bist du darauf gekommen?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

📅❓ Ans Herz gewachsen.

Elsa Dutton ist die zentrale Figur und Erzählerin des Yellowstone-Prequels „1883”. Sie bildet das emotionale Zentrum der Geschichte und durchläuft die tiefgreifendste Veränderung aller Charaktere.

Zu Beginn ihrer beschwerlichen Reise von Texas nach Norden ist die 18-jährige Elsa ein behütet aufgewachsenes, romantisch veranlagtes Mädchen aus Tennessee. Sie blickt mit fast kindlicher Faszination und einer gewissen Naivität auf die raue Welt um sich herum. Doch die brutale Realität des Oregon Trails zwingt sie, extrem schnell erwachsen zu werden. Sie lernt, Rinder zu treiben, wie ein Cowboy zu reiten und im Angesicht der Gefahr Waffen einzusetzen. Am Ende der Reise ist sie eine gezeichnete, harte und unglaublich widerstandsfähige junge Frau, die den Wilden Westen vollständig verinnerlicht hat.

Elsa wehrt sich vehement gegen die engen gesellschaftlichen Rollenbilder des späten 19. Jahrhunderts – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Sie legt ihre einengenden, traditionellen Kleider und Korsetts ab und tauscht sie gegen die Kleidung der Cowboys: Hosen, Hemden und Chaps.

Sie weigert sich, die traditionelle Rolle der passiven Frau im Planwagen einzunehmen. Stattdessen fordert sie ihren Platz auf dem Pferderücken ein und arbeitet gleichwertig neben den Männern.

Elsa liebt und trauert mit einer fast grenzenlosen, ungeschützten Intensität. Ihre oft sehr poetischen und philosophischen Voice-over-Monologe gewähren einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben.

Ihre erste große Liebe zu dem Cowboy Ennis weckt eine wilde Leidenschaft in ihr. Sein plötzlicher, gewaltsamer Tod bricht ihr das Herz, härtet sie aber auch ab. Später verliebt sie sich in den Comanche-Krieger Sam. Diese Liebe überschreitet alle damaligen kulturellen Grenzen und zeigt Elsas fundamentale Offenheit für Menschen, die mit der Natur und nicht gegen sie leben.

Während viele europäische Einwanderer und Siedler den Westen als feindliche Umgebung betrachten, die es zu erobern gilt, sieht Elsa seine raue Schönheit. Sie passt sich der Natur an, anstatt sie bekämpfen zu wollen. Durch ihre Ehe mit Sam und ihre furchtlose Art wird sie von den Comanche respektiert und als „Lightning with the Yellow Hair“ (Blitz mit dem gelben Haar) in ihre Kultur aufgenommen.

Elsas Schicksal bildet den Gründungsmythos der gesamten Dutton-Dynastie. Als sie durch einen vergifteten Pfeil der Lakota tödlich verletzt wird, entscheidet ihr Vater James, dass die Familie ihre Reise beendet und genau dort siedeln wird, wo Elsa ihre letzte Ruhe findet. Ihr Tod im Paradise Valley in Montana ist der direkte Auslöser dafür, dass die Familie das Land in Besitz nimmt, das später zur gigantischen „Yellowstone“-Ranch wird.

Sie ist das personifizierte Symbol für den amerikanischen Westen der Serie: wunderschön, ungezähmt, wild und letztlich zutiefst tragisch. ✨

Diese Filmfigur, grandios gespielt von der jungen Schauspielerin Isabel May, ist mir in den zehn Episoden der Miniserie ans Herz gewachsen. Für einen Moment waren Fiktion und Realität eins. Ihr Filmtod hat mich zuletzt für eine halbe Stunde zerrissen.

Tägliche Schreibanregung
Bei welchem Film hast du zuletzt geweint?

What’s the last movie that made you cry?  |  Welcher Film hat dich zuletzt zum Weinen gebracht?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/