Urverletzung.  |  Citation.

» […] Die Eltern sind froh, dass er der kleinen Lene bei den Hausaufgaben hilft. Dass Lenes Schreibheft trotzdem voller Tintenkleckse ist, bemerkt nur die Lehrerin, die darüber schimpft. Der Tintenklecks entsteht jedes Mal, wenn Lene nicht mehr weiterschreiben kann, weil Strecker seine Hände unter ihr Hemdchen gleiten lässt und seine Finger in sie steckt. Das tut „höllisch weh“ und „jetzt muss man sich irgendwo festhalten können. Ich halte micht am Füller fest und schaue auf den blauen See, der größer wird.“ […]

Helene Bracht reflektiert und philosophiert in poetischer Sprache über Scham, Kontrollverlust und Grenzen, verliert sich aber nie in der Abstraktion, sondern findet immer wieder zu sich selbst und ihrer Urverletzung. […] «

~ Chantal Louis in EMMA Nr. 5 (382) September/Oktober 2025 Seite 70 über Helene Brachts Buch „Das Lieben danach“, Hanser, 22 EUR.

https://www.emma.de/artikel/helene-bracht-das-lieben-danach-341955 | Bezahlschranke

Alle Dinge sind miteinander verbunden und existieren ineinander. | Citation.

Wenn du eingehend deine Handfläche betrachtest, siehst du dort deine Eltern und sämtliche Generationen deiner Vorfahren. Sie alle sind in diesem Moment lebendig. Sie alle sind in deinem Körper präsent. Jeder dieser Menschen lebt in dir weiter.

~ Thích Nhất Hạnh, buddhistischer Mönch, Das Herz von Buddhas Lehre (A lifetime of peace), 1998, Vier Edle Wahrheiten/Achtfacher Pfad

Das Zitat betont das Konzept der Interbeing (gegenseitige Durchdringung oder wechselseitiges Sein), das Thich Nhat Hanh prägte. Es beschreibt, wie alle Dinge miteinander verbunden sind und ineinander existieren.

Er hat diesen Gedanken in mehreren seiner Bücher und Vorträge formuliert. Eine fast identische Passage findet sich in seinem Buch „The Other Shore: A New Translation of the Heart Sutra with Commentaries“ (2017), sowie in „No Death, No Fear: Comforting Wisdom for Life“ (2002).

Die Dinge zu Ende bringen.

Ich habe sehr stark das Gefühl, dass ich unter dem Einfluss von Dingen oder Fragen stehe, die von meinen Eltern und Großeltern und den weiteren Ahnen unvollendet und unbeantwortet gelassen wurden. Es hat oft den Anschein, als läge ein unpersönliches Karma in einer Familie, welches von den Eltern auf die Kinder übergeht. So schien es mir immer, als ob … ich Dinge vollenden oder auch nur fortsetzen müsse, welche die Vorzeit unerledigt gelassen hat.

CARL GUSTAV JUNG, Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie aus „Erinnerungen, Träume, Gedanken“, seinem autobiografischen Werk, das er zusammen mit Aniela Jaffé verfasste