🎙 Die falsche Verantwortung: Warum wir die Erwartungen anderer nicht entschlüsseln müssen.

In dieser Podcast-Folge sucht Lina Rat, da sie unter extremen Selbstzweifeln, ständiger Selbstüberprüfung und massiver Verlustangst leidet.

Die Ursache liegt in der traumatischen Trennung ihrer Eltern, bei der Lina als Kind zwischen widersprüchlichen Aussagen zerrieben wurde und ihre eigene Wahrnehmung immer wieder infrage gestellt wurde.

Dadurch verlor sie das Vertrauen in ihre Gefühle und entwickelte ein enormes Bedürfnis nach Kontrolle, um sich vor künftigen Enttäuschungen und Ablehnung zu schützen.

Stefanie Stahl verdeutlicht, dass dieses ständige Analysieren ein anstrengender, aber letztlich aussichtsloser Versuch ist, emotionale Sicherheit zu erzwingen.

Lina tendiert auch heute noch dazu, die komplette Verantwortung für die Gefühle und unausgesprochenen Erwartungen ihrer Mitmenschen zu übernehmen.

Die Psychologin rät ihr daher, klare Maßstäbe zu setzen und zu verinnerlichen, dass in jeder zwischenmenschlichen Beziehung beide Parteien zu 50 Prozent verantwortlich sind.

Lina muss lernen, alte Gefühle aus der Kindheit von der Realität im Hier und Jetzt zu trennen, da sie mittlerweile über gesunde und stabile Freundschaften verfügt.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist ein freundlicherer Umgangston mit sich selbst, bei dem ihr erwachsenes Ich aktiv das verunsicherte innere Kind schützt.

Anstatt ihre Gedanken zwanghaft abstellen zu wollen, darf Lina ihren Verstand künftig nutzen, um ihr Bauchgefühl mit rationalen Argumenten zu untermauern.

In einem späteren Feedback berichtet Lina, dass ihr diese neuen Perspektiven enorm viel Druck genommen haben und sie nun deutlich ruhiger durchs Leben geht.


Podcastfolge „In meinem Kopf herrscht Chaos – wie weiß ich was richtig und falsch für mich ist?“ vom –14.12.2025– aus dem RTL+-Podcast „Stahl aber herzlich„.


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/227309-in-meinem-kopf-herrscht-chaos-wie-weiss-ich-was-richtig-und-falsch-fuer-mich-ist.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://plus.rtl.de/stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl-p_13938/audio/in-meinem-kopf-herrscht-chaos-wie-weiss-ich-was-richtig-und-falsch-fur-mich-ist-c_1624297

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📅❓ Bystander-Effekt

Die großen Fragen des Lebens behandle und wichtige Lebensentscheidungen treffe ich nicht allein intuitiv bzw. aus dem Bauchgefühl heraus. Ich kann zwar schnell Entscheidungen treffen, habe aber trotzdem blitzschnell die Fürs und Widers gegeneinander abgewogen. Wenn keine Zeit zum Denken ist, bleibt auch keine Zeit, das Bauchgefühl zu befragen. Dann handle ich rein instinktiv im Überlebensmodus.

Vor Entscheidungen befrage ich mein Bauchgefühl und hinterfrage es. Oft zeigt sich dann, dass ich etwas nicht berücksichtigt habe.

Bei den kleinen Dingen des Lebens überlasse ich gerne meinem Bauchgefühl die Entscheidung: Gehe ich heute den rechten oder den linken Weg? Spontan entscheide ich mich für einen von beiden. Ob ich auf dem anderen Weg Opfer eines Überfalls geworden wäre und mit meiner Entscheidung, diesen Weg zu gehen, genau richtig lag, kann ich nicht beurteilen.

Apropos Weggabelung. Auf dem Rückweg vom Bahnhof komme ich an einer Grünfläche mit einem kleinen Bolz- und Spielplatz vorbei. Ich kann rechts oder links daran vorbeigehen. Normalerweise gehe ich rechts daran vorbei, da dieser Weg etwas kürzer ist.

Vor ein paar Wochen entschied ich mich jedoch aus einem unbestimmten Gefühl heraus, links daran vorbeizugehen. „Oben“, an der Stelle, an der beide Wege zusammenlaufen, biege ich rechts ab. Der linke Weg führt geradeaus weiter. Während ich mich nach rechts drehe, sehe ich im Augenwinkel, wie jemand vom Fußweg nach unten verschwindet.

Ich ging noch ein paar Schritte, dann wurde mir bewusst, dass dieses Verschwinden wie ein Sturz aussah. Ich kehrte um und ging in die Richtung, in die der vermeintliche Sturz erfolgt war. Tatsächlich saß am Fuße einer kleinen Treppe nach unten ein grauhaariger Mann jammernd auf dem Boden. In der einen Hand hielt er eine volle Einkaufstüte, in der anderen die Leine seines kleinen Hundes.

Er war tatsächlich gestürzt. Er laboriere an einem Bandscheibenvorfall und warte auf einen OP-Termin, erzählte er mir. Das Gehen fiel ihm schwer und er sei soeben diese kleine Treppe hinuntergefallen. Er war offensichtlich unverletzt, nur der Bandscheibenvorfall bereitete ihm Schmerzen.

Mithilfe anderer Passanten richteten wir den Mann auf, und ich begleitete ihn stützend bis nach Hause.

Wäre ich wie immer den rechten Weg gegangen, hätte ich ihm nicht helfen können und seinen Sturz nicht bemerkt.

Erst als ich bei dem Mann war und mit ihm redete, hielten auch andere Passanten an und boten ihre Hilfe an (sogenannte Auflösung des Bystander-Effekts).

Täglicher Schreibanreiz
Wann bist du deinem Bauchgefühl gefolgt – und es lag genau richtig?

What’s a time you followed your gut and it turned out to be exactly right?  |  Wann hast du einmal deinem Bauchgefühl gefolgt und es hat sich als genau richtig herausgestellt?

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