📅❓ Sapere aude

„Wage es, weise zu sein.“ oder „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Schülerinnen und Schüler (SuS) sollten lernen, wie man lernt: weg vom reinen Faktenkonsum, hin zur Entwicklung einer forschenden und hinterfragenden Haltung.

Den SuS sollte aufgezeigt werden, wie Gedächtnisbildung funktioniert. Konzepte wie „Spaced Repetition” (verteiltes Wiederholen) oder „Active Recall” (aktives Abrufen statt nur Durchlesen) sollten erklärt werden.

SuS muss dabei geholfen werden, ihre optimale Lernumgebung zu finden. Das bedeutet auch, den Wert von Stille, Fokus und einer aufgeräumten, ablenkungsfreien Arbeitsumgebung zu schätzen.

Lernen bedeutet auch, Fehler zu machen. Wenn Fehler nicht als Makel, sondern als notwendige Schritte auf dem Weg zur Erkenntnis gefeiert werden, verschwindet die Angst vor Neuem.

Schüler:innen sollten Themen wählen, die eine echte Relevanz für ihre Lebensrealität haben. Wenn das Ziel klar ist – beispielsweise das Erstellen eines Podcasts oder eines Blogs –, organisieren sie die nötigen Schritte oft intuitiv selbst.

Zu Beginn werden den SuS noch enge Leitplanken und klare Strukturen vorgegeben. Je sicherer die SuS werden, desto mehr sollte sich die Lehrperson zurückziehen und die Rolle des reinen Lernbegleiters übernehmen.

Ein Lerntagebuch hilft dabei, den eigenen Fortschritt sichtbar zu machen. Was lief heute gut? Wo habe ich mich verrannt? Was probiere ich morgen anders?

Kritisches Denken beginnt nicht mit den richtigen Antworten, sondern mit den richtigen Fragen.

Lehrende sollten auf Fragen mit Gegenfragen antworten. Beispielsweise: „Warum glaubst du das?“, „Welche Alternativen gäbe es zu dieser Sichtweise?“ oder „Was müsste passieren, damit du deine Meinung änderst?“

Schüler:innen sollten in Debatten gezielt die Position verteidigen, die nicht ihrer eigenen Überzeugung entspricht. Das durchbricht kognitive Bequemlichkeit und schult die Empathie für andere Denkweisen.

Wir neigen dazu, die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen. SuS beizubringen, dass komplexe Sachverhalte oft ambivalent sind und dass man Widersprüche aushalten muss, ist eine der wichtigsten Lektionen für den eigenen Verstand.

Schüler*innen sollte beigebracht werden, nicht nur auf einer Website zu verweilen, sondern sofort neue Tabs zu öffnen, um zu prüfen: Was sagen andere über diese Quelle? Wer finanziert diese Seite? Welchen Ruf hat der Autor?

SuS und Lehrkräfte sollten gemeinsam Texte analysieren und die Sprache entwirren. Wo werden emotionale Adjektive genutzt, um die Meinung der Lesenden zu beeinflussen? Wo enden belegbare Fakten und wo beginnt die persönliche Interpretation?

Es sollte ein bewährtes Raster zur Quellenbewertung genutzt werden (Aktualität, Relevanz, Autorität, Richtigkeit, Zweck).

Der Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, ist letztlich keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die trainiert werden muss. Er wird stärker, je öfter man ihn in einem sicheren Raum trainiert.

Tägliche Schreibanregung
Was würdest du dir wünschen, dass Schulen wirklich unterrichten würden?

What’s a thing you wish schools actually taught?  |  Was würdest du dir wünschen, dass in der Schule tatsächlich unterrichtet würde?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

Alice Schwarzer in Hamburg: Proteste, Bühnensturm und die Krise der Debattenkultur

In dem verlinkten Interview spricht die bekannte Feministin Alice Schwarzer über einen Vorfall während einer Lesung in Hamburg, bei dem Protestierende die Bühne stürmten. Schwarzer erklärt, dass es bereits im Vorfeld Forderungen gab, sie von der Veranstaltung auszuschließen, was das Theater jedoch abgelehnt hat.

Während der Lesung gab es viel Lärm von den Protestierenden, was dazu führte, dass Schwarzer ihre Lesung unterbrechen musste. Sie hatte zuvor um Unterstützung gebeten, falls die Proteste zu laut werden würden, aber die Theaterleitung entschied, die Protestierenden nicht herauszuwerfen. Trotz der Störung und der aggressiven Atmosphäre blieb Schwarzer ruhig und wollte einen Dialog mit dem Publikum führen.

Sie berichtet, dass sogar Mitarbeiter des Theaters, darunter die Bühnenmeisterin, an den Protesten teilnahmen. Der Protest richtete sich gegen ihre Ansichten zu Themen wie Trans-Rechte, die in der aktuellen Debattenkultur als kontrovers gelten. Schwarzer kritisiert die „Woke“-Bewegung und betont, dass es wichtig sei, unterschiedliche Meinungen zuzulassen und zu diskutieren.

Am Ende der Lesung konnten einige Zuschauer die Protestierenden beruhigen, und die Veranstaltung konnte fortgesetzt werden. Schwarzer sieht den Vorfall als möglichen Wendepunkt in der Debattenkultur, in der sie mehr Offenheit und Austausch wünscht. Sie betont, dass sie weiterhin für ihre Überzeugungen einstehen wird, auch wenn sie dafür Bodyguards benötigt.

https://www.emma.de/artikel/dass-man-mich-wirklich-zum-schweigen-bringen-will-das-ist-neu-342397

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