Am liebsten wäre ich Tobie Lolness, der Held aus dem gleichnamigen Roman und dessen Fortsetzung. Helden leben nicht lange. Sie werden von den Herrschenden „geframt”, d. h., ihre Erzählung wird manipuliert, um die Beherrschten ruhigzustellen.
Als ich den Film „Le temps du loup” (Wolfzeit) von Michael Haneke sah, war ich beeindruckt von dessen Weitsicht und präziser Schilderung typischer menschlicher Eigenschaften in Zeiten des Kontrollverlustes und der Anarchie. Der Film wurde am 20.05.2003 in Cannes uraufgeführt. Dieser Film ist einer der besten, die ich bislang gesehen habe.
Ich wäre das namenlose, obdachlose Kind, das das Schicksal derer verkörpert, die in dieser neuen Welt völlig auf sich allein gestellt sind und sich den Verhältnissen schnell angepasst haben. Ein sogenanntes „Wolfskind”. Es verkörpert den Zustand eines Menschen, der sich bereits vollständig an die Anarchie angepasst hat. Es ist emotional distanziert und agiert fast rein instinktiv. Es ist weder „gut” noch „böse” im klassischen Sinne, sondern ein Wesen jenseits von Moral. Sein Handeln wird allein vom Überlebenstrieb gesteuert. In seiner wortlosen Präsenz wirkt der Junge fast wie ein Zeuge des Leids, der die Grausamkeit der anderen stillschweigend erträgt. Er zeigt den Zuschauern, dass in einer Welt ohne Gesetz nicht nur die körperliche Unversehrtheit verloren geht, sondern auch die Konzepte von Identität und Kindheit, wie wir sie kennen.
If you could be a character from a book or film, who would you be? Why? | Wenn du eine Figur aus einem Buch oder Film sein könntest, wer wärst du dann? Warum?
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