Herr Anton hat ein Häuschen mit einem Gartenzwerg. Und davor, da steht ein Kernkraftwerk.

26.10.1987– | track: –Burli– | artist: –EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung)– | album: -Liebe, Tod und Teufel-

Der Songtext „Burli” der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) erzählt auf humorvolle und übertriebene Weise die Geschichte von Herrn Anton und seiner Familie, die in der Nähe eines Kernkraftwerks lebt. Durch eine kleine Havarie, die an Tschernobyl erinnert, kommt es zu ungewöhnlichen Mutationen. Herr Anton und seine Frau Resi leben glücklich, obwohl sie keine Ahnung von den Gefahren der Radioaktivität (Cäsium, Plutonium) haben.

Nach der Havarie wird ihr Sohn Burli geboren, der aufgrund der Strahlung ungewöhnliche körperliche Merkmale aufweist: Er hat drei Ohren, einen Pilz auf dem Kopf, zwölf Zehen, vier Hände und strahlt sogar im Dunkeln. Burli entwickelt sich anders als andere Kinder – er ist still, bewegt sich wenig und hat einen Wasserkopf.

Trotz seiner Besonderheiten wird er von seinen Eltern geliebt und sein Vater freut sich sogar, da Burli nachts wie eine Lampe leuchtet und Strom spart. Als Erwachsener findet Burli eine Partnerin, Amalia, die ihm ähnlich sieht – auch sie trägt Spuren der radioaktiven Strahlung.

Am Ende heiraten die beiden und ihre Familien freuen sich über das ungewöhnliche, aber glückliche Paar.

Der Text nutzt schwarzen Humor und Übertreibung, um die Folgen von Atomunfällen und radioaktiver Strahlung zu karikieren. Er spielt mit Klischees und zeigt, wie die Familie trotz aller Absurditäten ihr Glück findet. Der Dialekt und die Wortwahl verleihen ihm eine volksnahe, beinah märchenhafte Note.

Der Herbst kommt, ich habe ihn schon einmal gesehen.

25.10.2004– | track: –A Part of Me– | artist: –Kurt Nilsen– | album: -A Part of Me-

Der Song „A Part of Me” von Kurt Nilsen handelt von den widersprüchlichen Gefühlen des lyrischen Ichs. Einerseits möchte es gerne zu einer geliebten Person nach Hause zurückkehren, die es vermisst hat und deren Anwesenheit es schätzt („Comin‘ home to the sentence / Saying, I’ve missed you / And to see your happy face again“ und „I am totally yours“). Die Rückkehr und die Verbundenheit sind ihm wichtig.

Andererseits beschreibt das lyrische Ich eine tiefe, verborgene innere Zerrissenheit und einen Verlust. Es ist viel unterwegs („A brand-new city I have to explore“, „Another town“) und sucht nach Antworten oder Weisheit, findet aber nicht, wonach es sucht („I keep on comin‘ back with less / ‚Cause I’ve lost them“). Zentral ist, dass ein Teil seiner selbst das Zuhause verlassen hat und niemals zurückkehren wird. Dies weiß die geliebte Person nicht und das lyrische Ich kann es nicht ändern („She does not know that a part of me has left home / Is never ever comin‘ back / There’s nothin‘ I can do with that“).

Die äußere Reise und das Vergehen der Jahreszeiten („Summer went and got pale once more“, „Autumn comes“) spiegeln die innere Suche und die wachsende Erkenntnis wider, dass dieser verlorene Teil unwiederbringlich ist, obwohl die Notwendigkeit, von der anderen Person geliebt und unterstützt zu werden, immer größer wird („I need you more right now than ever“). Der Song drückt somit ein Gefühl von unheilbarem, verschwiegenem inneren Schmerz und emotionaler Abwesenheit trotz physischer und emotionaler Nähe aus.

Sicher ist nur der beschissene Zustand, in dem wir uns befinden.

22.10.2021– | track: –A Hunger In Your Haunt– | artist: –Biffy Clyro– | album: -The myth of the happily ever after-

Der Songtext „A Hunger In Your Haunt” der Band Biffy Clyro drückt eine tiefe, zynische Frustration und Hoffnungslosigkeit aus.

Er beschreibt einen Zustand des totalen emotionalen und rationalen Ruins. Die übliche Unterscheidung zwischen Optimismus und Pessimismus („das halb volle“ oder „das halb leere“ Glas) wird abgelehnt, indem stattdessen ein zerbrochener, chaotischer Zustand („half fucked upon the floor“) konstatiert wird.

Der Interpret hat das Gefühl, dass Vernunft, Zweck, Weisheit und Beredsamkeit verschwunden sind. Alles, was er geliebt hat, ist zerbrochen und nutzlos geworden („gone to seed”). Die wiederkehrende Zeile „We bring nothing in, we’ll take nothing with us when we leave” betont eine nihilistische Sicht auf das Leben – das menschliche Dasein ist im Grunde bedeutungslos, da nichts von Dauer ist.

Der Abschnitt über „A hunger in your haunt” (ein Hunger in deinem Spuk/deiner Plage) und die Frage „Are you taking pleasure in this storm?” scheinen eine aggressiv-rüttelnde Herausforderung an eine andere Person (oder an sich selbst) darzustellen. Es geht darum, ob man trotz des Schmerzes („slap across your jaw”) noch Kampfgeist oder Leidenschaft („hunger”) in sich finden kann. Die Zeile „My mind is crying out for stimulation” und die Frage „Where’s the fucking dawn?” zeigen eine verzweifelte Sehnsucht nach einem Ende der Dunkelheit oder nach einem neuen Impuls inmitten der Verzweiflung.

Insgesamt ist es eine düstere Reflexion über Zusammenbruch und existenzielle Sinnlosigkeit, die dennoch eine raue, schmerzhafte Energie in der Aufforderung birgt, den Sturm zu überleben.

Obwohl es in der tiefen, dunklen Nacht kalt und einsam ist, kann ich das Paradies im Licht des Armaturenbretts sehen.

21.10.1977– | track: –Paradise By The Dashboard Light– | artist: –Meat Loaf– | album: -Bat Out Of Hell-

Der Songtext von „Paradise by the Dashboard Light” von Meat Loaf ist im Grunde eine theatralische und humorvolle Erzählung über die romantischen und sexuellen Erfahrungen eines jungen Paares, aus denen sich später eine festgefahrene Ehe entwickelt.

Der Song beginnt mit der nostalgischen Erinnerung des männlichen Protagonisten an einen Abend mit seiner Freundin. Sie sind jung („barely seventeen”), parken an einem abgelegenen See und erleben eine intensive, leidenschaftliche Zweisamkeit („paradise by the dashboard light”). Die Atmosphäre ist elektrisierend und sexuell aufgeladen („glowing like the metal on the edge of a knife”). Der junge Mann drängt darauf, „all the way“ zu gehen. Der Versuch des Mannes, sein Ziel zu erreichen, wird durch die kommentierte Übertragung eines Baseballspiels untermalt, das als Metapher für den Geschlechtsverkehr dient (mit Anspielungen wie dem Laufen zur Basis und dem „Suicide Squeeze”).

Gerade als die Leidenschaft ihren Höhepunkt erreicht, stoppt die junge Frau ihn. Sie weigert sich, weiterzugehen, bevor er ihr nicht verspricht, sie zu lieben und sie für den Rest ihres Lebens zu heiraten. Er zögert, bittet wiederholt darum, „darüber zu schlafen” und ihr am Morgen eine Antwort zu geben, da er sich nicht zu einer so weitreichenden Verpflichtung hinreißen lassen will. Sie bleibt jedoch hartnäckig. Unter dem Druck der Situation schwört er schließlich bei seiner Mutter und Gott, sie „bis zum Ende der Zeit” zu lieben.

Der letzte Teil des Songs springt in die Gegenwart. Der Mann stellt fest, dass er an sein damaliges Versprechen gebunden ist, seine Gefühle sich jedoch völlig verändert haben. Er kann seine Frau nicht mehr ertragen und betet dafür, dass das „Ende der Zeit” bald komme, damit er sein Versprechen nicht brechen müsse, aber endlich von ihr befreit werde. Die Frau hingegen hält an der verklärten Erinnerung an die leidenschaftliche Nacht von damals fest („it never felt so good …”).

Die gesamte Geschichte ist eine dramatische, an eine Rockoper erinnernde Darstellung, die die intensiven Gefühle jugendlicher Sexualität mit dem späteren Bedauern über eine übereilt eingegangene Verpflichtung kontrastiert.