Halt meine Hand, auch wenn ich vor dir fliehe.

20.10.2022– | track: –Love on Demand– | artist: –Malo‘, Julia Stone– | album: -Love on Demand-

Der von Malo‘ und Julia Stone gesungene Songtext „Love on Demand“, der französische und englische Passagen vermischt, beschreibt eine komplizierte, schmerzhafte Liebesbeziehung, die von Widersprüchen geprägt ist.

Einerseits gibt es den starken Wunsch nach Nähe und eine tiefe Sehnsucht („I want you near“, „Je ne veux que toi“), andererseits herrscht Angst („Je crains le pire“) und man ist sich der Lügen, Konflikte und versteckten Tränen bewusst.

Das wiederkehrende Thema ist „Love on Demand”, also Liebe auf Abruf, und dies „sans dire je t’aime” (ohne „Ich liebe dich” zu sagen). Es impliziert eine Beziehung, in der sich die Beteiligten emotional zurückhalten, nur verfügbar sind, wenn es ihnen passt, aber keine echten, tiefen Verpflichtungen eingehen wollen.

Trotz der Verzweiflung, des Gefühls der Flüchtigkeit („éphémère”) und der Enttäuschung („Despite your lies”) hält das lyrische Ich an dem Traum fest, sich zu befreien, und hofft, dass die Konflikte eines Tages enden („On cessera le feu”). Es ist ein Hin und Her zwischen der Flucht vor der Person und der Bitte, festgehalten zu werden („Retiens ma main / Même si je te fuis”).

Wenn ein Traum nicht wahr wird, ist er dann eine Lüge? Oder schlimmer?

17.10.1980– | track: –The river– | artist: –Bruce Springsteen– | album: -The River-

Der Songtext „The River” von Bruce Springsteen erzählt eine melancholische Geschichte über das Erwachsenwerden, verlorene Träume und die harten Realitäten des Lebens der Arbeiterklasse.

Der Erzähler stammt aus einem Tal, in dem die Jungen in die Fußstapfen ihrer Väter treten. Er erinnert sich an seine Jugendliebe Mary, die er mit 17 kennengelernt hat. Ihre gemeinsamen Ausflüge zum Fluss und zu den grünen Feldern waren eine Flucht aus ihrer tristen Umgebung und symbolisierten Freiheit und Hoffnung.

Ihre Unbeschwertheit endet jedoch abrupt, als Mary schwanger wird. Aus Liebe wird Notwendigkeit: Der Erzähler erhält zu seinem 19. Geburtstag eine Gewerkschaftskarte und einen Hochzeitsanzug. Die Hochzeit findet ohne Feierlichkeiten im Gerichtsgebäude statt – ein nüchterner Beginn für das gemeinsame Leben. Der abendliche Gang zum Fluss nach der Hochzeit zeigt jedoch, dass der Fluss trotz der neuen Verantwortung ein Ort der Zuflucht bleibt.

Später beginnt der Erzähler, im Baugewerbe zu arbeiten, doch die schlechte Wirtschaftslage führt zu Arbeitslosigkeit. Die einst wichtigen Dinge und Träume schwinden. Die Beziehung zu Mary scheint erkaltet. Beide verhalten sich so, als hätten sie die Vergangenheit vergessen oder es wäre ihnen egal.

Der Erzähler wird jedoch von schönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit am Stausee („Reservoir”) heimgesucht, die ihn nun wie ein Fluch verfolgen. Er stellt die philosophische Frage, ob ein unerfüllter Traum eine Lüge oder etwas Schlimmeres ist. Diese schmerzhaften Erinnerungen und die Hoffnungslosigkeit ziehen ihn immer wieder zum Fluss hinunter, auch wenn er weiß, dass dieser mittlerweile ausgetrocknet ist – ein starkes Bild für die Trockenheit und Leere in seinem eigenen Leben. Am Ende steht er mit seinem Baby und Mary am Fluss, und der letzte Refrain („Down to the River We Ride”) klingt wie ein trauriges Echo ihrer einstigen gemeinsamen Hoffnung.

Im Kern geht es um den Kontrast zwischen jugendlicher Hoffnung und der bitteren Enttäuschung durch wirtschaftliche Zwänge sowie das Scheitern persönlicher Träume.

Sie werden nicht auf einem gottverlass’nen Feld erfrieren!  |  On this day in music.

16.10.2020– | track: –Nein, meine Söhne geb´ ich nicht– | artist: –Ally Storch, B.Deutung, Daniel Schulz, Eric Burton, Eric Fish, Esther Jung, Holly Loose, Joachim Witt, Katja Moslehner, Leichtmatrose, Luci van Org, moira serfling, Reinhard Mey, Seraphina Kalze, Silke Meyer– | album: -Nein, meine Söhne geb´ ich nicht-

Der Songtext „Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht” von Ally Storch, B.Deutung, Daniel Schulz, Eric Burton, Eric Fish, Esther Jung, Holly Loose, Joachim Witt, Katja Moslehner, Leichtmatrose, Luci van Org, Moira Serfling, Reinhard Mey und Seraphina Kalze ist eine vehemente und emotionale Ablehnung einer (freiwilligen) Wehrpflicht, durch die die Söhne der Sängerinnen und Sänger für Kriegszwecke oder andere Verpflichtungen beansprucht werden sollen.

Die Sängerinnen und Sänger sagen den Verantwortlichen entschieden und frühzeitig ab, dass sie ihre Töchter und Söhne nicht überlassen werden („Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht”).

Sie lieben ihre Kinder und haben ihnen stattdessen Werte wie Achtung vor dem Leben, Erbarmen, Vergebung und Liebe beigebracht. Sie sollen keine Waffen tragen und nicht mit Hass verdorben werden.

Die Sängerinnen und Sänger heben die Mühen der Mutterschaft (Geburt, schlaflose Nächte) hervor und betonen, dass sie ihre Kinder nicht als „Kanonenfutter” aufgezogen haben. Es ist ihre Pflicht, ihre Kinder vor allen Gefahren, einschließlich der Obrigkeit selbst, zu schützen.

Ihre Söhne und Töchter sollen nicht marschieren, kämpfen oder für sinnlose Ziele sterben, während die Verantwortlichen in Sicherheit sind.

Sie werden ihre Kinder im Ungehorsam, im Widerstand und in der Unbeugsamkeit erziehen, damit sie sich gegen Befehle und die Obrigkeit auflehnen. Sie sollen ihren eigenen Weg gehen.

Wenn nötig, werden sie mit ihren Söhnen fliehen und in Armut leben, anstatt sie dem „Wahn” der Verantwortlichen zu überlassen.

Der Song ist somit ein kraftvolles Plädoyer gegen Krieg, Militärzwang und Obrigkeitshörigkeit aus der Perspektive von Eltern, die ihre Kinder mit allen Mitteln schützen wollen.

Die kleine Stadt, die liegt so weit zurück.  |  On this day in music.

15.10.1979– | track: –Die kleine Stadt (My Little Town)– | artist: –Udo Lindenberg, Das Panikorchester– | album: -Der Detektiv – Rock Revue II-

Der Songtext „Die kleine Stadt” (My Little Town) von Udo Lindenberg und dem Panikorchester beschreibt die Kindheit und Jugend des Erzählers in einer kleinen, unscheinbaren Stadt.

Die Stadt wurde als der „Mittelpunkt der Welt” erlebt, die eigene Straße erschien prunkvoll und die Religion war noch lebendig und präsent. Es herrschte eine naive, von Wünschen und Träumen geprägte Sicht auf das Leben (Liebe zu Brigitte Bardot, Faszination für das Kino). Zentraler Wunsch des Erzählers war es, in die USA („Amerika”) zu gehen, berühmt zu werden und damit zu Hause Anerkennung zu finden sowie dem kleinstädtischen Milieu zu entfliehen.

Bei einem späteren Besuch stellt der Erzähler fest, dass sich die Stadt („miefiges Nest“, „kleinkariert“) kaum verändert hat. Er beobachtet eine neue Generation junger Männer, die an derselben Ecke stehen und denselben Ausbruchstraum („Ich geh nach Amerika”) hegen. Dies unterstreicht die Unveränderlichkeit der Situation und die Begrenztheit der Möglichkeiten in der Kleinstadt.

Der Songtext handelt vom Kontrast zwischen der kindlichen Verklärung der Heimat und dem Wunsch nach einer aufregenderen Zukunft sowie von der Zyklizität der Träume in einer stagnierenden Kleinstadt.