Israel entwickelt sich laut Historiker Omer Bartov zu einem Apartheidsregime.

In einem Interview äußert der Historiker Omer Bartov, dass sich Israel zunehmend zu einem Apartheidsregime entwickelt, da eine Bevölkerungsgruppe demokratische Rechte besitzt, während dies für die andere nicht gilt. Er kritisiert die anhaltende Gewalt und die menschenunwürdigen Bedingungen im Gazastreifen, wo die israelische Armee weiterhin präsent ist und die Zivilbevölkerung leidet. Bartov hebt hervor, dass die internationale Gemeinschaft – einschließlich der USA und Deutschlands – nicht genügend Druck auf Israel ausübt, um eine Lösung für den Konflikt zu finden. Dies führe zu einem fortwährenden Zustand der Unterdrückung. Er warnt, dass Israel auf lange Sicht von der Weltgemeinschaft ausgeschlossen werden könnte, wenn sich die Politik nicht ändert. 20.12.2025 https://www.deutschlandfunk.de/schleichender-genozid-in-gaza-interview-mit-historiker-omer-bartov-100.html

Bartov: » […] Das wichtigste Land sind natürlich die USA, denn Israel ist wirklich sehr, sehr abhängig von den USA. Das zweitwichtigste Land ist Deutschland. Wenn diese beiden Länder kein Einsehen haben und keinen ausreichenden Druck auf Israel ausüben, sehe ich nicht die innere Dynamik innerhalb der israelischen oder auch der palästinensischen Gesellschaft, um die notwendigen Fortschritte zu erzielen.

Was bedeuten würde, dass sich an der prekären Lage, dem permanenten Töten und der permanenten Angst, der Einschüchterung und Entmenschlichung nichts ändern würde. Ich denke, dass sich unter diesen Umständen Israel zu einem echten Apartheidsregime entwickeln wird.

Im Endeffekt ist es ja schon auf dem Weg dahin. Apartheid-Mechanismen sickern bereits in die israelische Gesellschaft ein, in Bezug auf die palästinensischen Bürger in Israel, aber gleichzeitig auch bei der jüdischen Opposition gegen diese Regierung. Israel würde dann oder wird bereits ein zunehmend autoritäres Land, in dem die Rechtsstaatlichkeit erodiert, und zwar auch bei dem obersten Gericht in Israel, was bereits zunehmend nach rechts abdriftet und undemokratische politische Entscheidungen mitträgt. Deswegen könnte Israel auf lange Sicht von der Weltgemeinschaft ausgeschlossen werden.

Es wäre schön, wenn ich das nicht erleben müsste. Um Israel also vor diesem Schicksal zu bewahren, wäre es besser, jetzt den nötigen Druck auf die Regierung auszuüben. Leider sind die Regierungen, die das tun könnten, aktuell offenbar nicht dazu bereit.«

Rohde: »Die israelische Regierung, das muss man hinzufügen, hat immer wieder betont, es sei antisemitisch von einem Apartheidsregime zu sprechen. Was entgegnen Sie?«

Bartov: »Ich sehe da ehrlich gesagt gar keinen Zusammenhang. Viele Vertreter des israelischen Staates, einschließlich des diplomatischen Vertreters von Israel in Deutschland, Ron Posor, weichen konkreter Kritik lieber aus und verpassen ihr dann das Label des Antisemitismus.

Dabei gibt es gute rechtliche Argumente dafür, zu sagen, dass wenn zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen auf einem Gebiet leben und beide vollkommen unterschiedlichen rechtlichen Systemen unterworfen sind und die eine Gruppe über die üblichen demokratischen Rechte verfügt und der zweiten Gruppe überhaupt keine Rechte zugestanden werden, dass es sich dann um Apartheid handelt. Und es gibt viele internationale Rechtswissenschaftler, die eine solche Situation in der Westbank ausgemacht haben.

Das hat überhaupt nichts mit Antisemitismus zu tun. Antisemitismus ist, wenn Juden dafür gehasst werden, dass sie Juden sind. Und das hat doch überhaupt nichts mit dieser Situation zu tun. Hier geht es um ein System, bei dem jüdische Siedler gegenüber einer großen Anzahl von Palästinensern privilegiert sind, die ihrerseits keine Rechte haben. […] «

Der Historiker Omer Bartov sagt: „Israel entwickelt sich zu einem Apartheidsregime.”

In Israel erodiert die Rechtsstaatlichkeit. So lautet die Einschätzung des Historikers Omer Bartov. Er sieht Anzeichen von Apartheid. Eine Bevölkerungsgruppe besitze demokratische Rechte, die andere habe gar keine.

Rohde, Stephanie; http://www.deutschlandfunk.de, Interviews

Israel entwickelt sich zu einem Apartheidsregime

Ein israelischer Historiker vergleicht die aktuelle Situation in Israel und Gaza mit einem möglichen Apartheidsregime, das durch soziale und rechtliche Ungleichheiten geprägt ist.

Keypoints

  • Israel kontrolliert mehr als die Hälfte des Gazastreifens, ohne Wiederaufbau.
  • Der Historiker sieht Parallelen zwischen der Situation in Israel und Apartheid-ähnlichen Strukturen.
  • Internationale Gemeinschaften wie die USA und Deutschland könnten Druck ausüben, um Veränderungen zu bewirken.
  • Israel weist Vorwürfe eines Apartheidsregimes und Völkermords zurück.

Situation im Gazastreifen

  • Seit über zwei Monaten herrscht Waffenruhe, doch es kommt täglich zu Angriffen und Verlusten.
  • Menschliche Katastrophe: Bis Ende November wurden mehr als 130 Kinder getötet, die Hungerkrise besteht weiter.
  • UN und Menschenrechtsorganisationen kritisieren Israels Maßnahmen, die humanitäre Hilfe erschweren.
  • Der Gazastreifen ist nach wie vor dicht besiedelt und die Lebensbedingungen sind katastrophal.

Politische Lage und Zukunftsaussichten

  • Flug nach Washington für Gespräche über eine Übergangsregierung in Gaza, doch es fehlt an einer klaren Strategie.
  • Kritik an Israels Regierung, insbesondere an Premierminister Netanjahu, der den Status quo zementieren wolle.
  • Die Möglichkeit eines Rückfalls in Krieg oder eine dauerhafte Besatzung wird als wahrscheinlich eingeschätzt.
  • Der Historiker warnt vor einer Entwicklung Israels zu einem autoritären und apartheidähnlichen Staat.

Zukunftsaussichten und internationale Verantwortung

  • Ohne Druck von den USA und Deutschland könnten sich die Zustände weiter verschlechtern.
  • Israel leugnet den Apartheid-Vorwurf, doch der Historiker argumentiert, dass die rechtlichen Kriterien zutreffen.
  • Die gesellschaftliche Diskussion in Israel über die Besatzung ist blockiert.
  • Der Weg zu einer Lösung erfordert außenpolitischen Druck, um eine gemeinsame Lebensgrundlage für Israelis und Palästinenser zu schaffen.

Fazit

Die Situation in Israel und Gaza ist komplex und verschärft sich zunehmend. Ohne internationalen Druck droht sich Israel zu einem autoritären und apartheidähnlichen System zu entwickeln, was langfristige Friedenslösungen erschwert.

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Mir reicht’s Bürgerin. | Zitat

» […] Wissen Sie, ich bin keine Rechte, ich bin keine Linke, ich bin keine Reichsbürgerin, ich bin eine, es reicht mir Bürgerin, es reicht mir.

Und wie sagte Gottfried Benn seiner Zeit schon so schön, das Abendland geht nicht zugrunde an den totalitären Systemen, sondern am hündischen Kriechen vor den politischen Zweckmäßigkeiten. […] «

~ Lisa Fitz, Dammbruch & Haarrisse (Neujahrsrede), 05.01.2026, https://www.nachdenkseiten.de/?p=144273

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Eine ungehaltene Rede. | dailyprompt

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Wir brauchen keine weitere verrückte Geschäftsidee, die uns noch verrückter macht und uns vom Wesentlichen ablenkt. Keine weitere Geschäftsidee innerhalb der Fassaden der Kulissen, die errichtet wurden, damit wir nicht merken, wie wir hinter den Kulissen um unser richtiges Leben betrogen werden. Die Welt, in der wir leben, ist ein Bluff, eine Fälschung. Jede weitere verrückte Geschäftsidee soll uns davon abhalten, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und unsere Gemeinschaften und Gesellschaften selbst zu organisieren. Nachhaltig. Ohne den Ast, auf dem wir sitzen, abzusägen. Ohne die Erde – wir haben nur diese – auszubeuten.

Meine „Geschäftsidee” ist die Gemeinwohlökonomie (GWÖ), die der Österreicher Christian Felber 2010 initiierte. Wir dürfen nicht länger den finanziellen Gewinn, sondern das Wohl von Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt stellen. Die GWÖ ist eine ethische Marktwirtschaft, deren Ziel ein „gutes Leben” für alle ist. Erfolg bedeutet nicht das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts oder ein stetig steigender Finanzgewinn, sondern das wachsende Gemeinwohl.

Die GWÖ fußt auf vier Säulen:
1.) Menschenwürde, 2.) Solidarität und Gerechtigkeit, 3.) Ökologische Nachhaltigkeit sowie 4.) Transparenz und Mitentscheidung.

Die Würde jedes Einzelnen ist zu achten und zu schützen. Ressourcen sind fair zu verteilen und Schwächere sind zu unterstützen. Die Lebensgrundlagen sind für künftige Generationen zu bewahren. In einem definierten demokratischen Prozess ist jede und jeder zu beteiligen, Betroffene sind zu hören und zu beteiligen.

Aus wirtschaftlicher Sicht stehen im Mittelpunkt der sogenannten Gemeinwohl-Matrix die Lieferanten, die …

das falsche Leben
ist zu transformieren in
richtiges Leben

… Eigentümer, die Finanzpartner, die Mitarbeitenden, die Kunden und die Mitunternehmen sowie das gesellschaftliche Umfeld.

Aus dieser Matrix wird das Gemeinwohl bilanziert: Für positives Verhalten erhalten Unternehmen Punkte (z. B. regionale Lieferketten, faire Löhne), für negatives Verhalten gibt es Punktabzüge (z. B. Lohndumping, Umweltverschmutzung).

Unternehmen mit einer hohen Punktzahl würden beispielsweise weniger Steuern zahlen, günstigere Kredite erhalten und vorrangig öffentliche Aufträge erhalten.

Bereits heute nutzen Unternehmen die Gemeinwohl-Bilanz parallel zur herkömmlichen Bilanz, um nachhaltiger zu wirtschaften und als ethische Marke wahrgenommen zu werden. Anstatt rücksichtslos zu konkurrieren, möchten diese Firmen kooperieren.

Geld dient nicht mehr der Maximierung der Gewinne, sondern es wird eingesetzt, um einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.

Christian Felber erklärte am 13.07.2017 in einem Vortrag an der Universität Trier die Grundzüge der Gemeinwohlökonomie:

Es ist kurz vor zwölf. Wenn wir unser falsches Leben nicht bald radikal ändern, wird die Menschheit radikal verschwinden. Wir müssen aufhören, über unsere Verhältnisse zu leben: über den Verhältnissen der Erde und über den Verhältnissen unserer Nachkommen. Betrachtet man die aktuelle Weltlage mit ihrem Größenwahnsinn, ihren Größenwahnsinnigen und ihren Speichelleckern, sollte man sich nicht einbilden, diese Transformation würde ohne Blutvergießen gelingen. Der Zeitpunkt für eine friedliche Transformation wurde spätestens in den 1970er Jahren verpasst, unmittelbar nach der Veröffentlichung der vom Club of Rome beauftragten Studie „Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit”.

Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Vor allem nicht im Rückzugsgebiet des Privaten.

Täglicher Schreibanreiz
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Tag 23.914 | 09.01.2026 | diary

Danksagung | Ich habe acht Stunden gut geschlafen (88 Punkte im Schlaftracking).

Zum Frühstück aß ich vier halbe Brötchen und dazu eine Teewurst-Alternative mit scharfem Senf, eine Thunfisch-Alternative, eine Scheibe Käsealternative mit Bockshornklee sowie einen Fruchtaufstrich mit Apfel-Zimt-Geschmack. Außerdem trank ich eine Tasse Kaffee mit Koffein.

Parallel dazu hörte ich einzelne Beiträge aus den Podcasts der NachDenkSeiten und aus den Interviews des Deutschlandfunks.

Nach der Morgentoilette las ich die aktuellen Feeds in meinem Feed-Reader und sah mir an, was die anderen Blogger:innen am Vortag veröffentlicht hatten.

Heute ist Freitag. Freitags fahre ich für gewöhnlich nach Koblenz in mein Lieblingscafé. So auch heute. Heute fahre ich mit gemischten Gefühlen. Am Freitag vor Weihnachten hieß es, I. würde uns heute verlassen. I. ist die Küchenfee, die mir meinen Salat zubereitet und ihn mir seit dem Sommer immer persönlich an den Tisch gebracht hat. Mit einem Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen. Nach Monaten dieses Rituals kamen wir ins Gespräch. Zwischen Tisch und Küche. Es waren nicht nur ein paar freundliche Worte. Sofort tiefgründig. Zwei Seelen, die einander erkannten. Uns trennen 40 Jahre, verbindet ein Altersunterschied von 40 Jahren. Zu einem längeren Gespräch kam es dann leider nicht mehr. Sie wurde vom Heimweh überwältigt. Zurück in die Heimat. Zwischen Tisch und Küche „versprach” sie mir, heute noch einmal ins Café zu kommen und sich zu verabschieden. Ich kenne diese „Sprüche”. Unverbindlichkeit ist das Zeichen der heutigen Zeit. Entweder würde ich heute traurig sein, weil sie nicht käme, oder weil es ein Abschied wäre. Zwanzig Minuten, nachdem ich mich gesetzt hatte und gerade meinen Salat „Königsberger Klopse” aß, kam sie tatsächlich herein. Wir redeten drei Stunden ohne Punkt und Komma. Seelenverwandtschaft. Beseelt fuhr ich nach Hause. Ich bin kein Mensch für Abschiede. Eigentlich hasse ich Abschiede. Eigentlich vermeide ich sie. Dieses Mal ging ich lächelnd. „Komm gut an, liebe I., in deiner Heimatstadt!”

Ach ja, während des Gesprächs trank ich drei koffeinhaltige Kaffees und aß noch meine geliebte Nussecke. Das sah ich auf der Rechnung. Erinnern kann ich mich heute nicht.

Zuhause angekommen, widmete ich mich meinen neuen Blogposts.

Ich aß ein dunkles Ofenbrot, das mit Kräutern verfeinert war, auf heller Soße. Außerdem aß ich ein paar Linsenchips, eine Handvoll Nüsse und drei Maronen. Ich trank ein alkoholfreies Bier, ein Glas Mehrfruchtdirektsaft und aß drei Datteln sowie einen Becher „Pure Joy Pfirsich-Maracuja”.

Den Tag ließ ich mit dem Hören von Neuerscheinungen und Lieblingssongs ausklingen.

Vor dem Einschlafen las ich weiter in dem Buch „Xenozid – Ender-Saga 3” von Orson Scott Card.

Hier eine Leseprobe:

Das ist es, was wir hier verbrennen: Haut, Fleisch, Aas, nichts. Nicht meine Jiang-qing. Nur die Gestalt, die sie in diesem Leben getragen hatte. Das, was diese Leiche zu der Frau machte, die ich liebte, ist noch am Leben, muss noch am Leben sein. Und einen Augenblick lang glaubte er, er könne sehen, oder hören, oder irgendwie fühlen, wie Jiang-qing überging.
In die Luft, in die Erde, in das Feuer. Ich bin bei dir.

Ich bin heute dankbar:

– für ruhigen Schlaf,

– dass ich keine Albträume hatte,

– für das anregend lange Gespräch mit I.,

– dass es mir gelungen ist, Abschiedsschmerz in stille Freude zu verwandeln,

– für unfallfreies Bewegen im öffentlichen Raum und zu Hause,

– für pünktliche Zugverbindungen,

– für den Song des Tages: „Camera” von Editors, veröffentlicht am 25.07.2005 auf „The Black Room“  |  Spotify  |  YouTube  |  Apple Music,

– für 7376 Schritte.


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Ich danke Katja vom Blog „Katja mittendrin„, dass ich ihre Idee der Alltagsschnipsel übernehmen darf: https://katja-mittendrin.de/category/alltagsschnipsel/

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Lebewohl. | on this day in music

Farewell [instrumental]
Apocalyptica
Apocalyptica
10.01.2005

https://www.deezer.com/en/track/2797244

https://music.apple.com/at/song/farewell/1647759985

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Verbreiten die NachDenkSeiten russische Narrative? Der bayerische Verfassungsschutz rudert zurück

Der Artikel behandelt die Rücknahme eines Berichts des Bayerischen Verfassungsschutzes, in dem die NachDenkSeiten und andere kritische Medien beschuldigt wurden, russische Narrative zu verbreiten. Ausgelöst wurden die Vorwürfe durch einen Gastartikel des ukrainischen Oppositionellen Maxim Goldarb, der die Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine kritisiert und aufgrund seiner Ansichten verfolgt wird. Nachdem sie für ihre Einschätzung, dass auch andere kritische Berichterstattung als russisches Narrativ gilt, Kritik erhielten, gaben die Verfassungsschützer an, sich „missverstanden“ zu fühlen. Der Artikel stellt infrage, wie die Verfassungsschützer die journalistische Freiheit und die Kritik an westlichen Politiken interpretieren.

»Wie wir am Montag berichteten, tauchten die NachDenkSeiten in manipulativer Absicht in einem Bericht des Bayerischen Verfassungsschutzes auf. Die Autoren unterstellten uns und einigen anderen kritischen Medien, wie der Berliner Zeitung und dem Freitag, Inhalte zu publizieren, „die anscheinend grundsätzlich ins russische Narrativ passen“. Es hagelte Kritik und die bayerischen Verfassungsschützer fühlten sich „missverstanden“. Der Bericht wurde mittlerweile korrigiert und nun ist auch bekannt, welcher Beitrag der NachDenkSeiten den Vorwurf, „russische Narrative zu verbreiten“ ausgelöst hat – ein Gastartikel des oppositionellen linken ukrainischen Politiker Maxim Goldarb. Welch bittere Ironie. Goldarb beklagt in seinen Artikeln rechtsstaatliche Defizite in der Ukraine, wurde daraufhin von den ukrainischen Behörden verfolgt und ist mittlerweile auf der Flucht. Kritik an der Rechtsstaatlichkeit ist also ein „russisches Narrativ“? Von Jens Berger.«, 12.09.2024, https://www.nachdenkseiten.de/?p=121174

hören:

»

Wie wir bereits vermutet hatten, wurde offenbar lediglich ein einziger Beitrag der NachDenkSeiten vom vermeintlich russisch gesteuerten Kampagnennetzwerk „Doppelgänger“ über Facebook und X verteilt.

Bitte lesen Sie dazu: „NachDenkSeiten tauchen in einem Bericht des bayerischen Verfassungsschutzes auf“

Dabei handelte es sich, wie jetzt in der überarbeiteten Version eines Berichts des Bayerischen Verfassungsschutzes zu erkennen ist, um den Artikel „Welche europäischen Werte „verteidigt“ Selenskyj eigentlich?“ von Maxim Goldarb, der bei uns in der Rubrik „Stimmen aus der Ukraine“ erschienen ist.

Goldarb ist Vorsitzender der „Union der linken Kräfte“ und war vor dem Maidan-Putsch leitender Rechnungsprüfer und Kontrolleur der Finanzen des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Die Union der linken Kräfte ist eine 2007 gegründete ukrainische Oppositionspartei, die sich am Demokratischen Sozialismus orientiert und unter anderem zum Ziel hatte, die ausufernde Privatisierung strategischer Staatsunternehmen sowie den Verkauf landwirtschaftlicher Flächen an ausländische Großkonzerne zu stoppen sowie die Ukraine geopolitisch neutral auszurichten. Zudem setzte sie sich für Russisch als zweite Amtssprache und eine Stärkung des ländlichen Raums ein. Diese Ziele reichten aus, dass die Partei zusammen mit weiteren linken Parteien am 17. Juni 2022 verboten und ihr gesamtes Vermögen enteignet wurde. Ihre Mitglieder arbeiten seit diesem Zeitpunkt aus dem Untergrund oder Exil heraus. Einige ihrer Führungspersönlichkeiten wurden entführt und gelten seitdem, wie beispielsweise der Parteigründer Wassilij Wolga, als spurlos verschwunden. Auch Maxim Goldarb selbst ist mittlerweile aus der Ukraine geflohen, nachdem der ukrainische Inlandsgeheimdienst ihn verhaften wollte. Auslöser war unter anderem ein Artikel für die NachDenkSeiten, in dem Goldarb kritisiert, wie in der Ukraine aus Kritikern der Regierungspolitik „Staatsverräter“ gemacht werden. NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg thematisierte die Verfolgung Goldarbs und das Verbot linker Parteien in der Ukraine auf der Bundespressekonferenz, wurde jedoch mit dem lapidaren Satz, „Die Bundesregierung vertraue der Ukraine“, abgespeist.

Dass ausgerechnet die berechtigte Kritik eines ukrainischen Oppositionspolitikers an Repressionsmaßnahmen der ukrainischen Regierung vom bayerischen Verfassungsschutz als „russisches Narrativ“ bewertet wird, setzt dem Ganzen die Krone auf. Man müsste Goldarbs Frage, „Welche europäischen Werte „verteidigt“ Selenskyj eigentlich?“, ergänzen: Welche freiheitliche demokratische Grundordnung meint der Bayerische Verfassungsschutz eigentlich zu sichern? Jeder einzelne Kritikpunkt, den Goldarb in seinem Artikel vorbringt, entspräche auch in Deutschland dem Grundgesetz. Goldarb macht sich für eine „freiheitliche demokratische Grundordnung“ in der Ukraine stark und wird dafür vom bayerischen Verfassungsschutz verdächtigt, „russische Narrative zu verbreiten“?

Es sind aber nicht nur die NachDenkSeiten, deren Einordnung als „Verbreiter russischer Narrative“ durch den Bayerischen Verfassungsschutz einen ratlos zurücklässt. Durch die Überarbeitung des Berichts ist nun auch ersichtlich, welche Artikel der Berliner Zeitung und des Freitags zur skandalösen Einschätzung des Bayerischen Verfassungsschutzes führten – ein Bericht über die Profite der amerikanischen Rüstungsindustrie durch die Waffenlieferungen in die Ukraine und ein Artikel über die negativen Auswirkungen von Sanktionen durch die USA und die EU auf Staaten wie Afghanistan, Syrien, Iran oder Jemen. Das sind also alles „russische Narrative“?

Kein Wunder, dass die bayerischen Verfassungsschützer sich da nun „missverstanden“ fühlen. „Das BayLfV insinuiert explizit nicht, dass die Verantwortlichen der hier aufgelisteten Webseiten russische Propaganda verbreiten oder in Kenntnis darüber sind bzw. es gutheißen, dass ihre Inhalte im Rahmen der „Doppelgänger“-Kampagne weiterverbreitet werden“, so die Verfassungsschützer in einem Antwortschreiben an die Berliner Zeitung. Genau das hatten sie aber „insinuiert“. Auch in diesem Schreiben heißt es dann: „Es ist naheliegend, dass die betreffenden Inhalte aus Sicht des Akteurs das russische Narrativ unterstützen bzw. dass die Verbreitung entsprechender Inhalte anderweitig im Interesse des Akteurs liegt“. Mit anderen Worten: Journalistische Artikel, die Kritik an der Politik des Westens üben, sind für die Verfassungsschützer schon irgendwie problematisch, da sie dann ja doch „das russische Narrativ“ unterstützen. Das ist – mit Verlaub – ein abenteuerliches Verständnis von Journalismus.«

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