📅❓ Unterlassungssünde.

Es war der 17. Juni 1983, ein Freitag und Feiertag, der Tag der Deutschen Einheit. Supertramp machte auf seiner Abschiedstournee „Famous Last Words” in Originalbesetzung im Kölner Müngersdorfer Stadion Halt. Es war ein herrlicher Tag mit angenehmen 23 bis 25 Grad am Nachmittag. Zum Konzertbeginn waren es noch etwa 20 Grad. Wir hatten unsere Plätze im Innenraum und lagen während des Vorprogramms auf Decken in der Sonne.

Neben mir lag S., genannt B. Ich war übrigens B. und wurde S. genannt. Damals hatten wir Spitznamen. B. war eine Freundin aus dem Chor, in dem wir seit vielen Jahren gemeinsam sangen. Sie war diejenige, mit der ich am liebsten zusammen war.

Nach den Heimkonzerten unseres Chors klang der Tag in geselliger Runde bei Fingerfood aus. Wir saßen immer zusammen, unterhielten uns und lachten gemeinsam über alles Mögliche. Es war immer ein unbeschwertes Zusammensein. Ausgenommen waren die Zeiten, in denen sie mit jemand anderem ein Paar bildete. Gerne erinnere ich mich auch an die Chorfreizeit in der ersten Januarwoche zwei Jahre vor dem Supertramp-Auftritt. Eine Woche lang regnete es in Strömen. Wir waren in einem ungeheizten Kloster untergebracht und B. und ich verbrachten jede freie Minute in meinem zitronengelben VW-Käfer sitzend, redend und lachend.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, von wem die Initiative zu dem Supertramp-Auftritt ausging. Ich weiß jedoch noch, dass ich die Eintrittskarten gekauft hatte. Vermutlich ging die Initiative also von mir aus, da ich ein großer Supertramp-Fan war. In der Kneipenrunde nach unseren Chorproben fragte ich in die Runde, ob jemand Lust und Zeit hätte, mitzukommen. B. hatte Zeit und Lust.

Ich holte sie an diesem Tag zu Hause ab und wir fuhren mit meinem Käfer nach Köln. Es war ein perfektes Konzert an einem perfekten Tag bei perfektem Wetter mit der perfekten „Konzertbegleitung“. Nie waren B. und ich uns näher. Innerlich zuckte ich, ihr auch körperlich näherzukommen. Angst und Mut fochten den Abend miteinander aus. B. war zu diesem Zeitpunkt in keiner festen Beziehung, doch eine diffuse Angst hielt mich zurück.

Beseelt fuhren wir in der Nacht zurück und ich brachte sie und mich nacheinander nach Hause.

Der Supertramp-Auftritt war die perfekte Gelegenheit, B. über Freundschaft hinaus näherzukommen. Ich habe nichts dafür getan. Heute würde ich es tun.

Täglicher Schreibanreiz
Schreibe darüber, wie du einmal nichts unternommen hast, dir aber wünschst, du hättest es getan. Was würdest du anders machen?

Write about a time when you didn’t take action but wish you had. What would you do differently?  |  Schreibe über eine Situation, in der du nichts unternommen hast, es dir aber wünschst, du hättest es getan. Was würdest du anders machen?

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Autor: Bernd @rueckzuginsprivate.de

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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