Ich spĂŒrte, dass irgendetwas nicht stimmte. In mir. Ich war oft hin- und hergerissen, zu oft. Innerlich unruhig. Nur wenn ich in einen Flow kam, kehrte Ruhe ein. Diese Unruhe verhinderte wohl auch, dass ich merkte, dass wir uns auseinanderlebten. Am Ende folgten auf eine positive Interaktion fĂŒnf oder mehr negative, nicht umgekehrt wie bei zufriedenen Paaren. Als mir klar wurde, dass ausschlieĂlich ich mich Ă€ndern sollte, damit wieder alles gut wird, verlieĂ ich die Ehe und die Familie. Das war die Entscheidung, die mir half, zu lernen und zu wachsen.
Ich hatte Zeit, mich mit meiner Kindheit und meinem inneren Kind zu beschĂ€ftigen, lernte, mein inneres Kind zu trösten, und ĂŒbernahm erwachsene Verantwortung. Schritt fĂŒr Schritt wurde ich ruhiger und das GefĂŒhl, hin- und hergerissen zu sein, zeigte sich in immer gröĂeren AbstĂ€nden.
Dann wurde mir gespiegelt, dass ich ein sehr introvertierter Mensch bin, und ich lernte, dass meine Eltern introvertiertes kindliches Verhalten als negativ ansahen. Sie schafften es (z. B. durch Liebesentzug), dass ich mich anpasste und extravertiert agierte. In diesem Spannungsfeld zwischen meinem reichhaltigen Innenleben und dem Ă€uĂerlichen Leben eines Extravertierten entstanden Unruhe und das GefĂŒhl des Hin- und Hergerissenseins. Allein schon mit dieser Erkenntnis wurde ich tiefer ruhiger. Ich begann, mich mit meinen vielen introvertierten Eigenschaften anzufreunden und sie bewusst auszuleben. In Verbindung mit regelmĂ€Ăigen Meditationen wurde ich sogar gelassener.
Heute beschĂ€ftige ich mich mit der epigenetischen Weitergabe eines oder mehrerer Traumata meiner Herkunftsfamilie. Offensichtlich gab es in der Familie das Tabu, ĂŒber GefĂŒhle zu sprechen, insbesondere ĂŒber den tragischen Verlust meines GroĂonkels. Kurz vor ihrem Tod gab mir meine Mutter den entscheidenden Hinweis, indem sie beilĂ€ufig Erlebnisse ansprach, die sie in ihrem Leben wohl sehr bewegt haben. Es scheint auch der Geist einer unerfĂŒllten groĂen Liebe im Raum zu schweben. Im Gegensatz zu meinem Bruder leben diese Traumata in mir weiter und könnten meine eigenen Vermeidungsstrategien erklĂ€ren.
Meine Entscheidung vor zwölf Jahren war richtig, ich habe mich gefunden und konnte daran wachsen. Dieses Lernen und Wachsen erzeugt eine groĂe Zufriedenheit.
Describe a decision you made in the past that helped you learn or grow. | Beschreibe eine Entscheidung, die du in der Vergangenheit getroffen hast und die dir geholfen hat, etwas zu lernen oder dich weiterzuentwickeln.
„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

Danke fĂŒr dein Mitteilen. Das ist auch ermutigend. Ich wĂŒnsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg. liebe GrĂŒsse Brig