Rückzug ins Auenland, ins Private

„Wie kann ich meine Gefühlsreaktionen auf die gegenwärtigen Bedrohungsszenarien präzisieren und einordnen?“

Hoffnung und Orientierung sind unabdingbar für unsere Zukunftsfähigkeit. Das bedeutet, ambivalente Situationen und Gefühle wie Kontrollverlust anzuerkennen und auszuhalten. Allzu große Hoffnungen hegt Vera Kattermann jedoch nicht. Vielleicht, so ihre Befürchtung, könnte eine Bereitschaft zur radikalen Neugestaltung erst entstehen, wenn die Apokalypse bereits ihren Lauf genommen hat.

=> Vera Kattermann: Auf dem Sonnendeck der Titanic? Nachdenken über gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit. Psychosozial 2025, 160 S., 22,90 €

Auf die vielen Krisen reagierten zahlreiche Menschen mit einem Rückzug in ein privates „Auenland“. Als Gesellschaft stecken wir jedoch insgesamt in einer „gestauten Bewegungsenergie“ fest, die unter anderem durch das bedrohliche Äußere, den Verlust des Wir-Gefühls und das Fehlen einer Zukunftsperspektive hervorgerufen wird. Die Blockade könne aufgelöst werden, wenn es gelänge, wieder Vertrauen und Verbundenheit zu anderen Menschen aufzubauen.

=> Stephan Grünewald: Wir Krisenakrobaten. Psychogramm einer verunsicherten Gesellschaft. Kiepenheuer & Witsch, 2025, S. 256, 24,– €

Krieg drohe, wenn „der Verlust von Würde/Integrität ein Vakuum hinterlässt, in dem Anarchie entsteht“. Dem Buch gelingt es ziemlich gut, uns die Macht und die Schrecken des Krieges eindringlich nahezubringen.

=> Stefano Carpani, Ludmilla Ostermann (Hg.): War as Reset. Insights from Contemporary Analytical Psychology on the Age of Hypocrisy. Routledge, 2025, 306 S., ca. 40 €

Quelle: Angelika S. Friedl, Buch & Kritik – Wenn die Welt wankt, Psychologie Heute, 13.01.2026, https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/artikel-detailansicht/44657-wenn-die-welt-wankt.html

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Frei werden. | Zitat

» […] Frei werden wir erst, wenn wir uns mit dem Leben verbünden
gegen die Todesproduktion und die permanente Tötungsvorbereitung.
Frei werden wir weder durch Rückzug ins Private, ins ‘Ohne mich’,
noch durch Anpassung an die Gesellschaft, in der Generale
und Millionäre besonders hochgeachtet werden. Frei werden wir,
wenn wir aktiv, bewusst und militant für den Frieden arbeiten. […] «

~ Dorothee Sölle, Im Hause des Menschenfressers. Texte zum Frieden., Hamburg 1981

Dorothee Sölle (1929–2003), geborene Nipperdey, war eine deutsche evangelische Theologin, Dichterin und Schriftstellerin sowie eine der wichtigsten Vertreterinnen der feministischen Theologie.

Sie zählt zu den einflussreichsten Theologinnen des Protestantismus und zu den profiliertesten Vertreterinnen eines „anderen Protestantismus”.

Ihre Theologie war untrennbar mit politischem Engagement verbunden. Zentrale Themen waren:

  • Gottes Vorliebe für die Armen (was sie zu einer führenden europäischen Befreiungstheologin machte).
  • Die Verknüpfung alltäglicher Lebenserfahrungen (Leiden, Armut, Benachteiligung) mit theologischen Inhalten.
  • Kritik an der Allmachtsvorstellung über Gott.

Sie war eine Aktivistin und engagierte sich in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung.
Sie war Mitbegründerin des „Politischen Nachtgebets” (1968–1972 in Köln), in dem christlicher Glaube und politisches Handeln in Beziehung gesetzt wurden.
Sie setzte sich für Frieden, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ein und protestierte gegen Aufrüstung.

Obwohl ihr in Deutschland ein Lehrstuhl weitgehend verwehrt blieb, erlangte sie als theologische Schriftstellerin und Rednerin weltweite Bekanntheit. Von 1975 bis 1987 hatte sie jedoch eine Professur für Systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York inne.

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