Es begann, als sie mich aus meinem Zuhause holten.  |  On this day in music.

28.09.1993– | track: –The Mercy Seat – Live- | artist: –Nick Cave & The Bad Seeds– | album: -Live Seeds-

Dieser Songtext von Nick Cave and the Bad Seeds („The Mercy Seat“) ist eine dunkle und intensive Erzählung aus der Perspektive eines zum Tode Verurteilten, der seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl – dem „Gnadenstuhl“ (Mercy Seat) – erwartet.

Der Text beginnt mit der Verhaftung und dem Transfer in die Todeszelle (Dead Row). Zentral ist die bevorstehende Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, der hier als „Gnadenstuhl“ bezeichnet wird und somit eine doppelte Bedeutung hat: einerseits die elektrische Hinrichtungsapparatur, andererseits der biblische Gnadenthron. Die körperlichen Empfindungen des Protagonisten (head is shaved, head is wired, body is on fire, head is burning/smoking/melting) beschreiben den Prozess der Elektrokution auf eindringliche Weise.

Zunächst beteuert der Verurteilte seine Unschuld („I am nearly wholly innocent”), wird aber im Laufe des Liedes zu einem unzuverlässigen Erzähler. Hinweise auf seine Schuld sind die Tätowierungen „E.V.I.L.” und „G.O.O.D.” auf seinen Händen. Der Höhepunkt der Ungewissheit und einer möglichen Beichte erfolgt in den letzten Strophen, in denen seine Behauptungen immer widersprüchlicher werden. Er behauptet nicht nur, die Wahrheit gesagt zu haben und keine Angst vor dem Sterben zu haben, sondern gesteht am Ende: „But I’m afraid I told a lie.”

Der Text ist durchzogen von Anspielungen auf das Christentum. So spielt der „Mercy Seat” auf den biblischen Gnadenthron an und kontrastiert die weltliche Gerechtigkeit („An eye for an eye, a tooth for a tooth”) mit der göttlichen Barmherzigkeit. Die Figur Christi wird erwähnt („Christ was born into a manger / Died upon the cross”), wodurch die Themen Sühne, Verurteilung und Erlösung in den Vordergrund rücken. Der Verurteilte sucht verzweifelt nach einer endgültigen Wahrheit oder einem Ende des Urteilens („To be done with all this measuring of truth/proof”).

Somit ist der Song ein erschütternder innerer Monolog eines Mannes in seinen letzten Momenten, in dem Realität (die Hinrichtung) und seine Verzweiflung, seine Verwirrung sowie seine verzerrte Wahrnehmung von Schuld und Unschuld verschmelzen.

Boris Pistorius, direkt gewählt von 36,2 % der Erststimmen im Bundestagswahlkreis Stadt Hannover II | Citation.

» […] Bedrohungslage vor Kassenlage? Was ist das für eine Politik, die Geld in Panzer, Waffen, Drohnen und Raketen stecken will, während jeder dritte Bürger um sein finanzielles Überleben kämpfen muss? Diese Politik ist unverantwortlich. Parole: Gürtel enger schnallen und kriegstüchtig werden. Das sieht nach einer Fahrt mit Volldampf an die Mauer aus. […] «

~ Marcus Klöckner am 24.09.2025 in „Arme Bürger, unverantwortlicher Staat: „Müssen lernen, dass Bedrohungslage vor Kassenlage geht”“ | https://www.nachdenkseiten.de/?p=139558

Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkomm’n.  |  On this day in music.

27.09.2013– | track: –Im Ascheregen– | artist: –Casper– | album: -Hinterland-

In dem Songtext „Im Ascheregen“ von Casper geht es um einen radikalen Abschied und einen Neuanfang.

Casper drückt die tiefe Entfremdung und Ablehnung gegenüber der Umgebung, insbesondere der Stadt, aus. Er hat sich dort nie willkommen gefühlt. Es ist kein trauriger Abschied, sondern ein entschlossener Aufbruch, bei dem der Protagonist nie wieder zurückkehren möchte.

Die Stadt und das bisherige Leben werden mit drastischen Bildern wie „Die Stadt muss brenn’n” und dem Werfen eines Streichholzes in die Luft metaphorisch in Verbindung gebracht. Dies symbolisiert das Ende und die Vernichtung des Vergangenen, dem der Protagonist gleichgültig oder sogar schadenfroh zuschaut („um eure Gebäude brennen zu seh’n im Ascheregen“).
Er will sofort und sorglos losfahren („Fuß aufs Gas, ah, in ein gutes Jahr“), weg von einem Leben ohne große Gefahren oder Sinn („nur Probeliegen für’n Sarg“). Er sehnt sich nach einem Neubeginn und lehnt alles ab, was das Alte verspricht.
Die Mischung aus „Heizöl, zwei Drittel Benzin” und die Aussage, dass Augen und Herzen Dynamit sind, verdeutlichen die explosive, entschlossene und bewusste Haltung des Protagonisten. Er ist zwar „müde”, hat aber einen Plan und ein Ziel.
Er fährt zum Hügel hinauf, dreht das Radio laut und beobachtet, wie alles „untergehen“ soll – er akzeptiert das Ende nicht nur, sondern ist aktiv daran beteiligt, es herbeizuführen oder zu beobachten. Der Tanz im Ascheregen am Ende zeigt eine trotzige, befreite Reaktion auf das Chaos.

Insgesamt ist es eine Hymne an die Befreiung durch den Bruch mit einer ungeliebten, heuchlerischen („Neinsager-Stadt”) Vergangenheit und den aufregenden, wenn auch riskanten Neubeginn.

Unselbstständig.  |  Citation.

» […] Biedermeierstuhl und Bademantel sind die Requisiten des Selbstmords der Mutter, jener Frau, die als „Prinzessin“ aufwuchs, süß, niedlich, empfindsam und empfindlich ist und Liebling ihres Vaters. Im Erwachsenenleben, wo die Mechanismen der verwöhnten Zarten auf Ver­sagen hinweisen und keinen Anklang unter den straffen Nachkriegsdeutschen finden, wird sie in die Defensive driften. […] Das Buch „erschütternd“ zu nennen, ist passend und gleichzeitig ungenügend. Bettina Flitners Roman „Meine Mutter“ ist im besten Sinne eine beeindruckende Recherche ohne moralische, ohne anklagende Überheblichkeit. „Meine Mutter“ ist das subtile Portrait einer Frau, die nicht gelernt hatte, selbstständig zu leben. […] «

~ Verena Auffermann in EMMA Nr. 5 (382) September/Okotber 2025 auf Seite 67/69 über Bettina Flitners neues Buch „Meine Mutter“, Roman (Kiepenheuer & Witsch, 24 EUR).

https://www.emma.de/artikel/eine-tochter-auf-den-spuren-der-mutter-341953

Christine.  |  On this day in music.

Triggerwarnung: Beim Lesen dieses Beitrags oder beim Hören dieses Songs könnten Sie traurig werden.

26.09.2013– | track: –Christine – Live- | artist: –Bodo Wartke– | album: -Klaviersdelikte – Live In Bremen-

In dem Songtext von Bodo Wartke erinnert er sich an den frühen Tod seiner jüngeren Schwester Christine.

Bodo Wartke war damals selbst noch sehr klein – nur drei Jahre alt –, während seine Schwester lediglich einen Monat und einen Tag alt wurde. Obwohl der Tod absehbar war, traf er die Familie dennoch hart.

Der Text beschreibt, wie die Mutter nach dem tragischen Ereignis Trost bei ihm suchte, indem sie ihn festhielt, um sich gegenseitig Halt zu geben. Im Laufe seines Lebens verarbeitet Bodo diesen Verlust, indem er versucht, weiterzumachen und eine Normalität aufrechtzuerhalten, obwohl die Trauer tief sitzt.

Oft fragt er sich, wie das Leben mit seiner Schwester gewesen wäre und welche Persönlichkeit sie gehabt hätte. Er stellt sich vor, wie die beiden sich ähneln und welche Eigenschaften sie von den Eltern geerbt hätte. Trotz ihrer Abwesenheit fühlt der Sprecher, dass seine Schwester immer noch präsent ist. Das zeigt sich besonders in der Zeile, in der er sagt, dass er eine Schwester hat, die „zwar nicht mehr hier“, aber „da“ ist.