🐚 unabhĂ€ngig?

Introvertierte sind unabhĂ€ngig. Sie machen ihre GefĂŒhle weniger abhĂ€ngig von anderen Menschen und können eine zeitlang allein sein. Auch beruflich sind sie ungern von anderen Menschen abhĂ€ngig.

~ 92 Eigenschaften von Introvertierten, introvertiert.org, https://www.introvertiert.org/92-eigenschaften-von-introvertierten

Auch wenn ich beruflich lieber allein gearbeitet habe, behaupte ich dennoch, ein verlĂ€sslicher Teamplayer gewesen zu sein, der sich problemlos in eine Gruppe und deren Ziele einordnen konnte. Am wohlsten fĂŒhlte ich mich jedoch bei der ungestörten Arbeit im EinzelbĂŒro. Entsprechend schwer ertrĂ€glich waren fĂŒr mich die letzten Berufsjahre, in denen ich zwangsweise in ein GroßraumbĂŒro versetzt wurde und mich permanent auf neue ArbeitsplĂ€tze und wechselnde Kolleg:innen einstellen musste.

Privat bin ich im Grunde ein geborener Robinson Crusoe und könnte vermutlich lange Zeit allein auf einer einsamen Insel leben. UnabhĂ€ngigkeit ist mir wichtig, allerdings nicht in der absoluten KĂ€lte, die das Zitat suggeriert. Ich möchte zwar weder von fremdbestimmten UmstĂ€nden noch von Menschen außerhalb meines engsten Kreises abhĂ€ngig sein, doch bei denjenigen, die mir am nĂ€chsten stehen, lasse ich eine solche Bindung sehr gerne zu. Die einzige Voraussetzung dafĂŒr ist, dass unsere gegenseitigen Grenzen bekannt sind und respektiert werden.

Ähnlich differenziert verhĂ€lt es sich mit meiner emotionalen Welt: Ich kann tief mit anderen Menschen mitfĂŒhlen und mitleiden. Dabei bewahre ich mir jedoch das Bewusstsein, dass ich zwar GefĂŒhle habe und mir die Empfindungen anderer zu eigen machen kann, ich diese GefĂŒhle aber nicht bin. NatĂŒrlich werden meine Emotionen von anderen Menschen berĂŒhrt und mitbestimmt – wie sonst könnte ich beispielsweise tief empfundene Liebe spĂŒren oder mich sicher mit jemandem verbinden? Paradoxerweise zeigt sich der Trennungsschmerz von geliebten Menschen oft dann, wenn ich gut und gerne mit mir allein bin. Ein Vermissen, ein Fehlen, ein Sehnen.

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Autor: Bernd

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der OberflĂ€che des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese OberflĂ€che, die doch immerhin etwas gewesen wĂ€re, mit einem unglaublich langweiligen Stoff ĂŒberzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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