♀ Sie geben auf! Sie schmeißen hin! Margaret Atwoods Dystopie „The Handmaid’s Tale” wird allmählich Realität.

Ich bin geschockt. Mir laufen die Tränen herunter. Es schüttelt mich. Es ist, als ob eine Liebesbeziehung ein jähes, unvermitteltes Ende genommen hätte. Mit Ablauf dieses Jahres wird es die Zeitschrift EMMA♀ – BLEIBT MUTIG! nicht mehr geben.

Sie geben auf.

Sie geben auf! Sie schmeißen hin! Und das mitten in einem Prozess, in dem die vom Männlichkeitswahn Besessenen – Männer wie Frauen – augenscheinlich wieder die Oberhand gewinnen.

Weltweit werden unzählige Frauen beispielsweise in und außerhalb der Ehe vergewaltigt, psychisch fertiggemacht, klitoral beschnitten, eingemauert und gesteinigt. Das Firnis der Zivilisation ist hauchdünn, wir stehen kurz vor Hexenverbrennungen. Männerbünde verhindern, dass Frauen ihrem Wissen und Können angemessene Positionen erreichen können. Gerade heute hörte ich einen Rundfunkbeitrag über die Diskriminierung von Frauen in den Wechseljahren am Arbeitsplatz. Das BKA verzeichnet fast jeden Tag einen Tötungsversuch an einer Frau durch ihren (Ex-)Partner. Alle zwei bis drei Tage wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Allein in Deutschland. Die polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt kontinuierlich zu und erreicht jährlich neue Höchststände.

Weltweit gibt es ungefähr gleich viele Frauen und Männer. Es wird Zeit, dass sich Männer emanzipieren, ihre Überheblichkeit ablegen, Frauen auf Augenhöhe begegnen und sie fördern, wo und wann sie nur können – bis Männer und Frauen in gleicher Zahl in allen Positionen in Gesellschaft, Arbeitswelt und Politik vertreten sind. Und bis Männer die gleiche Quantität und Qualität an Care-Arbeit leisten.

Aber warum rege ich mich überhaupt auf?

Es geht hier nicht um den Schutz einer Minderheit, wenn es gleich viele Frauen und Männer gibt. Die Auflehnung gegen die vom Männlichkeitswahn Besessenen muss von Frauen ausgehen!

Alice Schwarzer hat es kurz vor der letzten Bundestagswahl kommen sehen:

» … Noch alarmierender sind die Ergebnisse der aktuellen Shell-Jugendstudie: Die Ansichten der jungen Männer und Frauen zwischen 15 und 25 zur sogenannten „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, also zur Berufstätigkeit von Frauen, sind erschreckend unterschiedlich und rückständig. 45 Prozent aller jungen Männer wollen Vollzeit arbeiten, aber nur sechs Prozent der jungen Frauen. (Von einer voll berufstätigen Frau träumen auch sechs Prozent aller Männer. Das passt immerhin.) Die jungen Frauen wollen zu 43 Prozent halbtags arbeiten, was nur 13 Prozent aller jungen Männer anvisieren. Kein einziger Mann will „gar nicht“ berufstätig sein, aber jede zwölfte Frau. Das Ideal – eine 30-Stunden-Woche für Männer und Frauen, solange die Kinder schulpflichtig sind – kommt kaum vor, nicht einmal in den Zukunftsträumen der Jugend von heute. Im Gegenteil: Das Lebensmodell ihrer Großeltern ist wieder angesagt.

Was auch das Resultat eines von innen ausgehöhlten Feminismus ist. Dem könnte der patriarchalische Rammbock von außen jetzt mit einem leichten Stoß den Rest geben. Denn es ist nachvollziehbar, dass Männer einen „Feminismus“, der Frauen als „Menschen mit Uterus“ bezeichnet und das Gendern mit Unterstrich und Sternchen wichtiger findet als eine echte Gleichberechtigung für Frauen, nicht ernst nehmen muss. Während die sogenannten „Neofeministinnen“ sich so selber marginalisieren, verteilen die Männer Wissen, Geld und Macht. Unter sich. … «

Es ist die Mehrheit der Frauen, die dem Feminismus den Todesstoß versetzt.

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Autor: Bernd

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

2 Gedanken zu „♀ Sie geben auf! Sie schmeißen hin! Margaret Atwoods Dystopie „The Handmaid’s Tale” wird allmählich Realität.“

    1. Danke! Die Printausgabe entfällt und wird durch einen Newsletter sowie das fortbestehende (veränderte?) Online-Angebot ersetzt.

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