📅❓ Genau, es wird zeitnah alles gut.

Nachdem ich die heutige Frage ein paar Stunden lang habe sacken lassen, ist mir „spontan” kein Wort eingefallen, das mir so sehr auf die Nerven geht, dass ich es aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannen wĂŒrde.

Ich wĂŒrde fast allen Politiker:innen das Wort entziehen. Diese nichtssagenden Sprechblasen, die platzen, wenn man sie nur anhaucht, diese inhaltsleeren Floskeln. Sie fĂŒllen akustisch den Raum zwischen den Fassaden der Kulissen, die sie fĂŒr uns errichtet haben, und sind Teil der Inszenierung, die uns davon abhalten soll, hinter die Kulissen zu blicken.

Ole von Beust hat gerade ein Buch veröffentlicht, in dem er politische Floskeln von A bis Z entschlĂŒsselt.

Es wird Zeit, dass das faktische Berufspolitiker:innentum abgeschafft wird und stattdessen BĂŒrgerrĂ€te tagen und regieren, die regelmĂ€ĂŸig zufĂ€llig aus der wĂ€hlbaren Bevölkerung zusammengesetzt werden. Schwarmintelligenz. Dann verstehen wir auch wieder, worum es geht, jenseits der sprachlichen Verschleierung des reinen Machterhalts.

Ansonsten kann ich gut auf „alles gut” verzichten. Diese Floskel ist maximal unverbindlich und signalisiert, dass nicht tiefer gegraben werden soll.

Ebenso „zeitnah“, das inhaltlich völlig leer ist und auch ohne BegrĂŒndung den Sankt-Nimmerleins-Tag bedeuten kann. „UnverzĂŒglich” ist stattdessen zu verwenden. Dies ist im § 121 Abs. 1 Satz 1 des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt: „UnverzĂŒglich” bedeutet „ohne schuldhaftes Zögern”. Verbindlich. Rechtssicher.

Beim Schreiben fĂ€llt mir gerade ein Unwort ein: Ich wĂŒrde gerne wissen, wer es eingefĂŒhrt hat. „Genau“. Anstatt eine Denk- oder Sprechpause einzulegen, wird „genau“ unzĂ€hlige Male in einem Vortrag verwendet, um die Pause zu fĂŒllen. Es wirkt, als hĂ€tte jemand die Regel aufgestellt, dass es keine Pausen in einem Vortrag, GesprĂ€ch oder Interview geben darf. „Genau” als Denk- oder SprechpausenfĂŒller verhindert, dass die Zuhörer:innen die Pause des Vortragenden zum eigenen Denken nutzen. Vielleicht ist das der Grund fĂŒr die unsĂ€gliche Verwendung dieses FĂŒllwortes.

TĂ€glicher Schreibanreiz
Wenn du ein Wort endgĂŒltig aus der allgemeinen Verwendung verbannen könntest, welches wĂ€re das? Warum?

If you could permanently ban a word from general usage, which one would it be? Why?  |  Wenn du ein Wort dauerhaft aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannen könntest, welches wĂ€re das? Warum?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

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Autor: Bernd @rueckzuginsprivate.de

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der OberflĂ€che des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese OberflĂ€che, die doch immerhin etwas gewesen wĂ€re, mit einem unglaublich langweiligen Stoff ĂŒberzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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