Es waren die ersten Ferientage des Jahres 1992 in Rheinland-Pfalz. Wir fuhren nach Domburg in den Niederlanden, um unseren dort stehenden Wohnwagen auf einem Minicampingplatz zu nutzen. Aufgrund einer Krankheit mussten wir diesen Urlaub kurz nach der Ankunft abbrechen. Als wir wieder zu Hause waren, lag ein Aldi-Süd-Werbeprospekt im Briefkasten. Darin wurde ein Desktop-Computer mit Bildschirm, Maus und Tastatur beworben. Meine Augen glänzten, die noch gefüllte Urlaubskasse stand zur Verfügung und es gab keinen Widerspruch.
Kurzentschlossen fuhr ich zu Aldi und kaufte ihn: einen kleinen Tower-Desktop-PC in der Farbe Computer-Grau (Beige). Auf der Vorderseite befanden sich ein großer An-/Ausschalter, ein Turbo-Knopf zum Anheben der Taktfrequenz, eine zweistellige LED-Anzeige für die MHz-Zahl sowie zwei Schlitze für das 3,5-Zoll- und das 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk. Ein DVD-Laufwerk gab es noch nicht. Software gab es auf Disketten. Auf der Frontseite prangte auch das Logo des Herstellers, vermutlich Highscreen. Der PC hatte 1 MB RAM und eine kleine Festplatte von vermutlich 40 oder 60 MB (mein zweiter Desktop-PC hatte eine 100-MB-Festplatte und 2 oder 4 MB RAM). Der Bildschirm war ein schwerer Röhrenmonitor und die Tastatur eine schwere, graue, mechanische Klapper-Tastatur.
Das war der PC, bevor der Run auf spätere Medion-PCs begann. Heute bedauere ich, dass ich die Hardware nicht aufgehoben habe.
Dem PC lag ein Upgrade-Gutschein für Windows 3.1 bei. Den schickte ich sofort auf den Postweg und erhielt binnen 14 Tagen ein Paket mit vielen durchnummerierten 3,5-Zoll-Disketten und einem dicken Windows-Handbuch.
Doch zunächst „arbeitete” ich auf DOS-Ebene mit einer dBase-Datenbank und Word und Excel für DOS (ich war durch meinen Beruf bereits damit vertraut und VHS-geschult). Ich war bestens mit DOS vertraut, kannte die meisten Befehle und Parameter auswendig und schrieb sogar meine ersten Batch-Dateien (.bat/.cmd).
Es war das erste und einzige Mal, dass ich ein Computerspiel gespielt habe: Ich kaufte „SIM-City” (Windows-Ready) auf Disketten und spielte es auf DOS-Ebene.
Als Windows 3.1 eintraf, wurde es sofort Diskette für Diskette aufgespielt. Da ich viel in Bildern denke bzw. mir vieles über Bilder merke, war das grafische Windows 3.1 mit seinen Fenstern und Bildchen (Icons) wie für mich gemacht. In den folgenden Wochen machte ich mich mit Windows vertraut. Ich bin Microsoft und Windows bis heute treu geblieben – bei aller berechtigter Kritik. Ich habe immer wieder fast alle Alternativen getestet, von OS/2 bis zu den verschiedenen Linux-Distributionen. Keine hat mich wirklich überzeugt. Lediglich Apple-PCs wären eine Alternative, wenn die Apple-Welt nicht so abgeschottet wäre. Alle Mankos, die Windows hatte, konnte ich mit kostenloser oder kostenpflichtiger Software beheben. Microsoft hat über die Jahrzehnte viel falsch, aber auch sehr viel richtig gemacht. Derzeit wechseln sich Licht und Schatten ab. Mit Windows kamen die Office-Pakete, denen ich ebenfalls bis heute treu geblieben bin.
Zwanzig Jahre später war mein erstes Smartphone ein Windows Phone. Schade. dass Microsoft die Weiterentwicklung aufgab. Heute versucht ein Start-up die Windows-Phones wiederzubeleben (mit mehreren parallelen Betriebssystemen neben Windows 11).
Bald kam der Internetzugang über ein Modem der Telekom, zunächst über die Telefonleitung (kein ISDN), wobei die Bits und Bytes nur tröpfchenweise durch die Leitung gingen. Zunächst „surfte“ ich über BTX (Bildschirmtext), kurz darauf über AOL und den Netscape Navigator („Ich bin drin!“).
Meine Vorliebe, Software auszuprobieren und zu testen, machte ich 2002 zu meinem Beruf: Ich wechselte aus dem operativen Kundengeschäft zum IT-Dienstleister meiner Firma und testete dort beruflich Software und schulte die Kolleginnen und Kollegen. Ich war die Schnittstelle zwischen den Programmierern und den Endanwendern.
Gute Software ist nur Software, die sich intuitiv bedienen lässt.
Das dem Blogbeitrag beigefügte Foto ist ein KI-generiertes Foto, das meinem ersten PC ähnelt. Anstelle des DVD-Laufwerks stelle man sich einen Schlitz für das 5,25-Zoll-Laufwerk vor.
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