📅❓ gefangen

Taumelnd verließ ich das Kino. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu orientieren. Ich war vollkommen verstört. Ich kam aus der Verfilmung des Konzeptalbums, das für mich zu den besten Alben des 20. Jahrhunderts gehört.

Musikalisch ist es nur durchschnittlich, aber die Atmosphäre ist überragend. Überragend erschreckend. Erzählt wird die düstere Geschichte eines Rockstars, der sich als Schutz vor Traumata und Entfremdung eine gigantische, metaphorische Mauer um sich herum aufbaut. Das Album übt scharfe Kritik an der britischen Nachkriegsgesellschaft, am Autoritätsglauben und am Massenwahn. Ein zeitloses Kunstwerk. Ein Meisterwerk, das auch nach mehrmaligem Hören nichts von seiner Faszination verliert.

Drei Jahre später hat Alan Parker das Album mit Bob Geldof in der Hauptrolle kongenial verfilmt. Mit Zeichentricksequenzen von Gerald Scarfe, die mich lange nicht losgelassen haben. Auch die Verfilmung ist ein Kunstwerk, ein Meisterwerk der Filmgeschichte.

Nach diesem Film sagte ich mir, dass ich ihn nicht einmal meinem ärgsten Feind zumuten möchte. Der Film ist ein psychischer und seelischer Anschlag auf die Unversehrtheit seiner Zuschauer:innen. Nur sicher gebundene Menschen, die resilient sind und über absolutes Selbstbewusstsein und -vertrauen verfügen, sollten sich dieses Meisterwerk in Ton und Bild anschauen.

Die DVD habe ich hier zu Hause. Ich habe sie mir noch nicht angesehen. Noch nicht einmal ausgepackt. Sie liegt im Giftschrank. Dagegen ist das Hören des Konzeptalbums wie ein Spaziergang über eine blühende Frühlingswiese in der Morgensonne …


Welches Buch oder welcher Film hat dir wirklich Angst gemacht?

Alle Antworten anzeigen

What’s a book or movie that genuinely scared you?  |  Welches Buch oder welcher Film hat dir wirklich Angst gemacht?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

📅❓ gesucht – gefunden

Ich würde ein Fundbüro gründen. Ein Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche. Jeder könnte eintreten und fragen: „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden?” Dies ist die Fortsetzung der Idee der Schweizer Autor:innen Andrea Keller und Patrick Bolle.

Die beiden Schweizer Autor:innen betrieben das interaktive Kunst- und Lebensprojekt „Fundbüro2“. Anstatt nach verlorenen Schlüsseln oder Regenschirmen zu suchen, gaben Menschen dort immaterielle Dinge auf – oder suchten danach. Das Buch „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden? Im Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche, Rowohlt Verlag, 2018) bündelt diese realen, sehr persönlichen Verlust- und Fundgeschichten.

Die Autor:innen gehen der Frage nach, wo wir suchen sollen, wenn uns plötzlich Träume, Gefühle, Leichtigkeit, Mut oder Motivation abhandenkommen. Gleichzeitig erzählen Menschen davon, wie sie unerwartet eine neue Leidenschaft, den Glauben an sich selbst oder an etwas Größeres (wieder-)entdeckt haben.

Die beiden Autoren schreiben im Vorwort ihres Buches sinngemäß:

‚Wenn uns Träume oder Gefühle abhandenkommen – wo sollen wir suchen? Eine Einladung zum Nachdenken darüber, was uns im Leben wichtig ist.

Im Laufe des Lebens verlieren und finden wir immer wieder Dinge wie Handschuhe oder Schlüssel, aber auch Nicht-Dinge, Immaterielles: eine Idee, eine Überzeugung, ein Gefühl. Plötzlich merken wir, dass die Hoffnung auf der Strecke geblieben ist und die Motivation abhandengekommen ist. Oder wir entdecken eine Leidenschaft, den Glauben an uns selbst oder an etwas Größeres. Die Autoren sammeln persönliche Verlust- und Fundgeschichten und laden die Leserschaft ein, sie auf eine anregende und eindringliche Reise zu begleiten – eine Expedition ins Innenleben der Mitmenschen und gleichzeitig zum eigenen Selbst und Sein.‘

Ich würde mit einem Pop-up-Fundbüro auf Tournee gehen, von Stadt zu Stadt, um den Menschen einen geschützten Raum zu bieten und ihnen die Gelegenheit zu geben, eine Suchanfrage nach ihrem verloren geglaubten Glück aufzugeben oder zu erzählen, wo und wann sie es verloren oder gefunden haben – oder auch, warum sie es bisher noch nicht getroffen haben.

Idealerweise würden sich meine materiellen Selbstkosten durch freiwillige Spenden, Sponsoring oder Crowdfunding decken.

Happiness will be my business.

Tägliche Schreibanregung
Wenn du jetzt sofort ein neues Business starten könntest – was wäre es?

If you could start a new business right now, what would it be?  |  Wenn Sie jetzt ein neues Unternehmen gründen könnten, was wäre das?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

🕮 überbehütet

🕮 überbehütet

rueckzuginsprivate.de weist darauf hin, dass die Inhalte der geteilten und zusammengefassten Artikel die Ansicht der verlinkten Websites wiedergeben. Diese Ansicht muss nicht mit der Meinung von rueckzuginsprivate.de übereinstimmen.

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

📅❓ Scheuklappen

Mir selbst bewusst zu sein. Zwar verfügte ich schon immer über die Fähigkeit zur Selbstreflexion, also die Fähigkeit, meine eigenen Gedanken, Gefühle, Motive und Reaktionen von außen zu betrachten und zu verstehen. Vermutlich ist das eine Folge davon, dass ich bereits als Kleinkind – vielleicht sogar schon im Mutterleib – gelernt habe, mich nur auf mich selbst verlassen zu können. Schwierigkeiten bereitete mir jedoch meine Identität, also das klare Wissen darüber, wer ich bin, welche Werte ich vertrete und was meine Persönlichkeit im Kern ausmacht. Das lag vermutlich daran, dass meine Eltern meine Introversion als falsch betrachteten und mir vermittelten, dass ich so, wie ich bin, falsch bin, und richtig, wenn ich mich extravertiert verhielt. Dadurch wurde mir lange der Zugang zu dem Wissen verwehrt, wer ich bin und was meine Persönlichkeit im Kern ausmacht. Ein weiterer Mangel bestand in der unterentwickelten Erkenntnis, mich abzugrenzen, also die Erkenntnis, als eigenständiges Individuum getrennt von der Umwelt und anderen Menschen zu existieren.

Dagegen war mein Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstvertrauen gut ausgeprägt. In der Rolle des angelernten, angepassten Extravertierten. Vermutlich als Folge des oben Skizzierten. Selbstwirksamkeit und soziale Sicherheit waren immer vorhanden, ebenso wie ein gutes Selbstwertgefühl.

Vieles in meinem Leben wäre einfacher, besser oder einfach anders gelaufen, wenn ich viel früher damit angefangen hätte, meine Introversion zu erkennen. Doch die Scheuklappen waren viel zu groß.

Tägliche Schreibanregung
Was hättest du im Leben gern viel früher angefangen?

What’s one thing you wish you had started doing earlier in life?  |  Was ist eine Sache, von der du dir wünschst, du hättest schon früher damit angefangen?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

📅❓ Wirke!

„Versuch macht klug“: Dinge einfach ausprobieren, sich bei Erfolg auf die Schultern klopfen und bei Misserfolg die „Krone richten“ und weitermachen. Nicht an sich selbst zweifeln, sondern nüchtern analysieren, was gut und was schlecht war, was noch besser gemacht werden kann und wie die Klippen umschifft werden können. Jeder kann sich selbst vertrauen. Man lernt aus Erfahrungen und reift. Jeder Mensch genügt, egal, was man meinte, in der Kindheit erlebt zu haben. Du bist gut, so wie du bist. Vertraue dir selbst und lerne auch aus den Erfahrungen anderer.

Betrachte Fehler als Feedback: Wenn Dinge scheitern, ist das kein Beweis für persönliche Inkompetenz, sondern lediglich eine wertvolle Information. Ähnlich wie bei der Entwicklung von Software oder dem Tüfteln an einem komplexen technischen Workaround: Ein Fehler im System bedeutet nicht, dass das gesamte Vorhaben gescheitert ist. Man schaut sich an, an welcher Stelle es hakt, passt die Parameter an und testet neu. Dieser iterative Prozess nimmt dem Scheitern den emotionalen Schrecken.

Erlebe Selbstwirksamkeit: Wahres Selbstvertrauen entsteht nicht durch die trügerische Gewissheit, dass immer alles glattläuft. Es entsteht durch das tiefe, innere Wissen: „Selbst wenn es schiefgeht, weiß ich, dass ich damit umgehen kann.” Jedes Mal, wenn du hinfällst und wieder aufstehst, sammelt dein Gehirn knallharte Beweise für deine eigene Widerstandsfähigkeit.

Handle statt zu grübeln: Wer die Dinge einfach ausprobiert, verlässt das reine Kopfkino und geht in die Handlung. Oft nehmen wir uns durch Überanalyse im Vorfeld selbst den Mut. Der Schritt in die Praxis durchbricht diese gedankliche Lähmung.

Wenn du deine „Krone richtest”, verurteilst du dich nicht tagelang für den Fehlversuch. Du zeigst Selbstmitgefühl und nimmst das Scheitern nicht als persönlichen Makel in deine Identität auf. Du klopfst dir den Staub ab, bewahrst deine Würde und behältst den Blick nach vorne gerichtet. Du behältst eine gesunde Distanz zu dem Fehlversuch oder Scheitern.

Reines Ausprobieren und Scheitern, ohne nachzudenken, kann auf Dauer zermürben. Der Prozess wird erst dann zu einem echten Motor für das Selbstvertrauen, wenn zwischen dem „Hinfallen” und dem „Krone richten” eine kurze Phase der stillen Reflexion steht. Was genau hat nicht funktioniert? Lag es an den äußeren Umständen, am fehlenden Wissen oder an der Herangehensweise? Wer diese Erkenntnisse in den nächsten Versuch mitnimmt, wächst unweigerlich.

Täglicher Schreibanreiz
Was ist der beste Weg, um Selbstvertrauen aufzubauen?

What’s the best way to build self-confidence?  |  Wie kann man am besten Selbstvertrauen aufbauen?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/