Allgegenwärtig

Stefanie kann es immer noch nicht fassen.

Ihr leerer Blick geht in die Ferne. Er geht an der Pfarrerin vorbei, die ihr gegenüber sitzt. Gedankenverloren spielt Stefanie mit dem Löffel zwischen ihren Fingern.

Sie und die Pfarrerin hatten sich verabredet. Nicht bei Stefanie zu Hause. Die Stille dort erträgt sie nicht. Sie sitzen im „Spanischen Garten”. Dort hat Stefanie oft mit Christian gesessen und wie heute einen frischen, leckeren Obstsalat gegessen. Heute hat sie die Süße der Früchte jedoch nicht wahrgenommen. Anstatt wie üblich einen Tinto de Verano zu trinken, hat sie sich eine Flasche Mineralwasser bestellt. Gegen die Trockenheit in ihrem Mund und in ihrer Kehle. Die Pfarrerin hat einen Espresso getrunken.

Sie sind mit ihrem Gespräch am Ende. Die Pfarrerin hat sich alles angehört, Fragen gestellt und notiert. Nun ruht ihr rechter Arm auf ihrem Notizbuch, ihre Augen ruhen auf Stefanie, die scheinbar abwesend dasitzt.

Stefanie spürt, dass Christian beschwingt von hinten kommt, seinen Rucksack geschultert. Gleich wird er ihre Schulter zur Begrüßung berühren.

Nein, das kann nicht sein. Sie sitzt hier der Pfarrerin gegenüber, mit der sie alle Einzelheiten von Christians Beerdigung in einer Woche besprochen hat. Sie kann nicht fassen, dass Christian nie wiederkommt. Für sie ist er allgegenwärtig.

Bilder erzählen Geschichten und jede Geschichte sagt etwas aus über den Menschen, der sie erzählt. Angelehnt an einen alten projektiven Test, den TAT, zeigt die Psychologie Heute ein Bild und bittet, die Szene zu deuten. – Psychologie Heute 11.02.2026– https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/44722-was-sehen-sie-hier-bodo-wartke.html

Was siehst du hier, Bernd? | V

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Was siehst du hier, Bernd? | IV

Liebeskummer

Hier sitzt sie nun. Allein am Küchentisch. Den rechten Ellenbogen hat sie auf dem Tisch abgestützt, die rechte Kinnhälfte ruht auf dem Handballen ihrer zu einer halben Faust geballten Hand.

Hier sitzt sie nun. Verlassen. Vor der Wand, deren Rot er so mochte. Sie liebt Blau. Das Rot ihrer Lippen korrespondiert mit der Farbe der Wand.

Hier sitzt sie nun. Mit tränenverquollenen Augen.

Hier sitzt sie nun. Seitdem Christian sie verlassen hat. Vor einer Woche kam er von einer einwöchigen Dienstreise nach Hause, schaute sie lange traurig und schuldbewusst an. Er sprach davon, ausziehen zu müssen und allein zu sein. Was er danach sagte, hörte sie zwar, aber es drang nicht mehr in ihr Bewusstsein. Christian löste den Wohnungsschlüssel vom Schlüsselbund, legte ihn auf den Küchentisch, lächelte schief, drehte sich um, griff seinen Koffer und ging.

Langsam kommt sie wieder zu sich. Sie kann es nicht fassen. Sie fühlt sich wie nach einer schweren Grippe, und wie amputiert.

Julia beginnt langsam zu überlegen, was sie am meisten vermisst, was sie an Christian hatte, was von ihrer Beziehung bleibt. Gab es etwas, das sie nicht geben konnte? Was? Wo war die Bruchstelle? Ich bin allein! Verlassen! Wer kann mich trösten?

Bilder erzählen Geschichten und jede Geschichte sagt etwas aus über den Menschen, der sie erzählt. Angelehnt an einen alten projektiven Test, den TAT, zeigt die Psychologie Heute ein Bild und bittet, die Szene zu deuten. – Psychologie Heute 13.01.2026 – https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/44658-was-sehen-sie-hier-anne-rabe.html

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Was siehst du hier, Bernd? | III

Heimweh & Sehnsucht

Heimweh. Jan hat Heimweh. Sehnsucht. Jan hat Sehnsucht.

Er ist Architekt und arbeitet für ein international tätiges Architekturbüro. Seit sechs Wochen ist er in Katar. Er beaufsichtigt den Bau eines Wolkenkratzers.

Es ist nicht sein erster Auslandsaufenthalt. Aber ihm fallen sie immer schwerer. Erst in zwanzig Wochen kann er über Weihnachten nach Hause.

Zuhause ist das moderne Energieeffizienzhaus am Stadtrand. Zuhause sind seine Frau Zoé, seine Tochter Sophie, sein Sohn Paul, Wuff, der Hund, und Miau, die Katze.

Jeden zweiten Abend haben sie Facetime. Das verstärkt sein Heimweh und seine Sehnsucht.

Heimweh nach Hause. Sehnsucht nach seinen Kindern, nach seiner Frau, nach ihrer liebevollen Art, ihrem duftenden Haar und ihrer samtenen Haut.

Jeden zweiten Abend stellt er das Bild von sich und seiner Familie auf den Schreibtisch, hält inne und betrachtet es mit liebevollem Blick gedankenverloren.

Heimweh und Sehnsucht.

Bilder erzählen Geschichten und jede Geschichte sagt etwas aus über den Menschen, der sie erzählt. Angelehnt an einen alten projektiven Test, den TAT, zeigt die Psychologie Heute ein Bild und bittet, die Szene zu deuten. – Psychologie Heute 1/2026 – https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/44599-was-sehen-sie-hier-till-broenner.html

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