Meiner Meinung nach gehen Kreativität und Fantasie Hand in Hand. Eine lebhafte Fantasie hatte ich schon, so lange ich zurückdenken kann. Als Kind konnte ich stundenlang mit Legosteinen spielen. Ich schuf mir Handelsflotten und Wohnlandschaften und erweckte sie zum Leben. Später bekam ich eine elektrische Eisenbahn geschenkt, die ihr eigenes Zimmer bei meiner Oma mütterlicherseits hatte. Dort verbrachte ich viele Stunden an ungezählten Tagen. Ich simulierte einen Bahnbetrieb. Bis zum Beginn meiner Pubertät fuhr ich nicht einfach Fahrrad, sondern stellte mir vor, ich sei ein Fernfahrer, der mit seinem langen Sattelschlepper die Welt befährt.
Zur Verabschiedung meiner Berufsschulklasse am Ende meiner Ausbildung kreierte ich eine mehrere Seiten lange Bierzeitung mit dem Titel „Das Leben geht weiter“.
Ende meiner zwanziger Jahre besuchte ich einen Grundkurs Niederländisch. Wir sollten uns auf Niederländisch eine Fortsetzungsgeschichte ausdenken und niederschreiben.
Ik liet een blinde vrouw door een park dwalen.
Der Titel lautete „De blinde vrouw”.
Danach kam eine lange, fantasielose Zeit. Meine Kreativität beschränkte sich darauf, eigene Mixtapes für CDs, MDs …
Kreativität
This is not a love letter
bedingt Fantasie
… und MP3-Player zu erstellen.
Mit meinem ersten WordPress.com-Blog kehrten Fantasie und Kreativität allmählich zurück. Erst als ich regelmäßig an einem Schreibprojekt teilnahm, waren Fantasie und Kreativität wieder präsent. Die Geschichten durften nicht länger als 300 Wörter sein. Es wurden jeweils drei Wörter vorgegeben, die im Text sinnvoll erscheinen mussten. Also dachte ich mir kleine Geschichten aus. Oder ich verdichtete Erlebtes, Gesehenes im Kino oder im Fernsehen oder Gelesenes auf 300 Wörter.
Dann hatte ich mich auch an Gedichten versucht, doch damit war ich weniger glücklich, bis ich die Form des Haikus entdeckte.
Zurzeit lebe ich meine Kreativität durch die Beantwortung der „Daily Prompts” aus und baue dort jeweils ein Haiku ein. –
P. S.: Ich kann auch außergewöhnliche Liebesbriefe schreiben. Von romantisch schmachtend bis absolut sachlich – ich habe einmal einen Liebesbrief als sachliche „Bewerbung” formuliert. Keiner meiner vier Liebesbriefe der vergangenen Jahrzehnte bewirkte etwas. Bei den Empfängerinnen. Bei mir schon: Frustration und Trauer. Es lag nicht an den Liebesbriefen. Vergebliche Liebesmüh – ich schreibe keine mehr. (-;

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