Jemand anderes zu sein, bedeutet nicht, dass mein nichtstoffliches Ich in einen anderen Körper schlüpft. So wie in der zweiten Episode (Transpose – Ich und du) der großartigen Serie „Tales from the Loop“. Jemand anderes zu sein, umfasst das vollständige Sein (Ontologie): Mein Ich hört auf zu existieren und wird zu einem Du. Das heißt, ich könnte durch dieses andere Sein keinerlei Erkenntnis erzielen. Spannender fände ich es, die Welt durch die Augen von jemand anderem zu sehen (Phänomenologie), also zu wissen, wie er oder sie denkt und fühlt. Würde ich mich erschrecken, weil wir uns so unerwartet ähneln würden? Oder weil sich Abgründe auftäten? Nein, danke, mir genügt es, die Fähigkeit zu besitzen, die Gefühle anderer Menschen als meine eigenen zu erleben, und ich bin froh, zusätzlich die Fähigkeit zu besitzen, mich davon distanzieren zu können.
Die heutige Frage verstehe ich eher als eine Erweiterung der Frage vom 20. November um alle Menschen: Nicht nur, welcher historischen Persönlichkeit ich einmal begegnen wollte, sondern wem ich einmal begegnen wollte.
Ich würde gerne ein Format wie „Krause kommt!” machen. (TV), „Gero von Boehm begegnet …” (TV), „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (Podcast) oder „Das wahre Leben“ (Podcast). Eine Mischung sozusagen: Ich würde beispielsweise gerne jemanden für 24 Stunden besuchen, mir seine oder ihre Stadt zeigen lassen – weniger die touristischen Sehenswürdigkeiten, eher die individuellen – und mit ihm oder ihr ins Gespräch kommen.
If you could be someone else for a day, who would you be, and why? | Wenn du einen Tag lang jemand anderes sein könntest, wer würdest du sein und warum?
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