Der Psychologe Tal Ben-Shahar hat den schönen Begriff des „Eintrittstrugschlusses” geprägt. Damit beschreibt er den Irrglauben, dass das Erreichen eines bestimmten Ziels dauerhaft glücklich macht. Selbst wenn wir eine langersehnte Beförderung erhalten oder sogar im Lotto gewinnen, hält die Zufriedenheit meist nur kurz an. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns sehr schnell an Neues gewöhnen und unser Glücksgefühl zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Wir sind alle nur Menschen, die manchmal nicht genau wissen, wie sie sich in der Zukunft fühlen werden.
Glück hat auch physiologische Grenzen. Bereits in den 1970er Jahren wurde erkannt, dass Geld nur bis zu einem gewissen Punkt glücklich macht. Danach hat es, wie vieles andere auch, nur wenig Einfluss auf unser Wohlbefinden. Auch kurzfristige Freuden wie gutes Essen, Sex oder ein neues Auto können nicht dauerhaft anhalten. Wir Menschen gewöhnen uns an angenehme Reize. Dieser Effekt wird als hedonistische Adaptation bezeichnet und bringt uns dazu, noch mehr von derselben Quelle zu suchen. Deshalb ist es wichtig, Glück nie als Fundament, sondern als wunderbaren Bonus zu betrachten, der uns manchmal in die Arme fällt und manchmal nicht.
„Wenn ich erst den richtigen Partner gefunden habe, bin ich glücklich.“ – „Wenn ich diese finanzielle Hürde genommen habe, fallen alle Sorgen von mir ab.“ – „Wenn ich endlich im Ruhestand bin, fängt das echte Leben an.“ Doch die Realität sieht meist anders aus.
Wir Menschen sind evolutionär darauf programmiert, uns extrem schnell an neue Umstände anzupassen – sowohl an schlechte als auch an gute. Ein großer Erfolg bringt zwar einen spürbaren mentalen Höhenflug, doch nach überraschend kurzer Zeit kehrt unser Glücksempfinden auf sein gewohntes, individuelles Basisniveau zurück. Das „Neue“ wird schlichtweg normal.
Wenn wir ein Ziel verfolgen, gibt uns der Weg dorthin oft Struktur, Sinn und einen täglichen Antrieb. Fällt dieses Ziel durch das Erreichen weg, entsteht nicht selten eine Leere. Man realisiert, dass die Probleme des Alltags weiterhin existieren und sich im eigenen Inneren eigentlich gar nicht so viel verändert hat.
Das Missverständnis liegt in der Annahme, Glück sei ein statischer Zustand, in den man sich irgendwann begibt und in dem man dann dauerhaft verweilt. Tatsächlich ist Glück aber eine flüchtige Emotion, die eher in kleinen, alltäglichen Momenten und Gewohnheiten entsteht als beim Überschreiten einer Ziellinie.
Der Irrtum besteht also darin, die Verantwortung fĂĽr die eigene Zufriedenheit an ein zukĂĽnftiges Ereignis auszulagern, anstatt sie in der Gegenwart zu kultivieren.
What’s a common misconception people have about happiness? | Was ist ein weit verbreitetes Missverständnis, das Menschen in Bezug auf Glück haben?
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