📅❓ Bringe mit dieser Frage Zeit mit.

Als ich den heutigen Daily Prompt lese, klingt sofort diese Frage in meinem inneren Ohr.

„Wie geht es dir?”

Mit Floskeln kann ich nichts anfangen. Ich weiß genau, bei wem ich mit „Gut.” antworte. Ich antworte nie mit „Schlecht.“. „Wie geht es dir?“ ist der SchlĂŒssel zur Schatzkiste meiner GefĂŒhle. Es geht mir nie nur gut und nie nur schlecht.

Oft steht zum Zeitpunkt der Frage ein GefĂŒhl aus meiner reichhaltigen GefĂŒhlswelt im Vordergrund. Ich bin nicht meine GefĂŒhle, ich habe GefĂŒhle. Das bedeutet, dass ich das eine, sich in den Vordergrund drĂ€ngende GefĂŒhl so, wie eine Lehrkraft einen vorlauten SchĂŒler zur Ordnung ruft, zurĂŒck in die Reihe der anderen GefĂŒhle beordere.

Wenn der oder die Fragesteller:in Zeit mitbringt, gehe ich mit ihm oder ihr meine GefĂŒhle durch: die vorlauten, die auf die aktuellen Baustellen meines Lebens aufmerksam machen. Warum empfinde ich die Baustelle als solche? Was hat dazu gefĂŒhrt? Was lĂ€sst sie noch offen sein? Was muss geschehen, damit sie beendet wird? Daraus können intensive GesprĂ€che entstehen. GesprĂ€che, die die Baustelle vergrĂ¶ĂŸern, oder GesprĂ€che, die dabei helfen, die Baustelle zu beenden. Danach reden wir ĂŒber die positiv stimmenden GefĂŒhle.

„Wie geht es dir?” ist eine Frage, die ich gar nicht gerne als Floskel gestellt bekomme. Als Auftakt eines wunderbaren GesprĂ€chs ĂŒber die gegenseitigen Baustellen oder HöhenflĂŒge ist diese Frage hingegen herzlich willkommen. Bringe mit dieser Frage Zeit mit.

TĂ€glicher Schreibanreiz
Nenne eine Frage, die du gar nicht gerne gestellt bekommst. Warum?

What is one question you hate to be asked? Explain.  |  Welche Frage magst du ĂŒberhaupt nicht, wenn man sie dir stellt? Sag mal, warum.

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Autor: Bernd @rueckzuginsprivate.de

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der OberflĂ€che des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese OberflĂ€che, die doch immerhin etwas gewesen wĂ€re, mit einem unglaublich langweiligen Stoff ĂŒberzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================