Habe ich mich schon vorgestellt? Mein Name ist „Samba vegan Schuh” von adidas und ich bin unisex. In diesem Blogpost seht ihr mich. Ich bin ein Retro-Sneaker für schlanke Füße, wie sie mein Träger hat. Leider trägt er immer diese dicken dänischen Laufsocken in mir, sodass manchmal die Luft knapp wird – immerhin hat er keine Schweißfüße. Ich bin richtig stolz auf mich, denn ich bin die tierleidfreie Variante eines adidas-Klassikers, da ich ohne tierische Materialien gebaut wurde. Sogar die Klebstoffe sind tierleidfrei. Ich bin bequem, leicht zu tragen und für viele Anlässe vielseitig einsetzbar. Meine Gummisohle ist rutschfest. Da ich schnell schmutzig werde und die Schuhspitzen schwer zu reinigen sind, hat mein Träger einen etwas größeren Reinigungsaufwand. Er hebt mich dann vorsichtig, wertschätzend und liebevoll in die Hand, nimmt einen feuchten Lappen und eine weiche Bürste und reinigt meine Canvas-Oberfläche. Ab und zu werde ich mit einem Imprägnierspray behandelt, damit das Regenwasser an der Oberfläche abperlt.
Als mein Träger mich am 20. Mai 2022 auspackte, in den Händen hielt und anzog, war er freudig erregt. Sechs Jahre musste er auf diesen Moment warten, seitdem er alles Tierische mied und adidas die ersten veganen Schuhe anbot. Bis zu ihm hatte ich bereits eine lange Reise hinter mir. Ich wurde in China gefertigt und bin mit dem Schiff von Asien nach Europa geschippert. Dann ging es mit dem LKW ins adidas-Zentrallager. Von dort aus ging es mit mehreren Lkws oder Lieferwagen bis zur Packstation meines Trägers, wo er mich schnell befreite. Leider löste sich bereits nach knapp einem Jahr meine Sohle vom Obermaterial. Eine Reparatur war aussichtslos, sodass ich am 24. Mai 2023 ein zweites Mal die Reise zu meinem Träger antrat. Meine zweite Version war besser, und nun laufe ich bereits seit dem dritten bzw. vierten Jahr mit meinem Träger durch die Welt. Na ja, durch Deutschland.
In diesen knapp vier Jahren waren wir in Kaiserslautern, Flonheim, Trier, Münster, Ilmenau, Kronberg im Taunus, Koblenz, Butjadingen, Bremen, Bad Sobernheim, Geisenheim, Bodenwerder, Hehlen, Köln, Krummhörn, Homberg (Ohm), Stuttgart, Frankenthal, Frasdorf, Rosenheim, Seeon-Seebruck, Frankfurt am Main, Bad Zwischenahn, Sinsheim, Weilrod, Limburg an der Lahn, Eisenberg (Pfalz), Düsseldorf, Xanten, Alpen, Bad Honnef, Lahr/Schwarzwald, Offenburg, Fulda, Datteln, Hardert, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bad Ems, Soest, Dausenau, Puderbach, Geseke, Neustadt (Wied), Werl, Lütetsburg, Oldenburg, Siegburg, Dornum und Roßbach, Worms, Mainz, Sindelfingen, Frasdorf, Wendelstein, Erlangen, Westerstede, Dorsten, Alsbach-Hähnlein, Dannstadt-Schauernheim, Rauenberg, Bendorf, Boppard, Kobern-Gondorf, Montabaur, Mülheim-Kärlich, Bottrop, Mayen, Bremerhaven, Leer (Ostfriesland), Cuxhaven, Emden, Jade, Norden, Lahnstein, Waldbreitbach, Bell, Mendig, Pfalzfeld, Erpel, Sankt Augustin, Bad Breisig, Weißenthurm, Vallendar, Glees, Unkel, Oberhonnefeld-Gierend, Andernach, Bornheim, Bonn, Remagen, Rheinbrohl, Linz am Rhein, Leutesdorf, Erfurt, Jena und Weimar.
Mein Träger leidet unter antizipatorischer Sehnsucht. Er weiß, dass die schöne Zeit mit mir schon bald zu Ende sein kann. Es gleicht schon einem Wunder, dass ich die vielen Schritte der letzten drei Jahre unbeschadet überstanden habe. Mein Träger weiß es bereits: Ich bin das letzte Exemplar meiner Gattung. Aus unerfindlichen Gründen hat adidas meine Produktion eingestellt und bietet Männern keine veganen Sneakers mehr an. Für Frauen gibt es die Stella-McCartney-Linie, bei der jeder Schuh mindestens doppelt so teuer ist wie ich. Ich habe beobachtet, wie mein Träger die Seiten der Konkurrenz aufrief und dort nach veganen Sneaker suchte, die so hübsch sein sollten wie ich. Traurig schloss er den Deckel seines Notebooks. Es gibt nichts Vergleichbares.
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