Die Antworten auf die „Daily Prompts” führen zwangsläufig dazu, dass ich über die Vergangenheit und die Zukunft nachdenke. Darüber hinaus grübele ich nicht, schlage mich nicht mit quälenden Gedanken herum.
Ich habe meine Lehren aus der Vergangenheit gezogen und ziehe sie auch aus dem jüngst Vergangenen. Großartige zukünftige Ziele strebe ich nicht an.
Wie bereits geschrieben, lasse ich mich gerne treiben und überraschen. Ebenfalls habe ich bereits einmal geschrieben, dass ich hoffe, dass „die Leute” über mich sagen: „Er liebt.” Er lebt. Er ist …
Denk ich an Deutschland in der Nacht dann bin ich um meinen Schlaf gebracht
… treu, zuverlässig, freundlich, umgänglich, verträglich, genügsam, mitfühlend, vorausschauend, selbstlos, hilfsbereit, neugierig, aufgeschlossen, agil, anpassungswillig und veränderungsbereit.“ … Kurz: Er ist lebendig.
Das erreiche ich nicht, wenn ich mich mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftige. Die Grundsteine dafür möchte ich täglich in der Gegenwart legen.
„Ich erwarte getrost, was kommen mag.” Ich vertraue darauf, dass sich alles fügt. Nicht, dass es so wird, wie ich es mir wünsche, sondern dass rückblickend alles Sinn gehabt hat.
Angst vor dem Tod habe ich nicht. Lampenfieber vielleicht.
Täglicher Schreibanreiz
Denkst du öfter über die Zukunft oder die Vergangenheit nach? Warum?
Do you spend more time thinking about the future or the past? Why? | Verbringst du mehr Zeit damit, über die Zukunft oder über die Vergangenheit nachzudenken? Warum?
Ein Geschenk ist die Übertragung des Eigentums an einer Sache ohne Erwartung einer Gegenleistung – gerne auch liebevoll verpackt.
Was sich so sachlich und einfach liest, ist oft eine komplizierte Angelegenheit, die den oder die Beschenkte(n) in größtes Entzücken oder Entsetzen versetzen kann. Meistens liegt es irgendwo dazwischen.
Am 21.12.2025 wurde der Philosoph Wilhelm Schmid von Adalbert Siniawski in der Radiosendung „Information und Musik” des Deutschlandfunks zur Kunst des Schenkens befragt. Die Sendung trug den Titel „Das Ziel ist der Andere” und dauerte 10 Minuten und 44 Sekunden [1]. Daraufhin kaufte ich mir sein am 13.09.2017 erschienenes Buch „Vom Schenken und Beschenktwerden”. Ein Buch mit vielen Anregungen. In sechs Kapiteln unterteilt Wilhelm Schmid seine Gedanken zum Thema.
Von der Kunst des Schenkens: Geben- und Nehmenkönnen
Liebe schenken: Hingabe und Hinnahme
Zeit und Aufmerksamkeit schenken: Blaue und andere Stunden
Freundschaft und Gastfreundschaft schenken
Geschenke für sich selbst: „Was mir guttut”
Sich Muße schenken: Langeweile und lange Weile
Spontan hätte ich die heutige Frage mit „Das größte Geschenk, das mir jemand machen könnte, ist, mir nichts zu schenken.” beantwortet. Ich bin ein schlechter Geschenke-Annehmer. Das liegt an meiner Persönlichkeit. Am liebsten packe ich Geschenke allein und unbeobachtet aus. Dann unterdrücke ich meine Freudentränen nicht oder kann meiner Enttäuschung …
All of me, warum denn nicht, verstehst du nicht, ich will es dir geben
frei nach dem Song „Alles von mir“ von Georgette Dee & Terry Truck
… freien Lauf lassen. Für das unbeobachtete Auspacken haben nur die wenigsten Menschen Verständnis.
Materielle Geschenke gehören nicht zu dem größten Geschenk, das mir jemand machen könnte. Es sei denn:
Ein großes Geschenk ist für mich zum Beispiel, wenn mir jemand etwas von sich schenkt. Meine jüngste Tochter hat eine Zeit lang gemalt und mir zum Geburtstag und zu Weihnachten ein selbst gemaltes Bild geschenkt. Auf Leinwand. Früher habe ich gerne Mixtapes zusammengestellt, heute sind es Spotify-Playlists oder mit MP3-Musik befüllte USB-Sticks. Ich bitte die zu Beschenkende oder den zu Beschenkenden, mir zehn ihrer Lieblingssongs zu nennen, und erstelle daraus eine Playlist, angereichert mit dazu passenden Lieblingssongs aus meiner Musiksammlung. Auch ein für mich zusammengestelltes Fotobuch oder ein Kalender mit den Lieblingsfotos des Schenkenden wäre ein größtes Geschenk. Ein größtes Geschenk wäre, einen Liebesbrief zu erhalten.
Wilhelm Schmid beschreibt in seinem Buch im Kapitel „Liebe schenken: Hingabe und Hinnahme” unter anderem Geschenke, die, wie ich meine, ein größtes Geschenk sein können: Zeit und Aufmerksamkeit, für den anderen da zu sein, ohne das eigene Selbst aufzugeben. Bewunderung. Vertrauen. Privilegien. Wohlwollen. –
Meiner Meinung nach sind sich Liebende in der Liebe das größte Geschenk. Das Gemeinsame im Inneren und Äußeren muss gehegt und gepflegt werden – manchmal ist das Arbeit, manchmal ist es ein Vergnügen.
[1]:
Täglicher Schreibanreiz
Was ist das größte Geschenk, das dir jemand machen könnte?
Zu der Zeit, als ich in der vierten Klasse war, entschied meine Klassenlehrerin allein, ob ein Kind auf die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium versetzt wurde. Meine Noten waren nicht schlecht. Aber ich hatte die falschen Eltern. Ich wurde in einen Arbeiterhaushalt hineingeboren. Weil meine Eltern umständehalber kein Englisch sprechen konnten, meinte die Klassenlehrerin, dass ich als Kind einer Arbeiterfamilie ohne die Unterstützung meiner Eltern beim Erlernen der englischen Sprache auf der Realschule oder auf dem Gymnasium keine Chance hätte. Sie entschied: Hauptschule. Es war vermutlich nur ein vorgeschobener Grund.
In der fünften Klasse der Hauptschule gehörte ich zu den Klassenbesten. Am Ende des Schuljahres bestand ich die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium.
Am Ende des zehnten Schuljahres hatte ich einen durchschnittlichen Notenschnitt und die Mittlere Reife, mit der ich noch drei weitere Jahre bis zum Abitur hätte weitermachen können. Ich gehöre zu den sogenannten geburtenstarken Jahrgängen und das Gymnasium platzte mit all den Schülerinnen und Schülern aus allen Nähten. Die personelle Situation war angespannt und die Schulleitung hatte Probleme, die Oberstufe zu organisieren.
In einer konzertierten Aktion waren sich die Lehrerinnen und Lehrer sowie meine Eltern einig, dass ich besser eine betriebliche Ausbildung machen solle, anstatt das Abitur zu machen. Die Schule hatte Angst vor zu vielen Schülerinnen und Schülern und meine Eltern hatten Angst, mich noch weitere sechs Jahre durchzufüttern, wo sie doch jede Mark brauchten, um ihr neues Haus zu finanzieren. Sie schielten auf das Kostgeld aus meiner Ausbildungsvergütung.
Ich selbst …
ein Abschluss der zu gar nichts geführt hat ist im Grunde sehr wertlos
… war verstrickt in meiner Pubertät und meiner nicht ausgelebten Introversion (rückblickend betrachtet), sodass ich mich meinem Schicksal widerstandslos fügte. Der Ausbildungsberater des Arbeitsamtes war ratlos, welchen Beruf er mir empfehlen könne – trotz der vielen Testbögen, die ich ausfüllen musste. Meinen Eltern war klar: Der Junge gehört in eine Verwaltung.
Also bewarb ich mich bei allen Verwaltungen des öffentlichen Dienstes, derer ich fündig wurde. Ich hatte die Wahl zwischen drei Ausbildungsplätzen. Ich entschied mich für den vermeintlich unpolitischsten. Das üppige Kostgeld klingelte im Portemonnaie meiner Eltern. Nach drei Jahren bestand ich die Abschlussprüfung zum „Sozialversicherungsfachangestellten mit dem Schwerpunkt Krankenversicherung”. Meinem Arbeitgeber gefiel meine Arbeit und mein Einsatz, sodass er mich zur zweijährigen Fortbildung zuließ. Auch diese Prüfung bestand ich, und von nun an durfte ich Führungsverantwortung übernehmen.
Es begann eine Zeit, in der ich mit meinem Beruf, meiner Arbeit und meinem Arbeitgeber haderte. Ich beschloss, bald ein nebenberufliches Studium der Verwaltungsbetriebswirtschaft an einer Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie (VWA) zu beginnen. Mein Ziel war der Land- oder Bundestag.
Doch dann kam etwas anderes dazwischen, sodass ich dieses Studium erst fünf Jahre später aufnahm und nach sechs Semestern erfolgreich abschloss. In der Zwischenzeit hörte ich auf, mit meinem Beruf, meiner Arbeit und meinem Arbeitgeber zu hadern, und erwarb den Abschluss des Verwaltungsbetriebswirts (VWA) just for fun. Es waren schöne Jahre, die meiner Bildung gut taten. Rückblickend bereue ich meinen schulischen und beruflichen Weg nicht. Es hat sich alles gefügt, sodass ich in allem einen Sinn erkenne.
Gedankenspiel. Ich spiele täglich Gedankenspiele. Was wäre, wenn … Ich könnte sie auch Tagträume nennen. Ich gerate in einen Flow. Versinke. Bis mich ein erschrockener Autofahrer mit wildem Hupen warnt, dass ich gerade dabei bin, bei Rot die Straße zu queren. Beispielsweise. Ich könnte sie auch „Kopfkino” nennen. Dann muss ich mich selbst zur Besinnung rufen. Mich auf den nächsten Schritt im Hier und Jetzt besinnen.
Ich war, bin und bleibe ein Spielkind. Wenn ich etwas Neues habe, muss ich alles sofort ausprobieren. Auch die Sachen, von denen ich keine Ahnung habe. Unsere Abteilungssekretärin bekam lange vor dem ersten PC eine Speicher-Schreibmaschine. Sie konnte Textbausteine abspeichern. Sie hatte viele standardisierte Texte zu schreiben. Der Speicherstand war hoch. Bis sie mich um Hilfe bat. Danach war der Speicher leer. Alles auf Anfang. Sie bat mich nicht wieder um Hilfe. …
… Erst vorletzte Woche wollte ich ein Update für mein Smartphone per Sideload installieren (Verbindung PC <=> Smartphone). Am Ende habe ich mein Smartphone auf Werkseinstellungen zurückgesetzt.
Ansonsten spiele ich unregelmäßig verschiedene Kartenspiele oder Brettspiele wie Malefiz, Vier gewinnt, Mensch ärgere dich nicht, Mühle, Kniffel, Spiel des Lebens, Monopoly und Halma. Einmal im Monat bin ich Kindersitter und liege dann auf dem Boden und spiele mit einem Playmobil-Haus oder einer Playmobil-Eisenbahn. Oder denke mir mit den Utensilien, die auf dem Tisch stehen Rollenspiele aus. Im Sommer spiele ich gerne Minigolf. Bowling spiele ich auch.
Auch der Dailyprompt ist oft Spielzeit. So erfinde ich beispielsweise eine Sportart, gründe ein Sportteam und gebe ihm Farbe und ein Maskottchen (s. 29.12.). Doch das gehört eher zu den Gedankenspielen.
Spielzeit ist die Zeit, in der ich den Alltag vergesse und in andere Welten eintauche. Idealerweise gerate ich dabei in einen Flow und tauche entspannt und glücklich wieder auf.
Täglicher Schreibanreiz
Spielst du in deinem täglichen Leben? Was bedeutet „Spielzeit“ für dich?
Eine Herausforderung kann eine sehr anspruchsvolle Aufgabe oder Arbeit sein oder die Aufforderung eines Gegners zu einem (sportlichen) Zweikampf.
Ursprünglich stand hier ein Text, der sich mit der Kriegstüchtigkeit befasste.
Ursprünglich stand hier ein Text, der sich mit den Prioritäten von Tierschützer:innen, Veganer:innen und Klimaschützer:innen angesichts der Kriegsvorbereitungen befasste.
ruhig gelassen meine Herausforderung in diesen Zeiten
Ursprünglich stand hier ein Text, der sich mit toxischer Männlichkeit und ihrem vertrauenzerstörendem Verhalten gegenüber Frauen befasste.
Ich hatte den Text vor ein paar Tagen vorbereitet und ihn am 31.12. noch einmal gelesen. Nein, ich möchte das neue Jahr nicht wütend beginnen.
Wie sang Michel van Dyke in seinem großartigen Chanson „lieber traurig“ (aus einem anderen Grund):
Ich möchte lieber traurig sein. Ich will nicht mehr wütend sein.
Die Wut bekommt mir nicht, sie zerfurcht mir das Gesicht.
So wie meine Gedanken möchte ich nicht aussehen. Ich könnt‘ mich dann selber nicht aussteh’n.
Ich will eigentlich nur traurig sein. Die Wut macht einen doch sehr allein.
Dieser kleine Parasit macht sehr unbeliebt.
Eine weitere große größte Herausforderung ist es, meinen Weg zu einem introvertierten Leben, den ich vor sechs Jahren begonnen habe, als mir meine Introversion bewusst wurde, langsam und konsequent weiterzugehen.
Krieg und Frieden | Война и миръ | Woina i mir | Vojna i mir | War and Peace | Guerre et Paix
Nostalgie bezeichnet die sehnsuchtsvolle und andächtige Rückwendung zur Vergangenheit. „Die Sehnsucht nach gestern“, wie Psychologie Heute am 11. November titelte. Der Artikel beginnt mit den Worten: »Nostalgie ist 337 Jahre alt. Der Elsässer Johannes Hofer führte sie ein. 1688 schuf der Arzt diesen Begriff im Rahmen seiner Dissertation. Damit beschrieb er das Leiden von Soldaten, die sich auf Schlachtfeldern fernab der Heimat nach einfacheren Zeiten sehnten.
Seitdem hat sich die Bedeutung von Nostalgie gewandelt. Während Hofer sie als eine Form von Heimweh begriff, galt sie im 19. Jahrhundert sogar als tödliche Erkrankung und entwickelte sich in der Folge weiter. Heute empfinden viele Menschen sie als positives, wohltuendes Gefühl, wenn sie an schöne Momente aus ihrer Vergangenheit denken. […]«
Ich wende mich nicht sehnsuchtsvoll andächtig der Vergangenheit zu. Sehnsuchtsvoll? Ja. Andächtig? Nein, es sind Flashbacks an schöne Momente. An schöne Begegnungen. Auch schmerzhafte. Konfuzius Ludwig Jacobowski soll …
Erinnerung an zukünftiges Vergehen macht mich wehmütig
… gesagt haben, dass es besser ist, nicht um die vorübergezogenen, leuchtenden Tage zu weinen, sondern zu lächeln, dass sie gewesen sind. Das rufe ich mir in solchen Momenten in Erinnerung. Und ich lächle.
Ich gehöre zu den Menschen, die unter antizipatorischer Sehnsucht leiden. Die vorauseilende Nostalgie. Im Augenblick einer schönen Erfahrung oder Begegnung verwandle ich das aufkommende Glücksgefühl in Trauer, denn ich weiß, dass das Schöne bald zu Ende sein wird. Bittersweet. Eine vorauseilende Wehmut, die den Verlust bereits vorwegnimmt.
Ich arbeite daran, im Hier und Jetzt zu bleiben und den Augenblick zu genießen. Niemand weiß, was morgen ist. Unsere Regierungen und Parlamente arbeiten jedoch daran, dass es nur noch wenige Morgen gibt. Deshalb ist es wichtig, jeden Augenblick bewusst wahrzunehmen, Schmerzliches schnell zu überwinden und sich im Schönen zu suhlen.
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