Der Song „Smile” aus dem Film „Modern Times”, komponiert von Charlie Chaplin und hier von Jay-Jay Johanson auf seinem am 23.12.2021 erschienenen Album „Silver Screen” interpretiert, ist ein zeitloser Appell an den Optimismus und die innere Stärke angesichts von Widrigkeiten. Die zentrale Aussage des Liedes ist, dass man auch in Momenten tiefster Trauer, Angst oder Enttäuschung die Fassung bewahren sollte. Das Lächeln fungiert dabei als Werkzeug der Selbstbehauptung: Indem man die „Spuren der Traurigkeit“ verbirgt, signalisiert man sich selbst und der Welt, dass man nicht aufgibt.
Der Text verspricht, dass der Schmerz vergänglich ist. Wenn man durchhält („Keep on trying“), wird „morgen“ die Sonne wieder scheinen. Die Zeile „What’s the use of crying“ (Was bringt es zu weinen) betont einen pragmatischen Umgang mit Leid. Weinen ändert die Situation nicht, aber ein Lächeln verändert die eigene Perspektive. Das Ende des Songs erinnert daran, dass das Leben trotz aller Rückschläge lebenswert ist, solange man die Fähigkeit bewahrt, Lichtblicke zuzulassen.
Der Song ermutigt dazu, trotz emotionalem Schmerz ein positives Gesicht zu zeigen, da dies der erste Schritt zur Überwindung einer Krise ist.
Der am 10.12.2021 als Single veröffentlichte Song „Nie wieder Krieg” von Tocotronic ist ein eindringlicher Appell für den Frieden und die Beendigung von Konflikten, sowohl im Großen („Krieg”) als auch im Kleinen („Verletzung”, „Verhetzung”).
Die Hauptbotschaft ist die wiederholte Forderung „Nie wieder Krieg“ und die einfache Feststellung, dass dies doch „nicht so schwer“ sein sollte. Der Wunsch nach Frieden wird direkt mit dem Wunsch nach „keine Verletzung mehr“ und später nach „keine Verhetzung mehr“ verbunden. Es geht um die Abwesenheit von physischer und emotionaler Gewalt sowie Aufwiegelung.
Der Songtext beschreibt alltägliche, melancholische Szenen, in denen diese Friedensbotschaft in verschiedenen Kontexten auftaucht. Ein Mann im Bad: Er sieht sein Spiegelbild und schreit das Mantra „Nie wieder Krieg“ in den Spiegel, da er sich „abgeschabt“ fühlt. Dies deutet auf einen inneren Kampf oder eine persönliche Krise hin, die mit dem Wunsch nach Frieden verbunden wird.
Die Frau am Neujahrstag: Eine Frau blickt an einem Neujahrstag vom Balkon herab. Es ist ein Tag, an dem das Alte stirbt, aber das Neue noch nicht geboren ist. Sie haucht die Botschaft auf die Scheibe. Dies symbolisiert einen Hoffnungsschimmer und den Wunsch nach einem neuen, friedlichen Anfang inmitten von Zynismus.
Das Kind beim Spiel: Ein Kind springt über eine Hecke und schreibt die Botschaft an die Wände. Dies steht für naive, reine, ungefilterte Hoffnung und die Zukunft.
Der Song verwendet die universelle Forderung „Nie wieder Krieg“ als Rahmen, um individuelle, gesellschaftliche und innere Konflikte zu beleuchten. Er endet mit einer deutlichen Ausweitung des Appells: „Nie wieder Krieg in dir / in uns, in mir“. Damit wird der Frieden als persönliche, psychologische Notwendigkeit dargestellt, die im Inneren jedes Einzelnen beginnen muss, um in der Welt wirksam zu werden.
Der am 12. November 2021 veröffentlichte Songtext „Keine Zeit” von Dota Kehr ist ein dringender Aufruf zum Handeln angesichts der Klimakrise und Umweltzerstörung.
Der Text beginnt mit der Erkenntnis, dass wir uns an einem kritischen Punkt befinden: Wir sind konfrontiert mit der „Wüste” (Umweltkrise) und umgeben von „Wohlstand”. Es wird scharf kritisiert, dass Jahre der Untätigkeit, des Zögerns und der Ignoranz der bekannten Fakten vergangen sind. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren.
Der Text wendet sich explizit gegen „Leugner und Fatalisten”, die Bequemen und diejenigen, die so tun, als wüssten sie nichts. Besonders kritisiert wird das Verlachen streikender Schüler:innen, wobei betont wird, dass einzig das Weitermachen wie bisher unvernünftig ist.
Der Text drückt Kummer und Wut über sterbende Arten, Meere voller Müll und die Angst vor der „kommenden Flut” aus. Es wird das triviale Problem eines begrenzten Planeten und unendlichen Wachstums angesprochen. Die Wahl wird auf „Jetzt Verzicht oder später Vernichtung” zugespitzt.
Die Gesellschaft (oder das Wirtschaftssystem) wird als gierige, ungelenkte und effektive „Maschine” beschrieben, die „alles verwertet und alles vernichtet”. Die Maschine läuft weiter, weil kaum jemand gerne verzichtet. Die Hoffnungslosigkeit derer, die sich ergeben („Wir haben keine Wahl”, sagen die Mäuse), wird abgelehnt. Es wird festgestellt, dass Geld alles zerstören kann, obwohl der Planet theoretisch alle ernähren könnte.
Der Text erinnert diejenigen, die sich nur für Profit interessieren, daran, dass die Proteste der Jugend letztlich jeden angehen – auch die Faulen und Ignoranten. Der Einzelne fühlt sich erleichtert, nicht allein zu sein. Der Song schließt mit einem leidenschaftlichen Aufruf zur Selbstverantwortung und zum Start der notwendigen Veränderungen: „Wer, wenn nicht wir? Und wenn nicht jetzt, wann dann?” Jetzt besteht noch die Möglichkeit zur Schadensbegrenzung.
Zusammenfassend ist es ein Song über Klimagerechtigkeit, Wut über das Versagen der Vergangenheit und eine mobilisierende Erklärung, dass die Zeit der Untätigkeit vorbei ist und jetzt gehandelt werden muss.
–22.10.2021– | track: –A Hunger In Your Haunt– | artist: –Biffy Clyro– | album: -The myth of the happily ever after-
Der Songtext „A Hunger In Your Haunt” der Band Biffy Clyro drückt eine tiefe, zynische Frustration und Hoffnungslosigkeit aus.
Er beschreibt einen Zustand des totalen emotionalen und rationalen Ruins. Die übliche Unterscheidung zwischen Optimismus und Pessimismus („das halb volle“ oder „das halb leere“ Glas) wird abgelehnt, indem stattdessen ein zerbrochener, chaotischer Zustand („half fucked upon the floor“) konstatiert wird.
Der Interpret hat das Gefühl, dass Vernunft, Zweck, Weisheit und Beredsamkeit verschwunden sind. Alles, was er geliebt hat, ist zerbrochen und nutzlos geworden („gone to seed”). Die wiederkehrende Zeile „We bring nothing in, we’ll take nothing with us when we leave” betont eine nihilistische Sicht auf das Leben – das menschliche Dasein ist im Grunde bedeutungslos, da nichts von Dauer ist.
Der Abschnitt über „A hunger in your haunt” (ein Hunger in deinem Spuk/deiner Plage) und die Frage „Are you taking pleasure in this storm?” scheinen eine aggressiv-rüttelnde Herausforderung an eine andere Person (oder an sich selbst) darzustellen. Es geht darum, ob man trotz des Schmerzes („slap across your jaw”) noch Kampfgeist oder Leidenschaft („hunger”) in sich finden kann. Die Zeile „My mind is crying out for stimulation” und die Frage „Where’s the fucking dawn?” zeigen eine verzweifelte Sehnsucht nach einem Ende der Dunkelheit oder nach einem neuen Impuls inmitten der Verzweiflung.
Insgesamt ist es eine düstere Reflexion über Zusammenbruch und existenzielle Sinnlosigkeit, die dennoch eine raue, schmerzhafte Energie in der Aufforderung birgt, den Sturm zu überleben.
–24.09.2021– | track: –Schweigende Schwestern– | artist: –Sarah Lesch, Karl die Große– | album: -Schweigende Schwestern-
Meine Geschichte beginnt in einer Kleinstadt. Alles, was davor war, habe ich vergessen. Die Jungs waren alle älter und ich saß auf dem Rücksitz. Die anderen Mädchen mochten mich nicht und große Schwestern gab es auch nicht. Denn auch sie hatten Angst, trauten sich nicht, waren immer am Lachen und Lästern.
Mama sagte immer: „Sei nicht traurig“ und „Dein Lidstrich muss akkurat sitzen! Du riechst wie ’ne Bordsteinschwalbe. Geh nicht bauchfrei, du musst dich schützen.“ Sie hatte gelernt, dass sie es schaffen muss, immer besser und immer allein. Und die Schuld dafür, was aus mir wird, wird natürlich auch ihre sein.
Mein Stiefvater fuhr LKW, seine Wurstfinger waren immer schmutzig. Er tauschte Pornos mit meinem Freund. Ich war wütend, sie fanden das putzig. „Sei nicht so empfindlich, Mädel“, sagte er höhnisch und lachte. Sein Schweigen war stets so gewaltvoll, dass es mir Bauchschmerzen bereitete.
Obwohl ich noch viel zu jung war, gab der Barkeeper mir einen aus. Wir knutschten kaum, ich sollte gleich auf die Knie. Sein Schweigen war auch so laut. Als ich mir meinen Teenagerhintern auf seiner Motorhaube verbrannte, dachte ich, dass ich selber schuld bin, weil ich ja bauchfrei herumlief.
Er schwängerte mich hinterm Sportplatz, wegen der Schule hab‘ ich abgetrieben. Die blauen Flecken waren leicht zu verdecken, was genau geschah, habe ich verschwiegen. Noch lange spürte ich seine Blicke durch jedes Schlüsselloch. Ich weiß noch, dass sein Bart nach Bier und Tabak roch.
Von da an war mein Körper gefährlich. Mein Körper, meine Lust, mein Licht.
Von da an war ich gefangen, von da an versteckte ich mich.
Das ist vielen von uns passiert, das habe ich später erst erfahren. Dass ich nicht allein bin, weil wir schweigende Schwestern waren.
Bis hierhin reicht diese Geschichte, und eine andere beginnt.
Und ich weiß, dass ich nicht allein bin, weil wir schweigende Schwestern sind.
Und ich frage mich: Wann hört das auf? Warum nennt niemand die Namen der Täter? Warum fühle ich mich immer noch schuldig, so viele Jahre später?
Niemand muss damit allein sein, vielen ist so etwas passiert. Und das wird so lange weitergehen, bis es niemand mehr still akzeptiert.
Sie sollen wissen: Es ist nicht zu viel verlangt, aus Vorsicht einmal mehr zu fragen. Denn sie wissen längst, dass es kein Konsens ist, wenn wir aus Angst nicht „Nein“ sagen.
Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört, bis durchs Schlüsselloch der Kirchentür! Ganz egal, wie kurz dein Rock war, du kannst gar nichts dafür! Zwischen uns passt kein Blatt Papier, denn dieses Blatt wendet sich jetzt. Wenn wir uns gegenseitig glauben, damit das hier für immer endet.
Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört, bis durchs Schlüsselloch der Küchentür. Ganz egal, was du nicht getan hast, du kannst gar nichts dafür! Zwischen uns passt kein Blatt Papier, weil sich dieses Blatt jetzt wendet. Und jetzt komm unter meinen Flügel, damit das hier für immer endet!
Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört! Zeigt eure großen Narben, zeigt sie ruhig her! Sprecht ihre Namen, bis alle sie hören. So große Narben, und keine Angst mehr.
… es singt von Hoffnung, vom Wunsch zu glauben, dass man alles neu erfinden kann …
–10.09.2021– | track: –Derrière le brouillard– | artist: –Grand Corps Malade, Louane– | album: -Mesdames-
Der Song von Louane und Grand Corps Malade handelt von der Musik als Mittel zur Bewältigung von Krisen und Schicksalsschlägen.
Louane beschreibt, wie sie in dunklen, nebligen Zeiten ein Klavier hört, das ihr Hoffnung schenkt und ihr den Mut gibt, alles neu zu erfinden. Indem sie ihre eigene Stimme hinzufügt, findet sie die Kraft, Stürme zu überstehen.
Grand Corps Malade betont, dass es kein Patentrezept für die Bewältigung von Tragödien gibt. Das Singen wird dabei nicht als bewusste Entscheidung dargestellt, sondern als Ur-Instinkt und Überlebensmechanismus, der sich in schwierigen Momenten automatisch einstellt. Er beschreibt das Singen als eine Form der Resilienz, Befreiung und des Widerstands.
Im letzten Teil des Songs stellen die beiden Künstler fest, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Lebensgeschichten die Erfahrung teilen, durch die Musik wieder Halt zu finden. Sie singen, um das, was ihnen genommen wurde, zu verarbeiten und nach vorne zu blicken.
Zusammenfassend geht es in dem Song also darum, dass Musik eine unerschöpfliche Quelle von Kraft, Trost und Hoffnung ist, die Menschen dabei hilft, schwierige Lebensphasen zu meistern und sich selbst auszudrücken.