Es kann keine gerechte Gesellschaft ohne Sozialstaat geben!

Welche Gerechtigkeit braucht der Sozialstaat? Stefan Gosepath, Philosoph | Der Artikel diskutiert die mit dem deutschen Sozialstaat verbundenen Herausforderungen und Gerechtigkeitsfragen, insbesondere im Hinblick auf die wachsende Ungleichheit und die Notwendigkeit einer gerechten Umverteilung von Vermögen, um die Schwächeren in der Gesellschaft zu unterstützen.
31.08.2025, https://www.deutschlandfunk.de/welche-gerechtigkeit-braucht-der-sozialstaat-stefan-gosepath-philosoph-100.html
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Objektive Fakten:

  1. Die Idee des Sozialstaates in Deutschland ist etwa 150 Jahre alt.

  2. Der Sozialstaat soll Bürgerinnen und Bürger im Falle von Krankheit und Arbeitslosigkeit sowie für Kinder, Bildung und Gesundheitsvorsorge absichern und im Alter für ein ausreichendes Einkommen sorgen.

  3. Im Jahr 2024 betrugen die Sozialausgaben in Deutschland mehr als 1,3 Billionen Euro.

  4. Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland geht immer weiter auseinander, was zu der Wahrnehmung führt, dass die Gesellschaft ungerechter wird.

  5. Stefan Gosepath lehrt praktische Philosophie an der Freien Universität Berlin.

  6. Gosepath argumentiert, dass es eine Frage der Gerechtigkeit ist, den Sozialstaat zu begründen und Sozialleistungen zu rechtfertigen.

  7. Er betont, dass stärkere Schultern mehr zum Gemeinwohl beitragen sollten, während schwächere Schultern Unterstützung benötigen.

  8. Die Ungleichheit, insbesondere die Vermögensungleichheit, hat in Deutschland zugenommen. Gosepath schlägt deshalb vor, ererbte Vermögen stärker zu besteuern.

  9. In Deutschland wird Chancengleichheit als wichtig erachtet, jedoch wird festgestellt, dass sie nicht ausreichend gegeben ist, insbesondere im Bildungssystem.

Meinungen des Autors:

  1. Gosepath ist der Ansicht, dass es ohne einen Sozialstaat keine gerechte Gesellschaft geben kann, da die Schwächeren Unterstützung benötigen.

  2. Er kritisiert Almosen und Mitleid als ineffiziente Methoden zur Unterstützung Bedürftiger und plädiert für eine staatlich organisierte Hilfe.

  3. Gosepath sieht die Notwendigkeit, über den Verdienstgedanken zu diskutieren, da viele Menschen glauben, dass sie ihr Einkommen und Vermögen verdient haben, was jedoch oft nicht der Fall ist, besonders bei Erbschaften.

  4. Er hält die progressive Besteuerung für notwendig und gerechtfertigt, um soziale Ungleichheit auszugleichen.

  5. Gosepath äußert Zweifel daran, dass der zunehmende Reichtum der Gesellschaft tatsächlich den am schlechtesten Gestellten zugutekommt.

  6. Er kritisiert das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland als ungerecht und nicht chancengleich, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund.

  7. Gosepath betrachtet Chancengleichheit als Minimalmodell und Umverteilung als stärkeres Modell für Gerechtigkeit.

Herrschaftsinstrumente.

In dem Artikel „Soziale Spaltung als Regierungstechnik – Disziplin für die da unten, Spielräume für die da oben” analysiert Detlef Koch die soziale Ungleichheit in Deutschland, die durch politische Entscheidungen und ideologische Rahmenbedingungen verstärkt wird.

»Deutschland betreibt eine Umverteilung von unten nach oben – gesetzlich verankert und ideologisch abgesichert. Unter Kanzler Merz, der von „Leistung“ schwadroniert, zahlen die größten Profiteure kaum Steuern, während für Panzer munter neue Kredite aufgenommen werden. Das ist kein Widerspruch, sondern Absicht: Der Arbeitsmarkt ist zum Instrument sozialer Kontrolle verkommen. Von Detlef Koch.«

»Methode 1: Reiche schonen, Arme belasten – die Schuldenbremse gehorcht dem Diktat der Macht
Methode 2: Chancengleichheit proklamieren, Selektion zementieren
Methode 3: Wohnraumverteilung und städtische Segregation
Methode 4: Sicherheitspolitik: Kontrolle von Räumen und Gruppen
Methode 5: Symbolische Macht: Sprache, Bilder und Deutungshoheit
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Im Folgenden sind die wesentlichen Punkte zusammengefasst:

Umverteilung von unten nach oben: Der Artikel argumentiert, dass in Deutschland ein systematisches Umverteilungssystem existiert, das die Reichen begünstigt und die ärmeren Schichten belastet. Dies geschieht durch eine ungerechte Steuerpolitik, bei der über 80 Prozent der Steuereinnahmen aus Löhnen und Konsum stammen, während Vermögenssteuern nur einen marginalen Beitrag leisten.

Schuldenbremse und Prioritäten: Die Schuldenbremse wird als politisches Instrument kritisiert, das nur bei sozialen Ausgaben strikt eingehalten wird, während für militärische Ausgaben wie die Bundeswehr Ausnahmen gemacht werden. Dies zeigt eine doppelte Buchführung der Regierung.

Prekarität und Arbeitsmarktregime: Die Hartz-Reformen haben ein Arbeitsmarktregime geschaffen, das Erwerbslose unter Druck setzt, jede Arbeit anzunehmen. Dies führt zu einem Anstieg unsicherer Arbeitsverhältnisse. Die Politik führt eine aggressive Rhetorik gegen Arbeitslose, während die strukturellen Ursachen von Armut ignoriert werden.

Bildungsungleichheit: Das deutsche Schulsystem zementiert soziale Ungleichheit, da der Bildungserfolg stark von der Herkunft abhängt. Kinder aus armen Familien haben deutlich geringere Chancen auf einen Bildungsabschluss als Kinder aus wohlhabenden Familien.

Wohnraumverteilung und Segregation: Der Rückzug des Staates aus dem sozialen Wohnungsbau hat zu einer Verknappung von bezahlbarem Wohnraum geführt und die soziale Segregation verstärkt. Wohlhabende leben in privilegierten Stadtteilen, während einkommensschwache Haushalte an die Stadtränder gedrängt werden.

Sicherheitspolitik und Kontrolle: Die Sicherheitspolitik wird als Mittel zur gesellschaftlichen Spaltung eingesetzt, indem bestimmte Stadtteile als gefährlich eingestuft werden, in denen dann verstärkte Kontrollen stattfinden. Dies führt zu einem Verlust des Vertrauens in staatliche Institutionen und verstärkt das Gefühl der Ausgrenzung.

Symbolische Macht: Der Artikel betont, dass Sprache und Medien die bestehende soziale Ungleichheit legitimieren. Begriffe wie „Leistungsträger” und „Eigenverantwortung” fördern ein Bild, in dem Reiche als verdiente Gewinner und Arme als selbstverschuldet in ihrer Lage dargestellt werden.

Fazit: Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die soziale Spaltung in Deutschland durch politische Entscheidungen und gesellschaftliche Narrative verstärkt wird. Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, ist ein radikaler Kurswechsel in der Politik notwendig, der die strukturellen Ursachen von Armut und Ungleichheit adressiert. Die Debatte über soziale Gerechtigkeit muss neu gestaltet werden, um echte Veränderungen zu ermöglichen.

23.08.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=137746
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