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Bin ich ein Menschenkenner? Kann ich hinter die Fassaden von Menschen blicken und Verhaltens-, Kommunikations- und Persönlichkeitsmuster präzise deuten?

Spontan würde ich sagen: Ich bin ein Menschenkenner, aber kein guter.

Ich versuche, mir eine abschließende Antwort zu geben.

Als introvertierter Mensch kann ich gut beobachten. Ich erkenne echte Emotionen an flüchtigen Regungen im Gesicht. Auch Haltung, Gestik und den Abstand, den eine Person zu mir einnimmt, deute ich richtig. Wenn Worte und Körpersprache nicht übereinstimmen, merke ich das schnell.

In einem anderen Blogbeitrag erwähnte ich bereits, dass ich nicht zwischen den Zeilen hören oder lesen kann. Ich höre also nicht, was nicht ausgesprochen wird. Das ist ein deutlicher Mangel, um ein guter Menschenkenner zu sein.
Es gelingt mir jedoch gut, die Welt kurzzeitig durch die Augen des anderen zu sehen, und ich verstehe die Motivation und die Ängste, die ihn antreiben.

Ich versuche, jedem Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, kann mich aber nicht davon freisprechen, meine eigenen Wünsche oder Ängste auf mein Gegenüber zu projizieren.
Zwar bilde ich mir in den ersten Sekunden ein Urteil, bin …

Verhaltensmuster
Menschenkenner Fassaden
Grundbedürfnisse

… aber jederzeit bereit, meinen ersten Eindruck zu korrigieren. Ich nehme Informationen auf, um meinen ersten Eindruck zu überprüfen. Als verletzlicher Mensch mag ich Menschen, die ihren weichen Kern hinter einer rauen Schale schützen, und ich erkenne sie.

Ich weiß um die Grundbedürfnisse der Menschen, beispielsweise nach Anerkennung, Autonomie oder Sicherheit, und dass Menschen sich in verschiedenen Situationen unterschiedlich verhalten. Dies ist für mich oft die überraschendste Beobachtung.

Ich erkenne schnell meine eigenen Schwächen, Trigger und Verhaltensweisen bei anderen.

Ein weiterer deutlicher Mangel für eine gute Menschenkenntnis ist meine Unfähigkeit, mir meiner eigenen Wirkung auf andere bewusst zu sein, und dass ich nicht weiß, wie ich die Reaktion meines Gegenübers „beeinflussen” kann. Wenn, dann geschieht dies unbewusst.

Zudem schrieb ich bereits darüber, dass es mir nicht möglich ist, (professionelle) Freundlichkeit von Zuneigung zu unterscheiden.

Außerdem fällt es mir als neutraler Beobachter einer Szene leichter, menschliche Wesenseigenschaften zu erkennen, als wenn ich selbst in die Szene eingebunden bin. Bin ich selbst eingebunden, erkenne ich Menschen oft erst mit einem Abstand von einem oder mehreren Tagen: Ich habe so etwas wie Flashbacks und erkenne plötzlich, was wesentlich war.

Abschließend kann ich die heutige Frage damit beantworten, dass ich ein passabler, aber beileibe kein guter Menschenkenner bin.

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