Bis ihre Geschichten erzählt sind.

Gräueltaten lassen sich jedoch nicht begraben. Ebenso stark wie der Wunsch, sie zu leugnen, ist die Überzeugung, dass dies nichts bringt. Die Volksweisheit sagt: Es gibt Geister, die sich weigern, in ihren Gräbern zu ruhen, bis ihre Geschichten erzählt sind.

Judith Lewis Herman, Trauma and Recovery: The Aftermath of Violence – From Domestic Abuse to Political Terror, veröffentlicht 1992 bei Basic Books (New York)

Der Satz bzw. das Zitat stammt wortwörtlich aus dem Einleitungskapitel („Introduction“) des Buches:

Judith Lewis Herman, Trauma and Recovery: The Aftermath of Violence – From Domestic Abuse to Political Terror, veröffentlicht 1992 bei Basic Books (New York):

„Atrocities, however, refuse to be buried. Equally as powerful as the desire to deny atrocities is the conviction that denial does not work. Folk wisdom is filled with ghosts who refuse to rest in their graves until their stories are told.“
(Einleitung)

Darüber hinaus formuliert Herman zu Beginn ihrer Einleitung noch klarer:

„The ordinary response to atrocities is to banish them from consciousness… Certain violations of the social compact are too terrible to utter aloud: this is the meaning of the word unspeakable.“

Und:

„The conflict between the will to deny horrible events and the will to proclaim them aloud is the central dialectic of psychological trauma.“

Zusammenfassung

Autorin: Judith Lewis Herman

Werk: Trauma and Recovery: The Aftermath of Violence – From Domestic Abuse to Political Terror

Erscheinungsjahr: 1992 (Einleitung)

Wortlaut (englisch):

„Atrocities, however, refuse to be buried. Equally as powerful as the desire to deny atrocities is the conviction that denial does not work. Folk wisdom is filled with ghosts who refuse to rest in their graves until their stories are told.“

„The conflict between the will to deny horrible events and the will to proclaim them aloud is the central dialectic of psychological trauma.“

Abgehängt.

»In einem der wohlhabendsten Länder Europas ist Kinderarmut nach wie vor ein unterschätztes soziales Problem. Fast jedes fünfte Kind gilt hierzulande als armutsgefährdet – in Bremen sogar rund 41 Prozent – und Schätzungen zufolge haben über 130.000 Minderjährige keinen festen Wohnraum. Doch oft werden bei Kinderarmut nur finanzielle Aspekte diskutiert. Tatsächlich hat Armut in jungen Jahren tiefgreifende soziale Folgen: Sie bedeutet für betroffene Kinder eine massive Einschränkung ihrer Teilhabechancen und ein erhöhtes Risiko, im Alltag ausgegrenzt zu werden. Von Detlef Koch.«

Zusammenfassung in Stichpunkten:

  • Kinderarmut in Deutschland ist ein unterschätztes soziales Problem, mit fast jedem fünften Kind als armutsgefährdet.
  • In Bremen liegt die Armutsgefährdung bei etwa 41%, und über 130.000 Minderjährige haben keinen festen Wohnraum.
  • Die Diskussion über Kinderarmut konzentriert sich oft nur auf finanzielle Aspekte, während die sozialen Folgen vernachlässigt werden.
  • Armut führt zu massiven Einschränkungen der Teilhabechancen für Kinder, was ihre soziale Integration stark beeinträchtigt.
  • Kinder aus armen Familien sind seltener in Freizeitaktivitäten wie Sportvereinen oder Musikschulen aktiv.
  • Materielle Barrieren, wie fehlendes Geld für Mitgliedsbeiträge oder Mobilität, schränken die Teilhabe am sozialen Leben ein.
  • Freundschaften sind oft schwierig zu pflegen, da Kinder in Armutslagen kleinere Freundeskreise haben und aus Scham keine Freunde nach Hause einladen können.
  • Soziale Isolation wird durch das Wohnumfeld verstärkt, da arme Familien häufig in benachteiligten Vierteln leben.
  • In solchen Quartieren ist die Infrastruktur oft mangelhaft, was die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen außerhalb der Nachbarschaft erschwert.
  • Kinderarmut ist eng mit der Klassengesellschaft verknüpft, wobei viele Kinder in dauerhaften Armutslagen aufwachsen.
  • Die soziale Mobilität für Kinder aus armen Familien ist gering, was zur Verfestigung von Unterklassenverhältnissen führt.
  • Kinder mit Migrationshintergrund sind überproportional von Armut betroffen und erleben eine doppelte Benachteiligung.
  • Stigmatisierung und Scham sind häufige psychosoziale Belastungen für arme Kinder, die oft abwertende Zuschreibungen erfahren.
  • Armutsbekämpfung muss über materielle Unterstützung hinausgehen und Inklusion fördern, um soziale Zugehörigkeit zu gewährleisten.
  • Die zentrale Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass kein Kind aufgrund seiner Herkunft oder finanziellen Lage vom sozialen Leben ausgeschlossen wird.

03.09.2025, Abgehängt von Anfang an: Die soziale Dimension der Kinderarmut in Deutschland, https://www.nachdenkseiten.de/?p=138423
hören:

Wenn ich diese und andere Kritiken seit Jahrzehnten lese, dann stelle ich immer fest: Das ist politisch so gewollt. Da das Wahlvolk immer dieselben Parteien wählt, ist es mit dieser Politik einverstanden, anstatt den im Bundestag und in den Landtagen vertretenen Parteien die rote Karte zu zeigen und Parteien wie der Tierschutzpartei oder dem BSW die Chance zu geben, zu zeigen, wie ernst sie es mit ihren vernünftigen Partei- und Wahlprogrammen meinen. Wenn die NATO in spätestens fünf Jahren Krieg gegen Russland führt – „Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ –, werden die armen Kinder die Ersten an der Front sein. Wenn sie lebend zurückkehren, werden sie zusätzlich arm an Gliedmaßen sein.

Er war mal Vorsitzender der SPD.

… wenn man sich ansieht, wie die handelnden Figuren ihre Karrieren gestalten, dann erscheint das Witzeln über östliche Autokraten wie ein billiges Schmankerl. Immer wieder mit Steuermitteln werden Kometenlaufbahnen für Hetzer und Dilettanten abgesichert, die nichts anderes bewirken werden als den Ruf des eigenen Landes noch weiter zu ramponieren. Und betrachtet man den Weg eines einstmals als Vorsitzender der deutschem Sozialdemokratie fungierenden Politikers, der es fertig gebracht hat, zunächst als Berater für einen mehr als schillernden Schlachtbetrieb, dann als Vorsitzender der atlantischen Imperialisten und nun als Vorstandsmitglied eines Waffenkonzerns zu brillieren, dann ist man schnell wieder bei der Frage, ob die so genannte schwarze Literatur nicht das einzige Medium ist, in der das politische Niveau in unserer Hemisphäre noch beschrieben werden kann. Keine Realität ist nicht düster genug, keine Geschmacklosigkeit unwirklich genug und keine Absurdität lässt eine innere Logik vermissen.

Gerhard Mersmann, 04.09.2025, Unsere Realität und die schwarze Literatur

Interessenpolitik statt Wertepolitik.

Wadephul in Indien – Politologe: Europa sollte mehr Realpolitik wagen

Mit seinem Besuch in Indien will Außenminister Wadephul (CDU) die Beziehungen zu dem Land verbessern. Mit Blick auf die neue Weltordnung sei dieses Interesse wichtig, sagt der Ostasienexperte Eberhard Sandschneider. Und es sei höchste Zeit.

Europas Realpolitik im Nahost- und Asien-Konflikt

Deutschland sucht verstärkt wirtschaftliche, politische und strategische Beziehungen zu Indien, während es gleichzeitig die komplexen asiatisch-europäischen Beziehungen, inklusive Chinas und Russlands, navigiert.

Wichtigste Punkte:

  • Außenminister Wadephul besucht Indien mit Fokus auf Technologie, Raumfahrt, Fachkräfte und Handel.
  • Deutschland strebt an, seine Rüstungs- und Wirtschaftsbeziehungen zu Indien auszubauen.
  • Indiens Politik ist eigenwillig: Das Land flirtet mit autokratischen Staaten, bleibt aber stolz auf seine Demokratie.
  • Chinas Belt and Road und die Shanghai-Organisation gewinnen an Bedeutung.
  • Der Westen sollte auf die multipolare Weltpolitik pragmatisch und interesseorientiert reagieren.
  • Europäische Einheit ist essenziell, um Einfluss in der globalen Machtverschiebung zu sichern.

Außenpolitik und Wirtschaftsstrategie

Johann Wadephul reist nach Indien, um die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit zu stärken. Der Fokus liegt dabei auf Hightech, Raumfahrt und Fachkräftegewinnung. Deutschland möchte im Rüstungsbereich Marktanteile gewinnen, um den Einfluss Russlands zu verringern. Die Reise ist ein Zeichen des neuen, interessenorientierten außenpolitischen Selbstverständnisses Deutschlands.

Globale Machtverschiebung und asiatische Beziehungen

Indien verfolgt zwar eine unabhängige Außenpolitik, zeigt jedoch Nähe zu China und Russland. Die Shanghai-Organisation und BRICS-Plus gewinnen an Bedeutung, was westliche Werte herausfordert. China betont den Rückgang der Bedeutung des eurozentrischen Modells und stärkt multilaterale Allianzen. Die asiatischen Mächte setzen weniger auf militärische Stärke als auf wirtschaftlichen Einfluss durch Ressourcen und Erfolg.

Europas Handlungsbedarf

Angesichts der zunehmenden Stärke Chinas und der Spaltung im Westen fordert Sandschneider, dass Europa stärker zusammenarbeitet. Einzelne nationale Interessen schwächen den Einfluss Europas insgesamt. Notwendig sei eine pragmatische, interessebasierte Politik, um im globalen Machtgefüge mitzuhalten.

Schlussfolgerung

Europa muss seine Zusammenarbeit stärken, um im globalen Wettbewerb mit China, Russland und Indien bestehen zu können. Dabei sind eine klare Interessenpolitik und europäische Einheit entscheidend, um auf zukünftige Herausforderungen konsequent reagieren zu können.

02.09.2025, https://www.deutschlandfunk.de/wadephul-indien-und-china-interv-m-eberhard-sandschneider-global-advisors-100.html
hören:

Nur die Gemeinsamkeit der Nationen kann zu einem gedeihlichen Überleben auf dem Globus führen.

Da treffen sich die Vertreter von Ländern, die nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, in Beijing und beschließen, enger zusammenzuarbeiten und lange existierende Differenzen, wie die Grenzfragen zwischen Indien und China, auf friedlichem Weg lösen zu wollen. Und da ist ein Gastgeber, der in seiner Rede unterstreicht, dass nur die Gemeinsamkeit der Nationen zu einem gedeihlichen Überleben auf dem Globus führen kann. Und den hiesigen Kommentatoren fällt nichts dazu ein als die eine oder andere einfallslose Beschimpfung oder alles wird als Satire abgetan. Das kann man, wenn man im günstigsten Fall für ein Achtel der Weltbevölkerung steht, so machen, aber außer zu einer konfliktgeladenen Auseinandersetzung mit gewaltigen Schäden auch im eigen Lager wird es wohl kaum reichen.

Gerhard Mersmann, 04.09.2025, Unsere Realität und die schwarze Literatur