Profitmaximierung wird über die Menschenwürde gestellt.

Der Artikel kritisiert die Situation von Menschen mit Behinderung in deutschen Werkstätten. Diese werden oft als „moderne Arbeitssklaven“ bezeichnet, da sie unter extrem niedrigen Löhnen und ohne Perspektive arbeiten. Trotz gesetzlicher Verpflichtungen zur Beschäftigung von Schwerbehinderten erfüllen viele Unternehmen diese Vorgaben nicht. Das führt zu einer hohen Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe. Die Werkstätten, die als Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt dienen sollen, scheitern daran, den Betroffenen eine echte Integration zu ermöglichen, und profitieren gleichzeitig von staatlichen Fördergeldern. Der Artikel argumentiert, dass die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen über die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen gestellt werden. Dies stellt eine ernsthafte Herausforderung für die Inklusion dar.

»Werkstätten für behinderte Menschen sollen den Sprung in ein geregeltes Berufsleben ermöglichen. In einem Bruchteil der Fälle klappt das. Die allermeisten Betroffenen bleiben dagegen als billige Arbeitskräfte auf ihrer Stelle kleben – mit Hungerlohn und ohne Perspektive. Das nutzen ausgerechnet solche Firmen schamlos aus, die auf die Integration Benachteiligter pfeifen. Von Ralf Wurzbacher.«, 29.12.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=143731

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2,20 Euro Stundenlohn – Wie deutsche Unternehmer mit Inklusion exklusive Profite machen

Während die tatsächliche Inklusion kaum Fortschritte macht, profitieren viele deutsche Firmen finanziell von der Beschäftigung behinderter Menschen.

Key Points

• Werkstätten für Menschen mit Behinderung dienen oft der Ausbeutung statt Integration.

• Die gesetzliche Pflicht zur Beschäftigung wird von rund 60 % der Unternehmen ignoriert.

• Firmen finanzieren sich durch geringe Löhne und staatliche Fördermittel.

• Werkstätten verbleiben meist auf Dauer in einem segregierten System.

• Reformversprechen der Regierung bleiben unkonkret und unzureichend.

Beschäftigung behinderter Menschen in Deutschland

Behinderte Menschen schaffen es in Deutschland kaum, den Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen – trotz staatlicher Förderungen. Die Beschäftigungsquote in Werkstätten ist mit etwa 0,35 Prozent äußerst niedrig. Die meisten bleiben jahrzehntelang in den Einrichtungen.

Gesetzliche und wirtschaftliche Praxis

Viele Firmen umgehen ihre Beschäftigungspflichten, indem sie Aufträge an Werkstätten vergeben, um Bußgelder zu vermeiden. Das führt zu einer systematischen Ausbeutung, bei der die Betroffenen oft nur Basislöhne erhalten, die kaum zum Leben reichen.

Systematische Ausbeutung und Reformbedarf

Laut Kritikern sind Werkstätten eher Verwahranstalten und fördern Segregation statt echte Inklusion. Das System ist so gestaltet, dass Profitmaximierung über die Menschenwürde gestellt wird. Die politischen Versprechen bleiben vage und konkrete Reformen wurden bislang nicht umgesetzt, wodurch die Inklusionsziele gefährdet sind.

Fazit

Die aktuelle Praxis in Deutschland fördert zwar das Label „Inklusion“, verfehlt aber die eigentlichen Ziele. Anstatt echte Teilhabe zu ermöglichen, profitieren Unternehmen von niedrigen Löhnen und staatlicher Unterstützung, während die Betroffenen häufig in prekären Verhältnissen verbleiben.

Herrschaftsinstrumente.

In dem Artikel „Soziale Spaltung als Regierungstechnik – Disziplin für die da unten, Spielräume für die da oben” analysiert Detlef Koch die soziale Ungleichheit in Deutschland, die durch politische Entscheidungen und ideologische Rahmenbedingungen verstärkt wird.

»Deutschland betreibt eine Umverteilung von unten nach oben – gesetzlich verankert und ideologisch abgesichert. Unter Kanzler Merz, der von „Leistung“ schwadroniert, zahlen die größten Profiteure kaum Steuern, während für Panzer munter neue Kredite aufgenommen werden. Das ist kein Widerspruch, sondern Absicht: Der Arbeitsmarkt ist zum Instrument sozialer Kontrolle verkommen. Von Detlef Koch.«

»Methode 1: Reiche schonen, Arme belasten – die Schuldenbremse gehorcht dem Diktat der Macht
Methode 2: Chancengleichheit proklamieren, Selektion zementieren
Methode 3: Wohnraumverteilung und städtische Segregation
Methode 4: Sicherheitspolitik: Kontrolle von Räumen und Gruppen
Methode 5: Symbolische Macht: Sprache, Bilder und Deutungshoheit
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Im Folgenden sind die wesentlichen Punkte zusammengefasst:

Umverteilung von unten nach oben: Der Artikel argumentiert, dass in Deutschland ein systematisches Umverteilungssystem existiert, das die Reichen begünstigt und die ärmeren Schichten belastet. Dies geschieht durch eine ungerechte Steuerpolitik, bei der über 80 Prozent der Steuereinnahmen aus Löhnen und Konsum stammen, während Vermögenssteuern nur einen marginalen Beitrag leisten.

Schuldenbremse und Prioritäten: Die Schuldenbremse wird als politisches Instrument kritisiert, das nur bei sozialen Ausgaben strikt eingehalten wird, während für militärische Ausgaben wie die Bundeswehr Ausnahmen gemacht werden. Dies zeigt eine doppelte Buchführung der Regierung.

Prekarität und Arbeitsmarktregime: Die Hartz-Reformen haben ein Arbeitsmarktregime geschaffen, das Erwerbslose unter Druck setzt, jede Arbeit anzunehmen. Dies führt zu einem Anstieg unsicherer Arbeitsverhältnisse. Die Politik führt eine aggressive Rhetorik gegen Arbeitslose, während die strukturellen Ursachen von Armut ignoriert werden.

Bildungsungleichheit: Das deutsche Schulsystem zementiert soziale Ungleichheit, da der Bildungserfolg stark von der Herkunft abhängt. Kinder aus armen Familien haben deutlich geringere Chancen auf einen Bildungsabschluss als Kinder aus wohlhabenden Familien.

Wohnraumverteilung und Segregation: Der Rückzug des Staates aus dem sozialen Wohnungsbau hat zu einer Verknappung von bezahlbarem Wohnraum geführt und die soziale Segregation verstärkt. Wohlhabende leben in privilegierten Stadtteilen, während einkommensschwache Haushalte an die Stadtränder gedrängt werden.

Sicherheitspolitik und Kontrolle: Die Sicherheitspolitik wird als Mittel zur gesellschaftlichen Spaltung eingesetzt, indem bestimmte Stadtteile als gefährlich eingestuft werden, in denen dann verstärkte Kontrollen stattfinden. Dies führt zu einem Verlust des Vertrauens in staatliche Institutionen und verstärkt das Gefühl der Ausgrenzung.

Symbolische Macht: Der Artikel betont, dass Sprache und Medien die bestehende soziale Ungleichheit legitimieren. Begriffe wie „Leistungsträger” und „Eigenverantwortung” fördern ein Bild, in dem Reiche als verdiente Gewinner und Arme als selbstverschuldet in ihrer Lage dargestellt werden.

Fazit: Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die soziale Spaltung in Deutschland durch politische Entscheidungen und gesellschaftliche Narrative verstärkt wird. Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, ist ein radikaler Kurswechsel in der Politik notwendig, der die strukturellen Ursachen von Armut und Ungleichheit adressiert. Die Debatte über soziale Gerechtigkeit muss neu gestaltet werden, um echte Veränderungen zu ermöglichen.

23.08.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=137746
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