Gute Umgangsformen

Ein Haustier ist ein Tier, das nicht frei lebt und an den Menschen gewöhnt ist. Es muss sich in meinem Besitz oder Eigentum befinden oder mir zugehörig sein, also zu meinem Haushalt gehören. Oder so ähnlich …

Seit Oktober 2014 habe ich kein Haustier mehr. In Frage kämen ein Hund und/oder eine Katze. Mein Mietvertrag schließt jedoch Hunde und Katzen von meiner Wohnung aus.

Einem Haustier etwas verständlich zu machen (amerikanische Originalfrage) oder ihm etwas beizubringen (eingedeutschte Frage) sind zwei unterschiedliche Umgangsweisen.

Ich beantworte heute die eingedeutschte Frage.

Hätte ich eine Katze als Haustier, könnte ich ihr beibringen, ihr Geschäft im Katzenklo zu verrichten. Denn: Katzenklo, Katzenklo, macht die richtige Katze froh.

Außerdem könnte ich der Katze beibringen, zu mir zu kommen, wenn ich sie rufe, freiwillig in den Transportkorb zu gehen, sich überall berühren zu lassen (Medical Training), mit der Nase einem Stab zu folgen (Target-Training mit einem Target-Stick), Sitz zu machen, Pfötchen zu geben (High Five), Männchen zu machen, sich einmal um die eigene Achse zu rollen, zu apportieren, durch einen (brennenden) Reifen zu springen, Slalom zu laufen oder über Hindernisse zu springen.

Könnte. Würde ich aber nicht. Nur, wenn ich merke, dass die Katze es bräuchte. Ansonsten wäre es bestimmt so, dass die Katze mir beibringt, was ich tun soll, damit sie sich bei mir wohlfühlt.

Hätte ich einen Hund als Haustier, würde ich ihm alles beibringen, was das Leben mit ihm und für ihn erleichtert.

Er würde auf Anweisung „Sitz” oder „Platz” machen. Er würde dann nur aufstehen, wenn ich ihm die Erlaubnis signalisiere. Er würde nicht bellen oder zur Tür rennen, wenn jemand klingelt. Er könnte auf Anweisung bei Fuß gehen. Er könnte ohne Leine laufen und wäre jederzeit abrufbar. Ich könnte jederzeit eine Aktion/Handlung abbrechen lassen oder dafür sorgen, dass er Dinge, die er im Maul hat, fallen lässt. Der Hund könnte an der Leine gehen, ohne zu ziehen. Er wäre stubenrein und würde mir anzeigen, wenn es Zeit ist, mit ihm nach draußen zu gehen. Ich würde mir beibringen, seine Hinterlassenschaften einzutüten und in den Müll zu werfen. Mein Hund könnte entspannt alleine bleiben. Er würde lernen, zu warten (zu sitzen oder zu bleiben), bis ich ihn wieder abrufe. Er würde lernen, dass Autos, Fahrräder, Roller, Kettcars, Rollstühle, Rollatoren, Nordic-Walking-Stöcke, Kinderwagen, Regenschirme, Paketboten und Briefträger keine Bedrohung für ihn darstellen. Ich würde mit ihm Tierarztbesuche üben, sodass er sich überall anfassen ließe.

Dafür habe ich mir jahrelang „Der Hundeprofi” im Fernsehen angesehen. Ich würde mich auch nicht scheuen, eine Hundeschule zu besuchen, sofern das pädagogische Konzept der Schule auf Belohnung statt Bestrafung beruht.

Über Hunde und Katzen hinaus befürworte ich eine Haustierhaltung nur für domestizierte Tiere, also Tiere, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden an die menschliche Umgebung gewöhnt sind.

Tierhaltung in Zirkussen und Zoos lehne ich kategorisch ab. Tiere dürfen niemals der Zurschaustellung des Menschen dienen.

Ich lehne es kategorisch ab, Nutzen aus Tieren zu ziehen, indem ich ihnen etwas wegnehme, das sie selbst brauchen, beispielsweise Milch oder Honig.

Wenn Hühner artgerecht gehalten werden, habe ich jedoch keine Bedenken, deren Eier zu verzehren.

Fleisch von Nutztieren, die nicht frei und nicht artgerecht gehalten werden, lehne ich kategorisch ab.

In Deutschland werden maximal 15 Prozent der Legehennen, 13 Prozent der Milchkühe, 8 Prozent der Rinder, 1,5 (!) Prozent der Schweine und 3 Prozent des Mastgeflügels in der Haltungsform 5 (Bio-Demeter, Bioland, Naturland) gehalten.

Von Fischen ganz zu schweigen: Der Dokumentarfilm „Leviathan” von Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel aus dem Jahr 2013 zeigt unkommentiert die Arbeit der Seeleute auf einem industriellen Fischereischiff. Entweder er löst etwas in dir aus oder nicht.

Während meiner Lebenszeit hat sich die Menschheit nicht als vernunftbegabt gezeigt, sondern als gierige, manipulierbare Masse. Ausnahmen bestätigen diese Regel und bezahlen ihre Abweichung gelegentlich mit ihrem prominenten Leben.

Ich weiß, dass ich es nicht mehr erleben werde, dass Menschen mit Haus- und Nutztieren anständig umgehen.

Die Menschheit sägt insgesamt mit vielen Sägen an dem Ast, auf dem sie sitzt – oder sie lässt es passiv geschehen. Dies zu ändern, wird nur noch unter Einsatz des eigenen Lebens möglich sein (an allen Sägen).

Täglicher Schreibanreiz
Wenn du deinem Haustier etwas beibringen könntest, was wäre das?

If you could make your pet understand one thing, what would it be?  |  Wenn Sie Ihrem Haustier eine Sache verständlich machen könnten, welche wäre das?

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Autor: Bernd

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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