Die Reichen haben die Krankheit der Reichen.

01.11.1984– | track: –Tango & Les Riches– | artist: –Flairck– | album: -Bal Masqué-

Der Songtext „Tango & Les Riches” von Flairck mit einem Text von Georges Moustaki zeichnet ein sehr ironisches und überzeichnetes Bild der Reichen.

Er listet eine Fülle von Stereotypen und Privilegien auf, die dem Leben der Wohlhabenden zugeschrieben werden. Sie sind „schön”, „stark”, „gebräunt”, „kultiviert” und „elegant”. Sie besitzen „große Wohnungen”, „Zweitwohnsitze”, „schöne Autos” und natürlich immer wieder „Geld”.

Sie reisen erster Klasse, übernachten in den besten Hotels, trinken Whisky und ernähren sich delikat. Sie haben „reiche Freunde”, „Beziehungen” und Personal („Gouvernanten”).

Die ständige Wiederholung von „Les riches sont riches” und „Les riches ont de l’argent” unterstreicht, dass Reichtum das zentrale, alles bestimmende Merkmal ist. Der Ausdruck „maladie de riche” (Krankheit der Reichen) könnte eine leichte Kritik andeuten, wird aber schnell von weiteren luxuriösen Details überlagert.

Insgesamt ist es eine satirische Ansammlung von Klischees, die den exklusiven, privilegierten und oberflächlichen Lebensstil der Oberschicht beschreibt.

Ohrgasmus.

Täglicher Schreibanreiz
Was treibt dir Freudentränen in die Augen?

Letzten Samstag war ich auf einem Grillfest eingeladen.

Meine Erwartungen, Holzkohlerauch, Alkohol, Fleisch, ein Salatbüffet und Smalltalk vorzufinden, wurden nicht enttäuscht. Es gab auch ein kleines Unterhaltungsprogramm für die Gäste.

Für den Nachmittag war ein Duo angekündigt, das unter anderem afrikanische Musik spielen sollte.

Tatsächlich betraten nach Mittag eine strahlend schillernd farbige Südafrikanerin namens Natasha und ihr bewusst dezent gekleideter Gitarrist Tomasz die improvisierte Bühne.

Zusammen sind sie das Duo UMSUKA.

Sie dekorierten den Boden mit einem Teppich, auf dem sie barfuß singen würde. Es wurden handgeschnitzte südafrikanische Holzfiguren aufgestellt und an allen Ecken und Enden auffällig blühende und farbenprächtige Gladiolen. Räucherstäbchen wurden entzündet.

Es begann ein fast zweistündiges, pausenloses musikalisches Programm. Sie spielten World Music, Latin (Bossa Nova), Reggae, Jazz und Blues.

Gleich nach den ersten Tönen seiner Gitarre und dem Einsetzen ihrer lautmalerischen Stimme spürte ich: Hier spielen nicht zwei Musiker für Geld, hier leben zwei ihre Musik. Sie haben die Musik im Blut. Und immer, wenn Musikerinnen und Musiker ihre Musik leben, überkommt mich Gänsehaut und ein Glücksgefühl, das mir die Freudentränen in die Augen treibt. Ich spreche dann von einem Ohrgasmus.

Die Musik von UMSUKA kann auf Soundcloud nachgehört und nacherlebt werden: https://soundcloud.com/tomasz-natasha.

Exemplarisch seien hier die Musik von Johann Sebastian Bach, vor allem die Chöre, oder die Musik von Flairck („Alive” sei hier zu empfehlen) oder Calogero („Live 1.0”) genannt, die mir auch nach wiederholtem Hören Ohrgasmen erzeugen.

Es ist aber nicht nur die Musik, die mir Freudentränen in die Augen treibt …