Es ist doch nur ein Traum, das bloße Haschen nach dem Wind. Wer weiß das schon genau?

Der Songtext „Zu Asche, zu Staub (Psycho Nikoros)“ von Severija, veröffentlicht am 24.11.2017, thematisiert die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und den unausweichlichen Tod, setzt diesem Schicksal aber einen fast trotzigen Drang nach Leben, Exzess und Unsterblichkeit im Augenblick entgegen. Es ist ein permanentes Schwanken zwischen dem Ende (Tod) und dem „Jetzt“ (Leben).

Der Refrain zitiert das biblische Memento mori. Doch die entscheidende Zeile ist „Doch noch nicht jetzt“. Das lyrische Ich erkennt das Ende an, will es aber hinauszögern, um den Moment voll auszukosten. Metaphern wie der „Ozean der Zeit“ und die Uhr, die mit Sand gefüllt ist (Sanduhr), verdeutlichen, dass die Lebenszeit begrenzt ist und unaufhaltsam abläuft.

Das Leben wird als „Traum“ und „Haschen nach dem Wind“ bezeichnet (ein weiteres biblisches Motiv aus dem Buch Kohelet, das die Nichtigkeit alles Irdischen beschreibt). Die Antwort darauf ist die Flucht in den Rausch und die Zweisamkeit, um dem Tod für einen Moment zu entkommen. Der Text fängt perfekt das Lebensgefühl der 1920er Jahre ein: Eine Atmosphäre der Dekadenz und des Feierns im Angesicht einer drohenden Katastrophe oder des Todes.

Zusammenfassend ist der Song eine Hymne an den Augenblick. Es beschreibt den Versuch, durch Intensität, Rausch und Nähe eine Art kurzfristige Unsterblichkeit zu erlangen, obwohl man genau weiß, dass am Ende nur „Asche und Staub“ warten.

Rafle du Vélodrome d’Hiver.

25.08.2017– | track: –Le vélo d’hiver– | artist: –Calogero– | album: -Liberté Chérie-

In diesem Songtext wird die Geschichte der Pariser Radrennbahn Vélodrome d’Hiver aus der Perspektive der Bahn selbst erzählt.

Anfangs schwelgt der Text in nostalgischen Erinnerungen an eine glorreiche Zeit. Das Velodrom, liebevoll „vélo d’hiver” genannt, erzählt von sportlichen Wettkämpfen, berühmten Persönlichkeiten wie Edith Piaf und Yvette Horner sowie der lebendigen Atmosphäre, in der Reiche und Arme zusammenkamen, um die Rennen zu bejubeln. Es war ein Ort voller Freude und Gemeinschaft.

Die Stimmung ändert sich jedoch mit der Zeile „Et puis ils arrivèrent” drastisch. Die Ankunft von Uniformen und Revolvern markiert einen Wendepunkt. Der Text berichtet von der traurigen Realität des Zweiten Weltkriegs, als das Velodrom am 16. und 17. Juli 1942 zu einem Sammel- und Internierungslager wurde. Unschuldige Menschen, darunter ganze Familien – 4 115 Kinder, 5 919 Frauen und 3 118 Männer – wurden dort festgehalten und schließlich in die Vernichtungslager Osteuropas deportiert. Der Ort, der einst für Freude und Sport stand, wurde so zum Schauplatz unermesslichen Leids.

Die Geschichte endet mit einer bittersüßen Erinnerung: Trotz der Tragödie gab es immer noch Kinder, die in den Pfützen spielten. Der Erzähler, das Velodrom, kann das Grauen, das dort stattfand, nicht vergessen. Der Text ist eine ergreifende Erinnerung daran, wie ein Ort der Unterhaltung in den Wirren des Krieges zu einem Symbol menschlichen Leidens werden kann.