Wer verliebt ist, hat keine Wahl

Der am 21.01.1993 veröffentlichte Song „Du hast die Wahl” von Element of Crime, der auf dem Album „Weißes Papier” zu finden ist, beschreibt auf humorvolle, aber auch obsessive Weise das verzweifelte Bestreben einer Person, den Sommer nicht allein verbringen zu müssen. Der Protagonist setzt alles auf eine Karte, um die Aufmerksamkeit oder Zusage einer geliebten Person zu erlangen. Dabei schreckt er auch vor drastischen Mitteln und „emotionaler Erpressung” nicht zurück (Warten an den Gleisen, ein Duell am Pool). Die Grenzen zwischen Romantik und Wahnsinn sind hier fließend.

Trotz der dramatischen Drohungen schwingt viel Ironie mit. So wird beispielsweise ein „Showdown” im Nichtschwimmerbecken angekündigt – ein Ort, der für eine lebensgefährliche Aktion denkbar ungeeignet ist. Dadurch wird die Schwere der Situation gebrochen und die Tollpatschigkeit des Verliebtseins gezeigt. Das treibende Motiv ist die Abneigung gegen einen „öden“ Sommer allein. Um den Sommer zu zweit zu verbringen, nimmt der Protagonist in Kauf, dass sein Verhalten später „peinlich“ sein könnte oder er sich lächerlich macht.

Während der Protagonist der anderen Person immer wieder sagt: „Du hast die Wahl”, stellt er im letzten Vers fest, dass er als Verliebter eigentlich keine Wahl hat – er ist seinem Gefühl und seinem Drang, die Person zu erobern, ausgeliefert. Der Text ist ein ironisches Porträt übertriebener Verliebtheit. Er zeigt, wie die Angst vor Einsamkeit jemanden dazu treiben kann, sich mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit, Größenwahn und charmantem Unsinn um einen anderen Menschen zu bemühen.

https://www.deezer.com/de/track/2544698

https://music.apple.com/at/song/du-hast-die-wahl/1440925168

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Es begann, als sie mich aus meinem Zuhause holten.  |  On this day in music.

28.09.1993– | track: –The Mercy Seat – Live- | artist: –Nick Cave & The Bad Seeds– | album: -Live Seeds-

Dieser Songtext von Nick Cave and the Bad Seeds („The Mercy Seat“) ist eine dunkle und intensive Erzählung aus der Perspektive eines zum Tode Verurteilten, der seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl – dem „Gnadenstuhl“ (Mercy Seat) – erwartet.

Der Text beginnt mit der Verhaftung und dem Transfer in die Todeszelle (Dead Row). Zentral ist die bevorstehende Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, der hier als „Gnadenstuhl“ bezeichnet wird und somit eine doppelte Bedeutung hat: einerseits die elektrische Hinrichtungsapparatur, andererseits der biblische Gnadenthron. Die körperlichen Empfindungen des Protagonisten (head is shaved, head is wired, body is on fire, head is burning/smoking/melting) beschreiben den Prozess der Elektrokution auf eindringliche Weise.

Zunächst beteuert der Verurteilte seine Unschuld („I am nearly wholly innocent”), wird aber im Laufe des Liedes zu einem unzuverlässigen Erzähler. Hinweise auf seine Schuld sind die Tätowierungen „E.V.I.L.” und „G.O.O.D.” auf seinen Händen. Der Höhepunkt der Ungewissheit und einer möglichen Beichte erfolgt in den letzten Strophen, in denen seine Behauptungen immer widersprüchlicher werden. Er behauptet nicht nur, die Wahrheit gesagt zu haben und keine Angst vor dem Sterben zu haben, sondern gesteht am Ende: „But I’m afraid I told a lie.”

Der Text ist durchzogen von Anspielungen auf das Christentum. So spielt der „Mercy Seat” auf den biblischen Gnadenthron an und kontrastiert die weltliche Gerechtigkeit („An eye for an eye, a tooth for a tooth”) mit der göttlichen Barmherzigkeit. Die Figur Christi wird erwähnt („Christ was born into a manger / Died upon the cross”), wodurch die Themen Sühne, Verurteilung und Erlösung in den Vordergrund rücken. Der Verurteilte sucht verzweifelt nach einer endgültigen Wahrheit oder einem Ende des Urteilens („To be done with all this measuring of truth/proof”).

Somit ist der Song ein erschütternder innerer Monolog eines Mannes in seinen letzten Momenten, in dem Realität (die Hinrichtung) und seine Verzweiflung, seine Verwirrung sowie seine verzerrte Wahrnehmung von Schuld und Unschuld verschmelzen.

Wie vom Teufel gejagt. | On this day in music.

14.09.1993– | track: –Bat Out of Hell – Live from The United States / 1993– | artist: –Meat Loaf– | album: -Bat Out Of Hell II: Back into hell…-

Der Songtext „Bat out of hell“ von Meat Loaf ist eine leidenschaftliche und düstere Erzählung über Verzweiflung, Liebe und den unaufhaltsamen Drang nach Freiheit. Der Protagonist befindet sich in einer gefährlichen und korrupten Welt, die von Gewalt und Dunkelheit geprägt ist. Er sehnt sich danach, aus dieser Hölle zu entkommen, und findet in einer anderen Person das Einzige, was in seinem Leben „sauber und gut” ist.

Die Liebe zu dieser Person ist seine einzige Hoffnung, aber auch ein Fluch. Er will unbedingt vor dem Morgengrauen fliehen, um nicht verdammt zu werden. Doch er erkennt, dass er auch in der Ferne nicht gerettet sein wird. Paradoxerweise will er verdammt sein – aber nur, wenn er mit seiner geliebten Person zusammen ist.

Dieser Konflikt wird durch die Symbolik eines Motorrads – einem „Phantom aus schwarzem Metall“ – unterstrichen. Die Fahrt symbolisiert seine Flucht und den Wunsch, schnell und rücksichtslos zu entkommen. Doch diese Flucht wird auch sein Ende sein. Er rast blindlings seinem Schicksal entgegen, da er in Gedanken bei seiner Liebe ist. Er übersieht eine Kurve und stürzt.

Das Ende ist tragisch: Er stirbt in einem brennenden Wrack. Seine Seele, die wie eine „Fledermaus aus der Hölle” wegfliegt, kehrt jedoch am Ende immer wieder zu der Person zurück, die er liebt. Es ist ein Zyklus aus Flucht, Schicksal und unsterblicher Liebe, der den Tod überwindet.