Wo brennt unser Feuer?  |  On this day in music.

25.09.2020– | track: –La dolce vita– | artist: –Crucchi Gang, Steiner & Madlaina– | album: -Crucchi Gang-

In dem Songtext „La dolce vita „ von Crucchi Gang, Steiner & Madlaina geht es um die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität. Es geht um die vielen „nutzlosen Worte” und die Erkenntnis, dass sich scheinbar nichts wirklich ändert. Das Lied beschreibt, wie Menschen nach außen hin eine „dolce vita” (ein süßes, unbeschwertes Leben) feiern, in dem es keine Herausforderungen („salita” – Steigung) gibt.

Doch diese Vorstellung entpuppt sich als Illusion. Das Leben wird als ein „Traum” oder „Schlaf” beschrieben, der verhindert, dass man die Wahrheit sieht. Die Protagonisten versuchen, sich mit falschem Lächeln davon zu überzeugen, dass alles gut ist, obwohl sie innerlich wissen, dass die Dinge so nicht bleiben können.

Es gibt jedoch auch einen Hoffnungsschimmer: Der Glaube an eine bessere Zukunft voller „Licht, Liebe und Freiheit” wird erwähnt. Die Hoffnung, dass sich die Erde verändern kann, besteht, auch wenn dies durch die Angst vor dem Scheitern und die ständige Wiederholung der gleichen Muster erschwert wird. Insgesamt zeigt der Text eine ambivalente Haltung: Einerseits wird die Resignation beschrieben, dass sich nichts ändert, andererseits wird die leise Hoffnung geäußert, dass eine Veränderung möglich ist, wenn man aufhört, sich von Illusionen blenden zu lassen.

So große Narben, und keine Angst mehr.  |  On this day in music.

24.09.2021– | track: –Schweigende Schwestern– | artist: –Sarah Lesch, Karl die Große– | album: -Schweigende Schwestern-

Meine Geschichte beginnt in einer Kleinstadt. Alles, was davor war, habe ich vergessen.
Die Jungs waren alle älter und ich saß auf dem Rücksitz.
Die anderen Mädchen mochten mich nicht und große Schwestern gab es auch nicht.
Denn auch sie hatten Angst, trauten sich nicht, waren immer am Lachen und Lästern.

Mama sagte immer: „Sei nicht traurig“ und „Dein Lidstrich muss akkurat sitzen!
Du riechst wie ’ne Bordsteinschwalbe. Geh nicht bauchfrei, du musst dich schützen.“
Sie hatte gelernt, dass sie es schaffen muss, immer besser und immer allein.
Und die Schuld dafür, was aus mir wird, wird natürlich auch ihre sein.

Mein Stiefvater fuhr LKW, seine Wurstfinger waren immer schmutzig.
Er tauschte Pornos mit meinem Freund. Ich war wütend, sie fanden das putzig.
„Sei nicht so empfindlich, Mädel“, sagte er höhnisch und lachte.
Sein Schweigen war stets so gewaltvoll, dass es mir Bauchschmerzen bereitete.

Obwohl ich noch viel zu jung war, gab der Barkeeper mir einen aus.
Wir knutschten kaum, ich sollte gleich auf die Knie. Sein Schweigen war auch so laut.
Als ich mir meinen Teenagerhintern auf seiner Motorhaube verbrannte,
dachte ich, dass ich selber schuld bin, weil ich ja bauchfrei herumlief.

Er schwängerte mich hinterm Sportplatz, wegen der Schule hab‘ ich abgetrieben.
Die blauen Flecken waren leicht zu verdecken, was genau geschah, habe ich verschwiegen.
Noch lange spürte ich seine Blicke durch jedes Schlüsselloch.
Ich weiß noch, dass sein Bart nach Bier und Tabak roch.

Von da an war mein Körper gefährlich.
Mein Körper, meine Lust, mein Licht.

Von da an war ich gefangen, von da an versteckte ich mich.

Das ist vielen von uns passiert, das habe ich später erst erfahren.
Dass ich nicht allein bin, weil wir schweigende Schwestern waren.

Bis hierhin reicht diese Geschichte, und eine andere beginnt.

Und ich weiß, dass ich nicht allein bin, weil wir schweigende Schwestern sind.

Und ich frage mich: Wann hört das auf? Warum nennt niemand die Namen der Täter?
Warum fühle ich mich immer noch schuldig, so viele Jahre später?

Niemand muss damit allein sein, vielen ist so etwas passiert.
Und das wird so lange weitergehen, bis es niemand mehr still akzeptiert.

Sie sollen wissen: Es ist nicht zu viel verlangt, aus Vorsicht einmal mehr zu fragen.
Denn sie wissen längst, dass es kein Konsens ist, wenn wir aus Angst nicht „Nein“ sagen.

Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört, bis durchs Schlüsselloch der Kirchentür!
Ganz egal, wie kurz dein Rock war, du kannst gar nichts dafür!
Zwischen uns passt kein Blatt Papier, denn dieses Blatt wendet sich jetzt.
Wenn wir uns gegenseitig glauben, damit das hier für immer endet.

Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört, bis durchs Schlüsselloch der Küchentür.
Ganz egal, was du nicht getan hast, du kannst gar nichts dafür!
Zwischen uns passt kein Blatt Papier, weil sich dieses Blatt jetzt wendet.
Und jetzt komm unter meinen Flügel, damit das hier für immer endet!

Sprecht ihre Namen, bis jeder sie hört!
Zeigt eure großen Narben, zeigt sie ruhig her!
Sprecht ihre Namen, bis alle sie hören.
So große Narben, und keine Angst mehr.

Ein verlor’nes Herz bleibt für immer leer.  |  On this day in music.

23.09.1974– | track: –Tränen lügen nicht– | artist: –Michael Holm– | album: -Tränen lügen nicht-

Der Songtext „Tränen lügen nicht“ von Michael Holm thematisiert die Situation eines Mannes, der eine Beziehung beenden möchte und Zweifel hat, ob seine Partnerin ihm wirklich treu ist.

Der Erzähler gibt ihm zu verstehen, dass er diesen Weg besser nicht gehen sollte. Er ermutigt ihn, sich umzudrehen und den Blick seiner Partnerin zu fangen. Die Tränen der Frau könnten ein Zeichen ihrer unerschütterlichen Liebe und Loyalität sein, wobei dies natürlich nicht mit absoluter Sicherheit bestimmt werden kann.

Das Lied wirft die Frage auf, ob die Freiheit, die der Mann sucht, tatsächlich existiert. Der Erzähler gibt ihm zu verstehen, dass das Glück in der Stadt mit all ihren Verlockungen nur von kurzer Dauer und vergänglich ist. Er ermutigt den Mann, sich wieder mit seiner Partnerin zu versöhnen und ihre Hand zu ergreifen, bevor es zu spät ist. Ihre Tränen könnten ein Zeichen dafür sein, dass ihre Liebe aufrichtig und unentbehrlich ist.

Die Sonne scheint auch noch im Herbst.  |  On this day in music.

22.09.2023– | track: –97– | artist: –JEREMIAS– | album: -Von Wind und Anonymität-

Der Songtext „97“ von JEREMIAS beschreibt das Gefühl der Entfremdung, das eine Person in einer schwierigen Phase erlebt. Der Protagonist kämpft mit dem Schreiben und erkennt sich selbst nicht mehr, wenn er in den Spiegel schaut. Obwohl die Tage grau und schwierig sind, gibt es eine Konstante: Die Sonne, die auch im Januar und Herbst scheint, symbolisiert Hoffnung und Zuversicht.

Deutlich wird auch, dass eine andere Person (das lyrische Ich) eine tiefe Verbindung zu dem Protagonisten hat. Sie versteht seine inneren Konflikte, den Druck, ständig weiterzumachen, und den Verlust seiner Leidenschaft. Die Person, die das lyrische Ich ist, vermittelt die Botschaft, dass diese Leidenschaft nur eine Pause macht und wartet.

Trotz der räumlichen Distanz fühlt sich das lyrische Ich mit dem Protagonisten verbunden und wartet auf ihn. Der Text endet mit der hoffnungsvollen Gewissheit, dass ein gemeinsamer Traum von allen getragen wird und dass auch in schwierigen Zeiten die Hoffnung auf eine bessere Zukunft besteht. Es ist eine Botschaft der Solidarität und des Trotzdem.

I’ll never wear your broken crown.  |  On this day in music.

21.09.2012– | track: –Broken Crown– | artist: –Mumford & Sons– | album: -Babel-

Der Songtext „Broken crown“ von Mumford & Sons ist ein poetischer, emotional aufgeladener Monolog über inneren Konflikt, Schuld, Schwäche und den Kampf um Selbstbestimmung.

Die sprechende Person wehrt sich gegen äußere Einflüsse oder Erwartungen („I’ll never be your chosen one“, „I’ll never wear your broken crown“). Sie will sich nicht unterordnen oder von anderen abhängig machen. Es gibt ein starkes Gefühl der Selbstanklage („I took the road and I fucked it all away“), das auf Fehler, verpasste Chancen oder moralisches Versagen hindeutet. Die Person reflektiert über ihre eigenen Schwächen („My heart was flawed“, „I know my weakness“) und die Angst, in „Dunkelheit“ (symbolisch für Hoffnungslosigkeit oder einen moralischen Abgrund) zu versinken.

Die wiederholte Zeile „Crawl on my belly ‚til the sun goes down“ vermittelt ein Bild der Demütigung und Ausweglosigkeit. Die „Twilight“-Metapher steht für eine Phase der Ungewissheit oder des Übergangs, in der die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen spürbar werden. Die Ablehnung von Lügen („Besser nicht atmen, als eine Lüge zu atmen“) und falschen Werten („Deine Werte sind alle hinfällig“) zeigt den Wunsch nach Authentizität, selbst um den Preis der Isolation.

Der Text ist düster, fast verzweifelt, aber auch kämpferisch. Es geht um den Kampf gegen innere Dämonen, äußere Erwartungen und die Akzeptanz der eigenen Fehler. Die Wiederholungen und die drastische Sprache („I fucked it all away“) unterstreichen die Intensität der Emotionen.

Der Text beschreibt einen Moment der Selbstreflexion und des Haderns mit dem eigenen Schicksal. Die Person ringt um Autonomie und Integrität, trotz der Erkenntnis, Fehler gemacht zu haben und sich in einer schwierigen Phase („Twilight“) zu befinden. Es ist ein Appell an sich selbst, nicht aufzugeben, aber auch eine Anerkennung der eigenen Grenzen.

There I was on a July morning looking for love.  |  On this day in music.

20.09.1971– | track: –July Morning– | artist: –Uriah Heep– | album: -Look at yourself-

Der Songtext „July morning“ von Uriah Heep handelt von der Suche nach Liebe und davon, innere Stärke zu finden.

Der Erzähler beschreibt, wie er an einem Julimorgen aufbricht, um Liebe zu finden. Er ist voller Hoffnung und Entschlossenheit, was durch den Sonnenaufgang und die Kraft des neuen Tages symbolisiert wird.

Er hat die schwierige Zeit hinter sich gelassen – den „Sturm” und die „Nacht” – und ist bereit, seinen eigenen Weg zu gehen. Obwohl er an vielen Orten und bei vielen Menschen gesucht hat und dabei „kein Stein auf dem anderen” blieb, hat er die gesuchte Person nicht gefunden.

Trotzdem gibt er nicht auf. Am Ende des Textes wird die Entschlossenheit betont, die Suche fortzusetzen: Er weiß nun, dass er nach dieser einen Person suchen wird, denn das Feuer der Liebe brennt stark in seinem Herzen, seinem Verstand und seiner Seele.