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Rod Weiler sah sein Spiegelbild, er war ein alter Köter. | On this day in music.
–30.09.2002– | track: –Rod Weiler– | artist: –Funny van Dannen– | album: -Groooveman-
Der Songtext „Rod Weiler“ erzählt die Geschichte eines alten Rüden namens Rod Weiler, der nach dem Tod seines Herrchens und Frauchens in einer verlassenen Hütte lebt. Er ernährt sich von Müll und hat eine Vorliebe für Kriminalromane, insbesondere psychologische Thriller.
Er hat eine Freundin namens Madeleine, die nur drei Beine hat und ungebunden bleibt. An einem grauen Wintertag, als der erste Schnee fiel, verspürt Rod den Wunsch nach Liebe und macht sich auf die Suche nach Madeleine. Während seiner Suche begegnet er verschiedenen Orten und isst sogar etwas Hackfleisch, das er findet.
Als er schließlich nach Hause zurückkehrt, entdeckt er, dass Madeleine mit einem anderen Hund zusammen ist. Es kommt zu einem Konflikt zwischen Rod und diesem Hund, der in einer gewaltsamen Auseinandersetzung endet. Rod wird verletzt und zieht sich zum Fluss zurück, wo er letztendlich stirbt, während Madeleine bei ihm ist.
Der melancholische Songtext endet mit der Vorstellung, dass Rod trotz seiner Schwierigkeiten und seiner verdorbenen Freundin in seinen letzten Momenten nicht allein ist. Die letzten Bilder beschreiben, wie Rod ins Wasser gezogen wird, während eine gewisse Ungewissheit über Madeleines Beziehung zu ihm bleibt.
Die Hauptthemen des Artikels sind Einsamkeit, Verlust und die Suche nach Verbindung, wobei die bittersüße Beziehung zwischen Rod und Madeleine im Mittelpunkt steht.
Es ist nicht deine Schuld, es ist dein Erbe. | On this day in music.
–29.09.2023– | track: –Ton héritage – Live- | artist: –Benjamin Biolay– | album: -À L’auditorium – Live-
Der sehr poetische und melancholische Songtext „Ton héritage” von Benjamin Biolay ist eine Ode an ein „Kind” (oder eine jüngere Person), das eine Reihe spezifischer Neigungen, Ängste und Eigenheiten hat, die oft mit einem sensiblen, vielleicht leicht ruhelosen oder nonkonformistischen Charakter verbunden sind. Die zentrale Aussage des Liedes ist ermutigend und verständnisvoll, jedoch auch von einer gewissen fatalistischen Melancholie durchzogen. Der Interpret wendet sich an das Kind und beschreibt dessen Liebe zu Gegensätzen (Regenabende, Mitternachtsbad), zur Melancholie (Ruinen, Herbstlaub), zur Flucht, zu tiefen Gefühlen und zur Angst.
Die wiederkehrende Botschaft im Refrain lautet: „Ce n’est pas ta faute, c’est ton héritage” (Es ist nicht deine Schuld, es ist dein Erbe). „Ce n’est pas ta faute, c’est ta chair, ton sang“ (Es ist nicht deine Schuld, es ist dein Fleisch, dein Blut). Damit wird dem Kind versichert, dass seine Charakterzüge, seine Ängste und seine komplizierten Gefühle keine Fehler sind, sondern ihm innewohnen – sie sind genetisch oder schicksalhaft bedingt.
Der Songtext berührt folgende Themen:
~ die Liebe zum Besonderen und Melancholischen, – die Vorliebe für Regenabende, Italien, die „schlechte” Seite des Lebens, das Vergängliche (Blätter, Herbst);
~ Angst und Verletzlichkeit: die Angst vor der „Bombe” (Krieg/Zerstörung), dem „zu großen Himmel” (existenzielle Angst), der „Leere” und dem „Schlaf”.
~ Identität und Schicksal: die Beschreibung von Vergesslichkeit, das Sehen von „Luftspiegelungen” und die Tatsache, dass „nichts jemals nach Plan verläuft”. Der Sprecher beendet diese Beschreibungen oft mit einer liebevollen Aufforderung („crie mon enfant”, „roule mon enfant” – schrei mein Kind, roll mein Kind).
~ Ein düsterer Ausblick: Die pessimistische Warnung, dass es „pire encore quand tu auras mon âge” (noch schlimmer sein wird, wenn du mein Alter hast), deutet auf eine lebenslange Bürde hin, die aber akzeptiert werden muss: „Il va falloir faire avec ou plutôt sans” (Du wirst damit leben müssen oder besser gesagt ohne).
Zusammenfassend ist es ein zutiefst persönliches, poetisches Liebeslied und eine Mahnung, die die komplexe, sensible und leicht leidende Natur eines Menschen anerkennt und ihm versichert, dass diese Eigenschaften Teil seines unveränderlichen Wesens sind.
Es begann, als sie mich aus meinem Zuhause holten. | On this day in music.
–28.09.1993– | track: –The Mercy Seat – Live- | artist: –Nick Cave & The Bad Seeds– | album: -Live Seeds-
Dieser Songtext von Nick Cave and the Bad Seeds („The Mercy Seat“) ist eine dunkle und intensive Erzählung aus der Perspektive eines zum Tode Verurteilten, der seine Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl – dem „Gnadenstuhl“ (Mercy Seat) – erwartet.
Der Text beginnt mit der Verhaftung und dem Transfer in die Todeszelle (Dead Row). Zentral ist die bevorstehende Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl, der hier als „Gnadenstuhl“ bezeichnet wird und somit eine doppelte Bedeutung hat: einerseits die elektrische Hinrichtungsapparatur, andererseits der biblische Gnadenthron. Die körperlichen Empfindungen des Protagonisten (head is shaved, head is wired, body is on fire, head is burning/smoking/melting) beschreiben den Prozess der Elektrokution auf eindringliche Weise.
Zunächst beteuert der Verurteilte seine Unschuld („I am nearly wholly innocent”), wird aber im Laufe des Liedes zu einem unzuverlässigen Erzähler. Hinweise auf seine Schuld sind die Tätowierungen „E.V.I.L.” und „G.O.O.D.” auf seinen Händen. Der Höhepunkt der Ungewissheit und einer möglichen Beichte erfolgt in den letzten Strophen, in denen seine Behauptungen immer widersprüchlicher werden. Er behauptet nicht nur, die Wahrheit gesagt zu haben und keine Angst vor dem Sterben zu haben, sondern gesteht am Ende: „But I’m afraid I told a lie.”
Der Text ist durchzogen von Anspielungen auf das Christentum. So spielt der „Mercy Seat” auf den biblischen Gnadenthron an und kontrastiert die weltliche Gerechtigkeit („An eye for an eye, a tooth for a tooth”) mit der göttlichen Barmherzigkeit. Die Figur Christi wird erwähnt („Christ was born into a manger / Died upon the cross”), wodurch die Themen Sühne, Verurteilung und Erlösung in den Vordergrund rücken. Der Verurteilte sucht verzweifelt nach einer endgültigen Wahrheit oder einem Ende des Urteilens („To be done with all this measuring of truth/proof”).
Somit ist der Song ein erschütternder innerer Monolog eines Mannes in seinen letzten Momenten, in dem Realität (die Hinrichtung) und seine Verzweiflung, seine Verwirrung sowie seine verzerrte Wahrnehmung von Schuld und Unschuld verschmelzen.
Dies ist kein Abschied, denn ich war nie willkomm’n. | On this day in music.
–27.09.2013– | track: –Im Ascheregen– | artist: –Casper– | album: -Hinterland-
In dem Songtext „Im Ascheregen“ von Casper geht es um einen radikalen Abschied und einen Neuanfang.
Casper drückt die tiefe Entfremdung und Ablehnung gegenüber der Umgebung, insbesondere der Stadt, aus. Er hat sich dort nie willkommen gefühlt. Es ist kein trauriger Abschied, sondern ein entschlossener Aufbruch, bei dem der Protagonist nie wieder zurückkehren möchte.
Die Stadt und das bisherige Leben werden mit drastischen Bildern wie „Die Stadt muss brenn’n” und dem Werfen eines Streichholzes in die Luft metaphorisch in Verbindung gebracht. Dies symbolisiert das Ende und die Vernichtung des Vergangenen, dem der Protagonist gleichgültig oder sogar schadenfroh zuschaut („um eure Gebäude brennen zu seh’n im Ascheregen“).
Er will sofort und sorglos losfahren („Fuß aufs Gas, ah, in ein gutes Jahr“), weg von einem Leben ohne große Gefahren oder Sinn („nur Probeliegen für’n Sarg“). Er sehnt sich nach einem Neubeginn und lehnt alles ab, was das Alte verspricht.
Die Mischung aus „Heizöl, zwei Drittel Benzin” und die Aussage, dass Augen und Herzen Dynamit sind, verdeutlichen die explosive, entschlossene und bewusste Haltung des Protagonisten. Er ist zwar „müde”, hat aber einen Plan und ein Ziel.
Er fährt zum Hügel hinauf, dreht das Radio laut und beobachtet, wie alles „untergehen“ soll – er akzeptiert das Ende nicht nur, sondern ist aktiv daran beteiligt, es herbeizuführen oder zu beobachten. Der Tanz im Ascheregen am Ende zeigt eine trotzige, befreite Reaktion auf das Chaos.
Insgesamt ist es eine Hymne an die Befreiung durch den Bruch mit einer ungeliebten, heuchlerischen („Neinsager-Stadt”) Vergangenheit und den aufregenden, wenn auch riskanten Neubeginn.


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