Einige meiner liebsten Familientraditionen:

Als Familientraditionen werden alle Prinzipien und Verhaltensweisen bezeichnet, die in einer Familie über einen längeren Zeitraum hinweg bewahrt werden. Zu meinen liebsten Familientraditionen zählen diejenigen, die ich schätze oder mag. Prinzipien sind Grundsätze oder Maßstäbe des Handelns, die einen Menschen leiten.

Welche Familientraditionen mir am wichtigsten sind, habe ich erst nach längerem Nachdenken erkannt. Dazu gehören nicht die sich im Jahreskreis wiederholenden Handlungen wie der Kirchgang am 24. Dezember eines Jahres, den ich aus Protest gegen die militaristische und unchristliche Haltung der evangelischen Kirche in Deutschland beendet habe, oder das Käsefondue an jedem 24. Dezember, das für meine Kinder eine liebgewonnene Tradition ist. Ich mag solche immer wiederkehrenden Handlungen nicht.

Meine liebsten Familientraditionen stammen aus den nach außen gerichteten Werten meiner Herkunftsfamilie, der angeheirateten Familie und meiner eigenen Familie. Aus der sozialdemokratischen (bis 1982) und christlichen Tradition entstammen unter anderem die Nächstenliebe, das altruistische und uneigennützige Handeln zum Wohl anderer, besonders der Schwächeren, sowie das Zeigen von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, um dort zu helfen, wo Not herrscht – kurz: Barmherzigkeit. Dazu gehört auch die Bereitschaft, ehrenamtlich Zeit und Energie für das Gemeinwohl einzusetzen. Leider gehört Zivilcourage nicht zur Familientradition.

Zu meinen liebsten Familientraditionen gehören auch Integrität und Verlässlichkeit. Ich kenne über die Generationen hinweg nur zuverlässige Familienmitglieder, die sich an Abmachungen halten. Aufrichtigkeit und Authentizität werden gelebt, niemand treibt ein „falsches Spiel”. Alle haben ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein.

Gäste sind herzlich willkommen und werden auch so empfangen. Andere Meinungen, sexuelle Orientierungen und Lebensentwürfe werden respektiert und mindestens toleriert. Grundsätzlich wird ein wertschätzender Umgangston gepflegt; Ausnahmen bestätigen diese Regel. Auch Bescheidenheit wird als Wert gelebt.

Einer meiner liebsten Werte ist der Sinn für Gerechtigkeit bzw. das Erkennen von Ungerechtigkeit. Allen liegt daran, die Schöpfung zu bewahren und möglichst nachhaltig zu leben. Ein weiterer wichtiger Wert ist für mich die Solidarität, das Miteinander, das Füreinander-Dasein, wenn es darauf ankommt.

Das klingt jetzt sehr idealistisch. Die Bandbreite, in der diese Werte ausgelebt werden, ist groß. Mal werden sie mehr, mal weniger gelebt. Wichtig ist mir die Abwesenheit negativer Gegenwerte. Es wird auch nicht aktiv über diese gelebten Werte gesprochen, denn sie müssen von niemandem angemahnt werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass meine drei Kinder adoptiert sind oder sich dauerhaft in Pflege befanden (alle Kinder sind jetzt erwachsen).

Über die heutige Frage hatte ich bislang nicht nachgedacht. Jetzt wurde mir bewusst, dass ich stolz sein kann auf diese Familie.

Mir wird auch klar, dass wir alle – die Gesellschaft – unter der heutigen politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklung leiden und die damit verbundene Schockstarre noch nicht überwunden haben.

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Autor: Bernd

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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