Liebeskummer
Hier sitzt sie nun. Allein am Küchentisch. Den rechten Ellenbogen hat sie auf dem Tisch abgestützt, die rechte Kinnhälfte ruht auf dem Handballen ihrer zu einer halben Faust geballten Hand.
Hier sitzt sie nun. Verlassen. Vor der Wand, deren Rot er so mochte. Sie liebt Blau. Das Rot ihrer Lippen korrespondiert mit der Farbe der Wand.
Hier sitzt sie nun. Mit tränenverquollenen Augen.
Hier sitzt sie nun. Seitdem Christian sie verlassen hat. Vor einer Woche kam er von einer einwöchigen Dienstreise nach Hause, schaute sie lange traurig und schuldbewusst an. Er sprach davon, ausziehen zu müssen und allein zu sein. Was er danach sagte, hörte sie zwar, aber es drang nicht mehr in ihr Bewusstsein. Christian löste den Wohnungsschlüssel vom Schlüsselbund, legte ihn auf den Küchentisch, lächelte schief, drehte sich um, griff seinen Koffer und ging.
Langsam kommt sie wieder zu sich. Sie kann es nicht fassen. Sie fühlt sich wie nach einer schweren Grippe, und wie amputiert.
Julia beginnt langsam zu überlegen, was sie am meisten vermisst, was sie an Christian hatte, was von ihrer Beziehung bleibt. Gab es etwas, das sie nicht geben konnte? Was? Wo war die Bruchstelle? Ich bin allein! Verlassen! Wer kann mich trösten?
Bilder erzählen Geschichten und jede Geschichte sagt etwas aus über den Menschen, der sie erzählt. Angelehnt an einen alten projektiven Test, den TAT, zeigt die Psychologie Heute ein Bild und bittet, die Szene zu deuten. – Psychologie Heute 13.01.2026 – https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/44658-was-sehen-sie-hier-anne-rabe.html

